Ablauf Bestellung
FT Praxiswelt
Von der Bestellung bis zur Anlieferung
So läuft eine Reifen- oder Felgenbestellung im Hintergrund ab: vom Onlineshop über Kommissionierung, Verpackung, Wechselbrücken und Paketdienst bis zur Zustellung beim Kunden.
Viele Kunden sehen nur den Bestellbutton und später das Pakettracking. Dazwischen läuft jedoch eine komplexe Logistikkette, die bei Reifen und Felgen deutlich anspruchsvoller ist als bei normalen Paketen.
Warum Reifen- und Felgenversand besonders ist
Reifen und Felgen sind keine normalen Pakete. Sie sind groß, schwer und benötigen in Lager, Verpackung und Transport besondere Abläufe.
Besonders Reifenpakete unterscheiden sich deutlich von klassischen Kartonpaketen:
- größere Abmessungen
- höheres Gewicht
- andere Fördertechnik
- getrennte Verarbeitung bei vielen Paketdiensten
- hohe saisonale Paketmengen
- besondere Anforderungen bei Alufelgen
Zwischen Bestellung und Anlieferung arbeiten Shop, Lager, Verpackung, Verladung, Paketdienst und Zustellfahrer zusammen. Viele Verzögerungen entstehen nicht beim Händler, sondern in der nachgelagerten Paketlogistik.
1. Bestellung im Onlineshop
Der Ablauf beginnt mit der Bestellung im Onlineshop. Der Kunde wählt Reifen, Felgen oder Kompletträder aus, legt die gewünschte Menge in den Warenkorb und schließt die Bestellung ab.
Wichtig sind dabei:
- richtige Reifengröße
- passender Lastindex
- passender Geschwindigkeitsindex
- korrekte Lieferadresse
- vollständige Zahlungsabwicklung
- bei Felgen passende Fahrzeugzuordnung
Nach Abschluss der Bestellung beginnt die Verarbeitung der Auftragsdaten.
2. Warum eine Bestellung oft nicht mehr gestoppt werden kann
Nach Abschluss einer Bestellung wird der Auftrag in der Regel sehr schnell verarbeitet. Häufig wird innerhalb kurzer Zeit ein Kommissionierauftrag im Lager erzeugt.
In vielen Fällen geschieht dies bereits innerhalb von etwa 30 Minuten nach Bestelleingang.
Sobald der Kommissionierauftrag im Lager gedruckt oder elektronisch angestoßen wurde, läuft die Logistikkette an.
- Auftragsdaten werden verarbeitet
- Versandlabel werden automatisch erzeugt
- Kommissionierauftrag wird im Lager erstellt
- Ware wird dem Lagerprozess zugeordnet
- Reifen werden zur Verpackung weitergeleitet
In einem Großlager mit sehr hohen Reifenbeständen ist ein Versandstopp nach Start der Kommissionierung oft technisch nicht mehr zuverlässig möglich. Der Vorteil dieser schnellen Abläufe sind kurze Lieferzeiten – der Nachteil ist ein sehr kleines Zeitfenster für Änderungen oder Stornierungen.
3. Kommissionierung im Großlager
Nach der Auftragsverarbeitung werden die Reifen oder Felgen im Lager kommissioniert. Moderne Reifenlager können sehr große Bestände verwalten.
Dabei laufen viele Schritte automatisch oder teilautomatisch ab:
- Auftrag wird dem Lager zugewiesen
- Artikel werden aus dem Bestand gesucht
- Reifen werden aufgenommen und transportiert
- Versandlabel werden automatisch gedruckt
- Ware wird zur Verpackung weitergeleitet
In solchen Lagerstrukturen kann nicht einfach ein einzelner Auftrag manuell aus der laufenden Kette herausgenommen werden, sobald dieser bereits in der Kommissionierung ist.
4. Automatische Verpackung der Reifen
Nach der Kommissionierung werden die Reifen zur automatischen Verpackung transportiert.
Dort werden die Reifen in einer Verpackungsanlage mit Folie versehen. Häufig erfolgt dies über einen Schrumpftunnel, in dem die Folie fest um den Reifen oder das Reifenpaket gelegt wird.
- Reifen werden zur Verpackungsanlage transportiert
- Versandlabel werden zugeordnet
- Reifen werden mit Folie verpackt
- Verpackung schützt Ware und Versandlabel
- anschließend erfolgt die Verladung
Reifen werden im Versand häufig nicht wie normale Kartons behandelt. Die Folienverpackung ist im Reifenversand üblich und auf die Größe und Form der Reifen abgestimmt.
5. Verladung in Wechselbrücken
Nach der Verpackung werden die Reifen nicht einzeln an den Paketdienst übergeben. Sie werden in sogenannte Wechselbrücken verladen.
Eine Wechselbrücke ist ein großer Wechselcontainer für den Straßentransport. Sobald sie voll beladen ist, wird sie verschlossen und auf einem Stellplatz bereitgestellt.
- Reifenpakete werden in Wechselbrücken verladen
- volle Wechselbrücken werden verschlossen
- Wechselbrücken werden vom Ladebereich abgezogen
- Bereitstellung auf einem Stellplatz
- Abholung durch Paketdienste wie DPD oder GLS
Von dort werden die Wechselbrücken durch den jeweiligen Versanddienstleister abgeholt und zum zuständigen Depot gebracht.
6. Warum steht im Tracking oft nur „Versand vorbereitet“?
Eine der häufigsten Fragen lautet: Warum steht im Tracking nur „Versand vorbereitet“ oder „Daten elektronisch übermittelt“, obwohl die Ware angeblich schon verschickt wurde?
Der Grund liegt im ersten Scan beim Paketdienst.
Auch wenn die Wechselbrücke bereits vom Lager abgeholt wurde und auf dem Hof des Paketdienstes steht, kennt das Paketdienst-System die einzelnen Pakete oft erst dann, wenn die Wechselbrücke geöffnet und die Sendungen gescannt werden.
- Ware wurde bereits verladen
- Wechselbrücke wurde abgeholt
- Sendung steht eventuell schon beim Paketdienst
- aber noch kein einzelner Paketscan vorhanden
- Tracking bleibt deshalb unverändert
Wenn beim Paketdienst noch kein Scan vorhanden ist, lautet die Auskunft häufig: „Die Ware befindet sich noch beim Versender.“ In der Praxis kann die Ware zu diesem Zeitpunkt bereits beim Paketdienst auf dem Hof stehen und auf die Entladung der Wechselbrücke warten.
7. Warum der Paketdienst einzelne Pakete noch nicht sieht
Solange die Wechselbrücke nicht geöffnet und die einzelnen Sendungen nicht gescannt wurden, kann der Paketdienst am Telefon oft nicht erkennen, in welcher Wechselbrücke sich ein bestimmtes Paket befindet.
Das liegt daran, dass auf dem Gelände des Paketdienstes viele Wechselbrücken gleichzeitig stehen können.
Für den Kunden wirkt es dann so, als sei die Ware noch nicht versendet. Tatsächlich wartet sie häufig nur auf die weitere Verarbeitung im Depot.
- viele Wechselbrücken gleichzeitig auf dem Hof
- einzelne Pakete erst nach Öffnung sichtbar
- erster Scan entsteht erst bei Verarbeitung
- Telefonservice sieht nur den fehlenden Scan
- tatsächlicher Standort kann dadurch falsch eingeschätzt werden
8. Warum Reifenpakete in der Saison länger dauern können
In der Reifen-Hochsaison kann es regelmäßig zu Verzögerungen kommen. Besonders im Herbst und Winter steigt die Paketmenge durch Winterreifen und Ganzjahresreifen stark an.
Ein einzelnes Großlager kann in Spitzenzeiten bis zu zehntausende Reifenpakete pro Tag in das Paketnetz einspeisen. Gleichzeitig liefern mehrere Großhändler in Deutschland große Mengen an Reifen aus.
Teilweise rollen mehrere Großhändler in dasselbe Depot ein. Dadurch entstehen enorme Mengen an Reifenpaketen innerhalb kurzer Zeit.
- sehr hohe Paketmengen in kurzer Zeit
- mehrere Großlager gleichzeitig aktiv
- mehrere Großhändler liefern in dieselben Depots
- Reifenpakete benötigen besondere Verarbeitung
- Rückstau bei Wechselbrücken möglich
9. Reifenpakete sind nicht wie normale Pakete förderbar
Reifenpakete sind größer und schwerer als viele normale Pakete. Deshalb können sie nicht immer zusammen mit normalen Kartons verarbeitet werden.
Würden schwere Reifenpakete unkontrolliert zusammen mit normalen Paketen laufen, könnten leichtere Sendungen beschädigt werden.
Deshalb werden Reifen bei vielen Paketdiensten in separaten Zeitfenstern oder besonderen Abläufen verarbeitet.
- Reifenpakete sind groß
- Reifenpakete sind schwer
- Fördertechnik ist stärker belastet
- andere Pakete könnten beschädigt werden
- separate Verarbeitung kann nötig sein
Wenn Paketdienste Reifen verarbeiten, kann dies bedeuten, dass normale Paketverarbeitung zeitweise zurückgestellt wird. Dadurch entstehen in der Hochsaison zwangsläufig Engpässe.
10. Wie Rückstau bei Reifenpaketen entsteht
Wenn täglich mehr Wechselbrücken mit Reifen ankommen als verarbeitet werden können, entsteht ein Rückstau.
In der Praxis kann es passieren, dass immer mehr Wechselbrücken auf dem Hof stehen. Teilweise stehen neue Wechselbrücken vor älteren Brücken, die eigentlich als Nächstes verarbeitet werden sollten.
Dann sind einzelne Wechselbrücken vorübergehend schwer erreichbar, obwohl sie bereits beim Paketdienst stehen.
- zu viele Wechselbrücken gleichzeitig
- begrenzte Entlade- und Sortierkapazität
- Rückstau auf dem Paketdienstgelände
- verzögerter erster Scan
- spätere Weiterleitung in die Zielregion
Ein unveränderter Trackingstatus bedeutet in der Hochsaison nicht automatisch, dass die Ware noch beim Händler liegt. Häufig wartet sie bereits beim Paketdienst auf die Entladung und den ersten Scan.
11. Warum Reifen manchmal an verschiedenen Tagen ankommen
Gerade bei mehreren Reifen kann es vorkommen, dass nicht alle Pakete gleichzeitig zugestellt werden.
Dafür gibt es mehrere Gründe:
- einzelne Reifen werden getrennt gescannt
- Pakete können auf unterschiedliche Förderstrecken geraten
- ein Paket wird früher entladen als ein anderes
- Zustellung erfolgt auf unterschiedlichen Touren
- einzelne Pakete bleiben im Depot zurück
Das bedeutet nicht automatisch, dass ein Reifen verloren ist. Häufig folgt das fehlende Paket mit der nächsten Verarbeitung oder Tour.
12. Alufelgen richtig annehmen
Alufelgen sind deutlich empfindlicher als Reifen. Bereits kleinere Beschädigungen an der Verpackung können darauf hinweisen, dass die Felge während des Transports einen Stoß erhalten hat.
Deshalb sollte die Verpackung bei der Annahme sorgfältig kontrolliert werden.
- Karton auf Dellen prüfen
- aufgerissene Verpackung beachten
- durchstoßene Kartons kontrollieren
- starke Knicke oder Stauchungen prüfen
- Feuchtigkeit oder geöffnete Verpackung beachten
Schon eine kleine Beschädigung am Felgenkarton kann bedeuten, dass die Alufelge einen Stoß abbekommen hat. Deshalb sollte die Verpackung nicht erst später, sondern bereits bei der Zustellung geprüft werden.
13. Beschädigte Verpackung sofort beim Fahrer melden
Wird bei der Zustellung eine beschädigte Verpackung festgestellt, sollte dies sofort dem Zusteller gemeldet werden.
Der Fahrer sollte die Beschädigung im Scanner oder Zustellgerät dokumentieren.
Wichtig ist:
- Schaden direkt bei Zustellung anzeigen
- Beschädigung vom Zusteller dokumentieren lassen
- Karton nicht sofort entsorgen
- Ware zeitnah auspacken und prüfen
- Fotos von Verpackung und Ware machen
Bei größeren Beschädigungen an der Verpackung empfehlen wir, die Annahme des Pakets wegen Transportschaden zu verweigern.
14. Felgen sofort nach Erhalt kontrollieren
Auch wenn die Verpackung äußerlich in Ordnung aussieht, sollten Felgen nach Erhalt zeitnah ausgepackt und kontrolliert werden.
Es gibt auch versteckte Transportschäden, die von außen nicht sofort erkennbar sind.
Kontrolliert werden sollten:
- Felgenhorn
- Speichen
- Lackoberfläche
- Beschichtung
- Zentrierbohrung
- Befestigungsbohrungen
- sichtbare Stoßstellen
15. Fotos bei Transportschäden sind entscheidend
Wird ein Schaden festgestellt, sollten sofort aussagekräftige Fotos erstellt werden.
Wichtig sind:
- Foto der beschädigten Felge
- Detailaufnahme des Schadens
- Foto des gesamten Kartons
- Foto der beschädigten Verpackungsstelle
- Foto des Versandlabels
- Verpackung bis zur Klärung aufbewahren
Viele Kunden fotografieren nur die beschädigte Felge. Für die Bearbeitung eines Transportschadens sind jedoch fast immer auch Bilder der Verpackung erforderlich.
Transportschäden müssen sehr schnell gemeldet werden. Da die Bearbeitung über Kunde, Verkäufer, Großhandel und Paketdienst läuft, sollte der Schaden sofort nach Erhalt gemeldet werden.
Häufige Irrtümer rund um Reifenversand
- „Versand vorbereitet“ bedeutet nicht immer, dass die Ware noch im Lager liegt.
- Der Paketdienst sieht ein Paket oft erst nach dem ersten Scan.
- Vier Reifen können an unterschiedlichen Tagen zugestellt werden.
- Reifenpakete werden in der Hochsaison häufig verzögert verarbeitet.
- Felgenkartons sollten immer sofort kontrolliert werden.
- Bei Transportschäden sind Fotos von Ware und Verpackung wichtig.
- Eine Stornierung ist nach Start der Kommissionierung oft nicht mehr möglich.
Reifenlogistik verständlich erklärt
Vom Bestelleingang über Kommissionierung, Verpackung, Verladung und Paketdienst bis zur Zustellung greifen viele Schritte ineinander. Wer diese Abläufe versteht, kann Trackingmeldungen, Saisonverzögerungen und Transportschäden besser einordnen.