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16 Zoll

FT Wissenswelt – PKW-Winterreifen

Winterreifen auf Eis und Glätte – warum Reifen auch hier physikalische Grenzen haben

Eis gehört zu den anspruchsvollsten Fahrbahnoberflächen überhaupt. Selbst ein hochwertiger Winterreifen kann dort nur begrenzte Brems-, Antriebs- und Seitenführungskräfte übertragen.

Winterreifen verbessern die Voraussetzungen durch Gummimischung, Lamellen, Profilkanten und eine auf niedrige Temperaturen abgestimmte Konstruktion. Sie können die sehr niedrigen Reibwerte einer vereisten Fahrbahn jedoch nicht aufheben.

Geringe Reibung

Auf Eis steht deutlich weniger nutzbare Haftung zur Verfügung als auf trockener oder nasser Fahrbahn.

Lamellen

Feine Profilkanten können die Kontaktmöglichkeiten zur Oberfläche verbessern und dünne Feuchtigkeitsschichten beeinflussen.

Physikalische Grenze

Bremsen, Beschleunigen und Lenken konkurrieren um die begrenzt verfügbare Reifenhaftung.

Winterreifen verbessern die Kontrolle auf Eis – sie machen eine vereiste Straße aber nicht zu einer normalen Fahrbahn.

Warum ist Eis so glatt?

Eine Eisoberfläche besitzt nur geringe Möglichkeiten zur mechanischen Verzahnung mit einem normalen Straßenreifen.

Anders als auf Schnee können Profilblöcke und Lamellen kaum tief in die Oberfläche eindringen.

Zusätzlich können Feuchtigkeit und sehr dünne Wasserfilme an der Oberfläche die Kraftübertragung weiter beeinflussen.

Je glatter die Oberfläche, desto weniger mechanische Angriffspunkte stehen dem Reifen zur Verfügung.

Warum ist Eis nicht immer gleich Eis?

Auch vereiste Fahrbahnen können sehr unterschiedlich sein.

Unterschiede entstehen beispielsweise durch:

  • Temperatur
  • Oberflächenrauheit
  • Feuchtigkeit
  • Verkehrsbelastung
  • Salzreste
  • Schneereste

Eine raue, stark strukturierte Eisoberfläche kann andere Reibwerte besitzen als eine glatt polierte Fläche.

Die Aussage „Eis ist Eis“ ist deshalb technisch genauso ungenau wie die Aussage „Schnee ist Schnee“.

Warum kann festgefahrener Schnee fast wie Eis wirken?

Schnee kann durch wiederholtes Überfahren immer stärker verdichtet werden.

Die Oberfläche wird dadurch:

  • härter
  • glatter
  • weniger verzahnbar

Zusätzlich können Temperaturwechsel zu vereisten Bereichen führen.

Der Übergang von festgefahrenem Schnee zu glatter Eisoberfläche kann deshalb fließend sein.

Wie hilft die Gummimischung auf Eis?

Bei niedrigen Temperaturen muss die Lauffläche ausreichend anpassungsfähig bleiben.

Eine zu stark versteifte Mischung kann sich schlechter an kleinste Unebenheiten der Oberfläche anlegen.

Winterreifen verwenden deshalb Gummimischungen, deren Temperaturverhalten gezielt auf kalte Bedingungen abgestimmt wird.

Die Gummimischung verbessert die Kontaktmöglichkeiten – sie kann den niedrigen Reibwert einer glatten Eisfläche aber nicht vollständig kompensieren.

Warum sind Lamellen auf Eis wichtig?

Lamellen erzeugen zahlreiche feine Kanten innerhalb der Profilblöcke.

Diese Kanten können zusätzliche Kontaktlinien mit der Oberfläche schaffen.

Sie können außerdem helfen, sehr kleine Feuchtigkeitsmengen innerhalb der Kontaktzone aufzunehmen beziehungsweise zu verteilen.

Auf Eis ist die Wirkung der Lamellen besonders feinmechanisch – grobe Profilblöcke allein reichen nicht aus.

Warum sind viele Lamellen trotzdem nicht automatisch besser?

Jede Lamelle unterteilt den Profilblock und macht ihn beweglicher.

Zu viel Bewegung kann die Stabilität beim Bremsen und Lenken beeinträchtigen.

Deshalb müssen Hersteller:

  • Lamellenanzahl
  • Lamellenwinkel
  • Lamellentiefe
  • Profilblocksteifigkeit

aufeinander abstimmen.

Auch auf Eis zählt nicht die Anzahl der Lamellen allein, sondern deren technische Integration in den gesamten Profilblock.

Warum können 3D-Lamellen auf Eis interessant sein?

3D-Lamellen besitzen räumlich strukturierte Innenflächen.

Unter Belastung können sich die angrenzenden Profilbereiche teilweise gegeneinander abstützen.

Dadurch versucht die Konstruktion, zwei Ziele zu verbinden:

  • viele feine Kanten
  • ausreichende Profilblockstabilität
Gerade bei sehr niedriger verfügbarer Haftung ist kontrollierte Profilbewegung wichtig.

Warum kann ein dünner Wasserfilm auf Eis entstehen?

Auf einer Eisoberfläche kann sich abhängig von Temperatur, Druck und Umgebungsbedingungen ein sehr dünner Feuchtigkeitsfilm befinden.

Dieser kann die ohnehin geringe Kraftübertragung zusätzlich beeinflussen.

Das erklärt mit, warum Eis bei bestimmten Temperaturen besonders glatt wirken kann.

Die Haftungsverhältnisse auf Eis hängen deshalb nicht nur von der sichtbaren Oberfläche ab.

Ist sehr kaltes Eis immer genauso glatt?

Nein.

Die Reibbedingungen können sich mit der Temperatur verändern.

Sehr kaltes, trockenes Eis kann andere Oberflächeneigenschaften besitzen als Eis nahe dem Gefrierpunkt mit zusätzlicher Feuchtigkeit.

Die Temperatur beeinflusst deshalb sowohl den Reifen als auch die Eisoberfläche selbst.

Warum ist Eis nahe dem Gefrierpunkt besonders anspruchsvoll?

Nahe dem Gefrierpunkt können Feuchtigkeit, Tauwasser oder teilweise schmelzende Eisbereiche auftreten.

Dadurch können:

  • sehr glatte Oberflächen
  • dünne Wasserfilme
  • ständig wechselnde Reibwerte

entstehen.

Die Bedingungen können sich dabei innerhalb weniger Meter verändern.

Warum verlängert sich der Bremsweg auf Eis so stark?

Beim Bremsen muss der Reifen Längskräfte auf die Fahrbahn übertragen.

Auf Eis steht dafür nur ein begrenztes Haftungsniveau zur Verfügung.

Ist die mögliche Reifenhaftung gering, kann auch nur eine entsprechend begrenzte Bremskraft übertragen werden.

Weniger übertragbare Bremskraft bedeutet einen längeren Weg, um dieselbe Geschwindigkeit abzubauen.

Warum hilft ABS auf Eis?

ABS soll verhindern, dass die Räder beim Bremsen dauerhaft blockieren.

Das System regelt den Bremsdruck, um die vorhandene Reifenhaftung möglichst kontrolliert auszunutzen.

Dadurch bleibt das Fahrzeug in vielen Situationen besser lenkbar.

ABS erzeugt jedoch keine zusätzliche Reifenhaftung. Es kann nur mit dem Grip arbeiten, den Reifen und Fahrbahn bereitstellen.

Warum kann das Bremspedal auf Eis pulsieren?

Wenn ABS eingreift, verändert das System den Bremsdruck sehr schnell.

Diese Regelvorgänge können als Pulsieren oder Vibration am Bremspedal wahrgenommen werden.

Das ist bei einer ABS-Regelung grundsätzlich kein Zeichen dafür, dass die Bremse versagt.

Warum kann ein blockiertes Rad schlechter lenkbar sein?

Ein vollständig blockiertes Rad rollt nicht mehr kontrolliert ab.

Dadurch kann die Möglichkeit, gleichzeitig Seitenführung aufzubauen, stark eingeschränkt werden.

Genau deshalb versucht ABS, einen dauerhaften Blockierzustand zu vermeiden.

Warum konkurrieren Bremsen und Lenken um dieselbe Haftung?

Ein Reifen besitzt nur eine begrenzte Möglichkeit zur Kraftübertragung.

Diese muss aufgeteilt werden zwischen:

  • Längskräften beim Bremsen oder Beschleunigen
  • Seitenkräften beim Lenken

Je stärker bereits gebremst wird, desto weniger zusätzliche Reserve kann für starke Seitenführung verbleiben.

Auf Eis wird dieser Zusammenhang besonders deutlich, weil die gesamte verfügbare Haftung sehr klein ist.

Warum ist starkes Lenken beim Bremsen auf Eis schwierig?

Starke Bremsung und starke Lenkbewegung verlangen gleichzeitig hohe Längs- und Seitenkräfte.

Auf einer glatten Oberfläche kann die verfügbare Gesamthaftung dafür schnell nicht ausreichen.

Je geringer das Gripniveau, desto wichtiger wird eine möglichst ruhige und dosierte Fahrweise.

Warum kann starkes Beschleunigen zum Durchdrehen führen?

Beim Beschleunigen muss der Reifen Antriebskräfte auf die Fahrbahn übertragen.

Übersteigt das angeforderte Drehmoment die verfügbare Haftung, beginnt das Rad durchzudrehen.

Auf Eis kann diese Grenze sehr schnell erreicht sein.

Mehr Motorleistung bedeutet deshalb auf Eis nicht automatisch mehr nutzbaren Vortrieb.

Wie hilft eine Traktionskontrolle?

Eine Traktionskontrolle erkennt übermäßigen Radschlupf und kann die Antriebskraft reduzieren beziehungsweise einzelne Räder gezielt abbremsen.

Dadurch soll die vorhandene Haftung besser genutzt werden.

Auch hier gilt: Elektronik verteilt und regelt die vorhandene Haftung – sie erzeugt keine zusätzliche physikalische Haftung zwischen Reifen und Eis.

Warum ist Allradantrieb auf Eis kein Sicherheitsersatz?

Allradantrieb kann die Antriebskraft auf mehrere Räder verteilen.

Das kann beim Anfahren Vorteile ermöglichen.

Beim Bremsen und Lenken gelten jedoch dieselben physikalischen Grenzen wie bei anderen Antriebskonzepten.

Vier angetriebene Räder bedeuten nicht viermal so viel Brems- oder Kurvenhaftung.

Warum kann ein Allradfahrzeug auf Eis sogar täuschen?

Ein Fahrzeug mit Allrad kann unter schwierigen Bedingungen häufig vergleichsweise souverän anfahren.

Dadurch kann subjektiv der Eindruck entstehen, die Straße biete mehr Haftung als tatsächlich vorhanden ist.

Beim nächsten Bremsmanöver zeigt sich jedoch, dass die verfügbare Reifenhaftung weiterhin sehr begrenzt ist.

Gutes Anfahren ist deshalb kein zuverlässiger Maßstab für den möglichen Bremsweg.

Warum ist Seitenführung auf Eis besonders kritisch?

In einer Kurve müssen die Reifen Seitenkräfte aufbauen.

Ist die Oberfläche glatt, kann diese Seitenkraft nur begrenzt übertragen werden.

Wird die Grenze überschritten, kann das Fahrzeug:

  • über die Vorderräder schieben
  • mit dem Heck ausbrechen
  • ins Rutschen geraten
Die genaue Reaktion hängt unter anderem von Fahrzeug, Antrieb, Geschwindigkeit und Fahrsituation ab.

Warum ist Geschwindigkeit auf Eis so entscheidend?

Mit zunehmender Geschwindigkeit steigt die Bewegungsenergie des Fahrzeugs stark an.

Gleichzeitig bleibt die verfügbare Reifenhaftung auf Eis gering.

Das wirkt sich besonders aus auf:

  • Bremsweg
  • Kurvenfahrt
  • Ausweichmanöver
  • Reaktionsreserve
Schon kleine Geschwindigkeitsunterschiede können auf glatter Fahrbahn einen erheblichen Unterschied machen.

Warum sind Brücken und Überführungen gefährdet?

Brücken werden von oben und unten von kalter Luft umströmt.

Dadurch können sie schneller auskühlen als Straßenabschnitte mit direktem Bodenkontakt.

So können lokal vereiste Bereiche entstehen, obwohl die vorherige Fahrbahn noch weitgehend frei war.

Warum sind Waldstücke und Schattenlagen kritisch?

Wenig Sonneneinstrahlung bedeutet geringere Erwärmung der Fahrbahn.

Feuchtigkeit kann dadurch länger bestehen bleiben und gefrieren.

Besonders aufmerksam sollte man sein bei:

  • Waldabschnitten
  • Nordhängen
  • schattigen Kurven
  • Senken
Eis kann deshalb lokal auftreten und muss nicht über eine ganze Strecke sichtbar vorhanden sein.

Was ist überfrierende Nässe?

Überfrierende Nässe entsteht, wenn Feuchtigkeit auf einer ausreichend kalten Fahrbahn gefriert.

Dadurch kann eine dünne Eisschicht entstehen, die optisch nur schwer erkennbar ist.

Gerade solche dünnen Eisflächen können besonders überraschend auftreten.

Was wird häufig als Blitzeis bezeichnet?

Umgangssprachlich wird der Begriff häufig für plötzlich entstehende extreme Glätte verwendet.

Das kann beispielsweise auftreten, wenn unterkühlter Regen auf eine kalte Oberfläche trifft und dort unmittelbar gefriert.

Solche Bedingungen können selbst mit guten Winterreifen nur sehr begrenzte Fahrreserven bieten.

Warum kann man Glatteis manchmal kaum sehen?

Eine dünne Eisschicht kann transparent sein.

Der Asphalt bleibt dadurch optisch sichtbar und die Straße wirkt lediglich feucht oder dunkel.

Das macht vereiste Abschnitte besonders schwer erkennbar.

Die optische Beurteilung einer Fahrbahn sagt deshalb nicht zuverlässig aus, wie viel Haftung tatsächlich vorhanden ist.

Warum ist der Zustand des Winterreifens auf Eis wichtig?

Auch bei Eis sollte der Reifen technisch einwandfrei sein.

Wichtig sind unter anderem:

  • ausreichende Profiltiefe
  • intakte Lamellen
  • geeigneter Reifenfülldruck
  • keine Beschädigungen
  • passende Reifenausführung
Ein guter Reifenzustand maximiert die verfügbaren Möglichkeiten – auch wenn das Gripniveau auf Eis grundsätzlich niedrig bleibt.

Warum spielt Profiltiefe auf Eis eine andere Rolle als auf Schnee?

Auf Schnee ist Profiltiefe besonders wichtig für Schneeaufnahme, Verzahnung und Selbstreinigung.

Auf einer glatten Eisfläche steht diese mechanische Schneeaufnahme nicht zur Verfügung.

Dort sind unter anderem:

  • Lamellen
  • Gummimischung
  • feine Kontaktkanten
  • Reifenaufstandsfläche

besonders wichtig.

Profiltiefe bleibt ein Zustandsmerkmal, aber die Wirkmechanismen unterscheiden sich von einer tief verschneiten Fahrbahn.

Warum kann ein stark abgefahrener Winterreifen trotzdem Nachteile haben?

Mit zunehmendem Verschleiß verändert sich die Profilgeometrie.

Je nach Reifenmodell können:

  • Lamellen flacher werden
  • Lamellen teilweise auslaufen
  • Profilkanten verschwinden
  • Profilblöcke ihre ursprüngliche Form verändern
Damit können auch die konstruktiv vorgesehenen Wintereigenschaften nach und nach verändert werden.

Warum sollte der Reifenfülldruck auch auf Eis stimmen?

Der Betriebsdruck beeinflusst die Verformung von Karkasse und Aufstandsfläche.

Ein ungeeigneter Reifendruck kann unter anderem verändern:

  • Lenkreaktion
  • Kontaktverteilung
  • Verschleiß
  • Reifenstabilität
Weniger Luft erzeugt auf Eis nicht automatisch mehr Haftung.

Warum ist „Luft ablassen für mehr Grip“ keine gute allgemeine Regel?

Ein zu niedriger Betriebsdruck verändert die Reifenkonstruktion und kann zu übermäßiger Karkassenverformung führen.

Die Fahrzeug- und Reifenhersteller legen den vorgesehenen Betriebsdruck für technische Gründe fest.

Winterglätte ist deshalb kein Grund, den Reifendruck eigenmächtig deutlich zu reduzieren.

Warum helfen Winterreifen auf Eis besser als ungeeignete Reifen?

Winterreifen kombinieren mehrere Eigenschaften, die bei niedrigen Temperaturen und glatten Oberflächen hilfreich sind.

Dazu gehören:

  • kälteangepasste Gummimischung
  • viele feine Lamellen
  • zahlreiche Profilkanten
  • auf Winterbetrieb abgestimmte Profilblockbewegung
Sie verbessern damit die verfügbaren Kontakt- und Kraftübertragungsmöglichkeiten – innerhalb der physikalischen Grenzen der Eisoberfläche.

Warum können verschiedene Winterreifen auf Eis unterschiedlich gut sein?

Auch innerhalb der Kategorie Winterreifen bestehen Unterschiede bei:

  • Gummimischung
  • Lamellenanzahl
  • Lamellengeometrie
  • Profilblocksteifigkeit
  • Karkassenabstimmung
  • Entwicklungsziel

Ein Hersteller kann innerhalb eines Modells unterschiedliche Schwerpunkte setzen.

„Winterreifen“ ist deshalb keine einheitliche Performanceklasse.

Warum ist ein Winterreifen für Mitteleuropa nicht automatisch ein extremer Eisreifen?

Ein typischer europäischer Winterreifen muss viele Bedingungen miteinander verbinden:

  • trockene kalte Straße
  • Nässe
  • Schnee
  • Schneematsch
  • Eis
  • Autobahnfahrten

Die Konstruktion muss deshalb mehrere Zielkonflikte ausbalancieren.

Ein Reifen, der ausschließlich auf maximale Eisperformance spezialisiert wäre, könnte in anderen Disziplinen andere Eigenschaften besitzen.

Eis und Winterreifen technisch im Überblick

Einfluss Wirkung Warum relevant?
Gummimischung Bleibt bei niedrigen Temperaturen ausreichend anpassungsfähig Unterstützt den feinen Oberflächenkontakt
Lamellen Erzeugen zusätzliche feine Kanten Mehr Kontaktmöglichkeiten auf glatter Oberfläche
Eistemperatur Beeinflusst Oberflächenzustand und Feuchtigkeit Grip kann je nach Temperatur variieren
Geschwindigkeit Erhöht Bewegungsenergie und reduziert Reserven Bremsweg und Kurvenkräfte werden kritischer
Bremsen Benötigt Längskraft Verbraucht einen Teil der begrenzt verfügbaren Haftung
Lenken Benötigt Seitenkraft Konkurriert mit Brems- oder Antriebskräften
Reifenfülldruck Beeinflusst Aufstandsfläche und Karkassenverformung Passender Betriebsdruck bleibt wichtig

Typische Irrtümer zu Winterreifen auf Eis

Behauptung Richtige Einordnung
„Winterreifen haften auf Eis problemlos.“ Nein. Sie verbessern die Möglichkeiten, können aber die sehr niedrigen Reibwerte nicht aufheben.
„Allrad verhindert Rutschen auf Eis.“ Nein. Allrad kann beim Anfahren helfen, verändert aber die physikalischen Brems- und Seitenführungsgrenzen nicht grundlegend.
„ABS verkürzt auf Eis immer den Bremsweg.“ ABS dient vor allem dazu, blockierende Räder zu vermeiden und die vorhandene Haftung kontrollierbar zu nutzen. Der tatsächliche Bremsweg hängt von vielen Bedingungen ab.
„Je mehr Lamellen, desto besser auf Eis.“ Nicht automatisch. Lamellenform, Mischung und Profilblockstabilität müssen zusammenpassen.
„Mit weniger Luft hat man auf Eis mehr Grip.“ Keine sinnvolle allgemeine Regel. Der vorgesehene Betriebsdruck sollte eingehalten werden.
„Wenn das Auto gut anfährt, kann es auch gut bremsen.“ Nein. Besonders Allrad kann beim Anfahren ein höheres Sicherheitsgefühl vermitteln, ohne dass sich der mögliche Bremsweg entsprechend verbessert.
„Glatteis sieht man immer.“ Nein. Dünne transparente Eisschichten können optisch wie eine nasse Fahrbahn wirken.
„Sehr kaltes Eis und Eis bei 0 °C sind gleich.“ Nein. Temperatur und Oberflächenfeuchtigkeit können die Reibbedingungen verändern.
„Elektronische Systeme erzeugen zusätzliche Haftung.“ Nein. ABS, ESP und Traktionskontrolle helfen, die vorhandene Reifenhaftung besser zu nutzen.

Auf Eis bleibt die Physik der entscheidende Faktor

Winterreifen verbessern die Bedingungen durch ihre spezielle Konstruktion erheblich gegenüber ungeeigneter Bereifung.

Doch auch der beste Winterreifen kann nur die Haftung nutzen, die zwischen Reifen und Eis tatsächlich vorhanden ist.

Auf einer glatten Eisfläche müssen sich:

Bremsen + Beschleunigen + Lenken

eine sehr begrenzte Kraftübertragungsreserve teilen.

Deshalb sind niedrige Geschwindigkeit, große Reserven und ruhige Fahrmanöver auf Glätte mindestens genauso wichtig wie die technische Qualität des Winterreifens.

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Häufige Fragen zu Winterreifen auf Eis und Glätte

Warum ist Eis so schwierig für Reifen?

Weil die Oberfläche nur sehr wenig mechanische Verzahnung ermöglicht und dadurch nur geringe Brems-, Antriebs- und Seitenkräfte übertragen werden können.

Helfen Lamellen auf Eis?

Ja. Sie erzeugen zusätzliche feine Kanten und können den Kontakt zur Oberfläche verbessern. Sie können die physikalischen Grenzen einer glatten Eisfläche jedoch nicht aufheben.

Warum ist die Gummimischung wichtig?

Sie muss bei niedrigen Temperaturen ausreichend anpassungsfähig bleiben, damit sich die Lauffläche möglichst gut an die vorhandene Oberflächenstruktur anlegen kann.

Ist Eis bei jeder Temperatur gleich glatt?

Nein. Oberflächentemperatur, Feuchtigkeit und Rauheit können die Reibbedingungen verändern.

Was ist überfrierende Nässe?

Dabei gefriert vorhandene Feuchtigkeit auf einer kalten Fahrbahn und bildet eine dünne Eisschicht.

Was ist Blitzeis?

Der Begriff wird umgangssprachlich für sehr plötzlich auftretende extreme Glätte verwendet, beispielsweise wenn unterkühlter Niederschlag auf der Fahrbahn gefriert.

Hilft ABS auf Eis?

ABS hilft, dauerhaft blockierende Räder zu vermeiden und die vorhandene Haftung kontrollierter zu nutzen. Es kann jedoch keine zusätzliche Reifenhaftung erzeugen.

Warum hilft Allrad beim Bremsen nicht automatisch?

Allrad verteilt Antriebskräfte. Beim Bremsen hängt die mögliche Verzögerung weiterhin von der Haftung der Reifen zur Fahrbahn ab.

Warum kann ein Allradfahrzeug auf Eis täuschen?

Weil es häufig vergleichsweise gut anfährt und dadurch mehr Grip vermittelt, als beim späteren Bremsen tatsächlich zur Verfügung steht.

Sollte man auf Eis den Reifendruck absenken?

Das ist keine sinnvolle allgemeine Regel. Der vorgesehene Betriebsdruck für Fahrzeug, Reifen und Belastung sollte eingehalten werden.

Warum ist Geschwindigkeit auf Eis so wichtig?

Mit steigender Geschwindigkeit wächst die Bewegungsenergie, während die verfügbare Reifenhaftung weiterhin sehr gering bleibt.

Kann auch ein neuer Winterreifen auf Eis rutschen?

Ja. Auch ein neuer Winterreifen besitzt auf einer vereisten Fahrbahn klare physikalische Grenzen.

Winterreifen verbessern die Haftung auf Eis – sie können die Physik nicht ersetzen

Auf Eis stehen einem Reifen nur sehr begrenzte Möglichkeiten zur Kraftübertragung zur Verfügung.

Winterreifen nutzen dafür mehrere technische Vorteile:

kälteangepasste Gummimischung → Lamellen → feine Profilkanten → kontrollierte Profilbewegung.

Damit können sie die verfügbaren Reibwerte besser nutzen als ungeeignete Bereifung.

Die Grundgrenze bleibt jedoch bestehen:

Bremsen, Lenken und Beschleunigen müssen sich dieselbe begrenzte Haftung teilen.

Elektronische Systeme wie ABS, ESP und Traktionskontrolle können helfen, diese vorhandene Haftung kontrollierter auszunutzen.

Sie können aber keinen Grip erzeugen, den Reifen und Fahrbahn nicht bereitstellen.

Gerade auf Eis wird deshalb besonders deutlich, dass Reifentechnik und Fahrphysik immer zusammengehören.

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