Reifen Laufrichtung
FT Wissenswelt
Laufrichtung, OUTSIDE & INSIDE bei Reifen richtig verstehen
Warum es normalerweise keine linken oder rechten Reifen gibt, weshalb die DOT oft nur auf einer Fahrzeugseite sichtbar ist und warum manche Reifen optisch falsch herum aussehen.
Kaum ein Thema sorgt bei der Reifenmontage für so viele Fragen wie Laufrichtung, OUTSIDE-Kennzeichnung oder die sichtbare DOT-Nummer. In diesem FT-Ratgeber erklären wir die wichtigsten Zusammenhänge aus über 35 Jahren Werkstattpraxis.
Gibt es linke und rechte Reifen?
Dies ist eine der häufigsten Fragen im Reifenhandel. Viele Kunden bestellen einen Reifen und geben an, sie würden einen „linken Reifen“ oder einen „rechten Reifen“ benötigen.
Bei normalen Pkw-Reifen gibt es jedoch grundsätzlich keine linken oder rechten Reifen.
Der gleiche Reifen kann sowohl auf der linken als auch auf der rechten Fahrzeugseite gefahren werden. Erst durch die Montage auf die Felge wird festgelegt, ob das Rad später auf der linken oder rechten Fahrzeugseite eingesetzt wird.
- gleicher Reifen für beide Fahrzeugseiten
- Montage bestimmt die spätere Fahrzeugseite
- keine getrennten linken oder rechten Pkw-Reifen
- entscheidend sind die Kennzeichnungen auf der Reifenflanke
Wenn ein Kunde einen linken oder rechten Reifen bestellen möchte, ist meist ein laufrichtungsgebundener Reifen gemeint. Der Reifen selbst ist jedoch identisch. Die spätere Fahrzeugseite entsteht erst durch die Montage auf die Felge.
Laufrichtungsgebundene Reifen
Laufrichtungsgebundene Reifen besitzen eine vorgeschriebene Drehrichtung. Diese wird auf der Reifenflanke durch einen Pfeil oder durch Begriffe wie ROTATION oder DIRECTION gekennzeichnet.
Der Pfeil muss bei Vorwärtsfahrt immer in Fahrtrichtung zeigen.
- bessere Wasserverdrängung
- optimiertes Aquaplaningverhalten
- verbessertes Nässeverhalten
- häufig bei Winterreifen und Sportreifen
Die Laufrichtung wird nicht durch einen linken oder rechten Reifen festgelegt, sondern durch die Art der Montage auf die Felge.
Was bedeutet OUTSIDE und INSIDE?
Viele moderne Reifen besitzen keine feste Laufrichtung, sondern eine asymmetrische Profilgestaltung.
Auf der Reifenflanke steht dann:
- OUTSIDE = muss nach außen zeigen
- INSIDE = muss nach innen zeigen
Ein asymmetrischer Reifen kann sowohl links als auch rechts am Fahrzeug montiert werden.
Entscheidend ist ausschließlich, dass OUTSIDE nach außen zeigt.
OUTSIDE hat nichts mit der Fahrtrichtung zu tun. OUTSIDE bedeutet lediglich, dass diese Reifenseite nach außen zeigen muss.
Warum sehen manche Reifen falsch herum aus?
Gerade bei asymmetrischen Reifen kommt es häufig vor, dass Kunden nach der Montage glauben, eine Fahrzeugseite sei falsch montiert worden.
Das Profil wirkt auf einer Seite oft so, als würde es rückwärts laufen.
Besonders bekannt ist dieses Phänomen bei Reifen wie dem Uniroyal RainSport 5.
Der Grund liegt im asymmetrischen Profilaufbau. Die Profilbereiche übernehmen unterschiedliche Aufgaben und sind deshalb unterschiedlich gestaltet.
- Außenseite für Stabilität und Kurvenführung
- Innenseite für Wasseraufnahme und Wasserableitung
- optisch unterschiedliche Profilgestaltung
- vom Hersteller ausdrücklich so vorgesehen
Bei asymmetrischen Reifen entscheidet niemals das Profilbild über die richtige Montage. Maßgeblich ist ausschließlich die Kennzeichnung OUTSIDE auf der Reifenflanke.
Gibt es Reifen mit Laufrichtung und OUTSIDE gleichzeitig?
Diese Frage wird häufig gestellt, weil viele Kunden davon ausgehen, dass dadurch automatisch linke und rechte Reifen entstehen.
Im normalen Pkw-Bereich spielen solche Konstruktionen heute praktisch keine Rolle.
Echte linke und rechte Reifen findet man überwiegend:
- im Motorsport
- bei Rennfahrzeugen
- bei speziellen Hochleistungsanwendungen
- bei bestimmten Rennsportreifen
Dort können tatsächlich unterschiedliche Reifen für die linke und rechte Fahrzeugseite entwickelt werden.
Im normalen Straßenverkehr gibt es praktisch keine klassischen linken oder rechten Reifen. Die Fahrzeugseite wird fast immer erst durch die Montage bestimmt.
Warum ist die DOT oft nur auf einer Fahrzeugseite sichtbar?
Diese Frage führt regelmäßig zu Reklamationen.
Viele Kunden stellen fest, dass auf einer Fahrzeugseite die vollständige DOT-Nummer sichtbar ist, auf der anderen Seite jedoch nicht.
Das ist völlig normal.
Die vollständige DOT-Kennzeichnung mit Produktionswoche und Produktionsjahr befindet sich bei vielen Reifenherstellern nur auf einer Reifenflanke.
Auf der gegenüberliegenden Reifenflanke befindet sich häufig nur eine verkürzte DOT-Kennung.
Da laufrichtungsgebundene Reifen links und rechts unterschiedlich montiert werden, zeigt die vollständige DOT nach der Montage oft nur auf einer Fahrzeugseite nach außen.
Eine nicht sichtbare DOT auf einer Fahrzeugseite ist bei vielen laufrichtungsgebundenen Reifen völlig normal und kein Hinweis auf eine fehlerhafte Montage.
Darf man Reifen von links nach rechts tauschen?
Laufrichtungsgebundene Reifen
Ein einfacher Seitenwechsel ist nicht möglich, wenn dadurch die Laufrichtung nicht mehr stimmt.
In diesem Fall müsste der Reifen auf der Felge ummontiert werden.
Asymmetrische Reifen
Hier ist ein Seitenwechsel häufig problemlos möglich, solange OUTSIDE außen bleibt.
FT-Montagecheck vor jeder Reifenmontage
- Laufrichtung vorhanden?
- OUTSIDE oder INSIDE vorhanden?
- DOT prüfen
- Runflat-Kennung vorhanden?
- Seal-Technologie vorhanden?
- Silent-Technologie vorhanden?
- OE-Kennungen vorhanden?
- Lastindex korrekt?
- Geschwindigkeitsindex passend?
Erst danach wird festgelegt, wie der Reifen auf die Felge montiert wird und auf welcher Fahrzeugseite das Rad später eingesetzt wird.
Häufige Irrtümer
- Es gibt linke und rechte Pkw-Reifen.
- OUTSIDE bedeutet Laufrichtung.
- Die DOT muss auf beiden Fahrzeugseiten sichtbar sein.
- Das Profilbild zeigt automatisch die richtige Montage.
- Jeder Reifen besitzt eine Laufrichtung.
- Asymmetrische Reifen laufen auf beiden Fahrzeugseiten optisch gleich.
Reifenkennzeichnungen richtig verstehen
Laufrichtung, OUTSIDE, INSIDE und DOT sind wichtige Montagehinweise des Reifenherstellers. Wer diese Kennzeichnungen richtig versteht, vermeidet Montagefehler, Reklamationen und unnötige Unsicherheit beim Reifenkauf.