Motorradreifen richtig reinigen, pflegen und kontrollieren
FT Praxiswelt – Motorradreifen
Motorradreifen richtig reinigen, pflegen und kontrollieren
Motorradreifen brauchen keine aufwendige kosmetische Pflege. Entscheidend ist, dass Lauffläche und Seitenwände sauber bleiben, Luftdruck und Reifenbild regelmäßig kontrolliert werden und Verschmutzungen oder Schäden früh erkannt werden.
Öl, Kettenfett, Kraftstoff, aggressive Reiniger oder ungeeignete Pflegemittel können bei einem Motorrad besonders problematisch sein, weil Vorder- und Hinterreifen nur vergleichsweise kleine Kontaktflächen zur Fahrbahn besitzen und auch in Schräglage zuverlässig arbeiten müssen.
Reifenpflege bedeutet beim Motorrad vor allem Kontrolle
Ein glänzender Reifen ist nicht automatisch ein gepflegter Reifen. Für die technische Beurteilung sind Sauberkeit, korrekter Luftdruck, unbeschädigte Seitenwände, gleichmäßiger Reifensitz und ein unauffälliges Verschleißbild wesentlich wichtiger.
Alles, was die Reifenoberfläche schmierig oder rutschig macht, ist im Bereich der Lauffläche und der angrenzenden Schulterbereiche ungeeignet.
Warum regelmäßige Reifenpflege sinnvoll ist
Fremdkörper erkennen
Nägel, Schrauben und andere kleine Gegenstände fallen auf einer sauberen Lauffläche leichter auf.
Schäden erkennen
Schnitte, Risse, Beulen und ungewöhnliche Verformungen lassen sich besser beurteilen.
Verschleiß beurteilen
Sägezahn, Auswaschungen und abgeflachte Bereiche werden sichtbarer.
Druckverlust erkennen
Regelmäßige Kontrolle hilft, schleichende Undichtigkeiten frühzeitig zu entdecken.
Wann Motorradreifen gereinigt werden sollten
- nach Fahrten auf stark verschmutzten Straßen
- nach Schotter-, Feldweg- oder Baustellenfahrten
- nach Kontakt mit Kettenfett oder Kettenspray
- nach Kontakt mit Öl oder Kraftstoff
- nach Wartungsarbeiten am Motorrad
- vor längerer Einlagerung
- vor einer gründlichen Reifen- und Schadenskontrolle
Normaler Straßenstaub macht keine aufwendige Reifenwäsche erforderlich. Schmierende, aggressive oder schwer erkennbare Verunreinigungen sollten dagegen zeitnah entfernt werden.
Motorradreifen schonend reinigen
Motorrad sicher abstellen
Fester und ebener Untergrund erleichtert die Kontrolle.
Reifen abkühlen lassen
Nicht unmittelbar nach schneller Fahrt mit intensiver Reinigung beginnen.
Groben Schmutz lösen
Wasser und eine weiche Bürste beziehungsweise ein Schwamm reichen häufig aus.
Milden Reiniger verwenden
Bei Bedarf eine milde Seifenlösung oder einen geeigneten pH-neutralen Fahrzeugreiniger einsetzen.
Mit klarem Wasser abspülen
Keine Reinigerreste auf Lauffläche oder Seitenwand zurücklassen.
Reifen vollständig ansehen
Profil, Schultern, Flanken, Ventil und Felgenbereich kontrollieren.
Luftdruck später kalt prüfen
Nach Herstellervorgaben beurteilen.
Geeignete und ungeeignete Reinigungsmittel
Für eine einfache Reinigung geeignet
- klares Wasser
- weicher Schwamm
- weiche Bürste
- milde Seifenlösung
- geeigneter pH-neutraler Fahrzeugreiniger
- sauberes Tuch
Am Reifen vermeiden
- Benzin oder Diesel als Reiniger
- Verdünnung und aggressive Lösungsmittel
- Bremsenreiniger als Reifenreiniger
- ölige oder silikonhaltige Reifenglanzmittel
- scharfe Drahtbürsten
- spitze Werkzeuge zum Auskratzen der Lauffläche
Kein Reifenglanz auf Motorradreifen
Produkte, die eine glänzende oder schmierende Oberfläche hinterlassen, gehören nicht auf die Lauffläche und nicht in Bereiche, die bei zunehmender Schräglage Kontakt zur Fahrbahn bekommen können.
Auch an der sichtbaren Seitenwand ist eine saubere und trockene Oberfläche technisch sinnvoller als eine künstlich glänzende Optik.
Motorradreifen nicht wie Showreifen behandeln. Sauber, trocken und technisch kontrollierbar ist besser als glänzend und mit Pflegemittel beschichtet.
Hochdruckreiniger mit Abstand verwenden
Ein Hochdruckreiniger kann bei der Motorradwäsche eingesetzt werden, sollte aber nicht aus kurzer Entfernung dauerhaft auf Reifen, Ventile oder angrenzende Radbauteile gerichtet werden.
- ausreichend Abstand halten
- breiten Wasserstrahl verwenden
- Ventil nicht aus nächster Nähe bestrahlen
- Radlager und Dichtungen nicht gezielt fluten
- beschädigte Reifenflanken nicht mit hohem Druck behandeln
- Bremsscheiben und Bremskomponenten anschließend nicht mit Pflegemitteln verunreinigen
Kettenfett und Kettenspray vom Hinterreifen fernhalten
Beim Schmieren einer Motorradkette kann Kettenspray auf Felge oder Reifen gelangen. Überschüssiges Schmiermittel kann später während der Fahrt abgeschleudert werden.
Gezielt sprühen
Kettenspray nur dort auftragen, wo es benötigt wird.
Reifen schützen
Beim Sprühen einen geeigneten Schutz zwischen Kette und Reifen halten.
Überschuss entfernen
Zu viel Schmierstoff kann später auf Felge und Reifen geschleudert werden.
Reifen kontrollieren
Nach Kettenpflege Lauffläche und Reifenflanke kurz ansehen.
Kettenfett auf der Lauffläche nicht einfach abfahren
Eine schmierige Verschmutzung auf dem Hinterreifen sollte vor der Weiterfahrt entfernt werden. Besonders im Schulterbereich kann sie erst bei zunehmender Schräglage zum Problem werden.
Nach dem Schmieren einmal von hinten auf Reifen und Felge schauen. So fällt abgeschleudertes oder versehentlich aufgetragenes Kettenspray sofort auf.
Öl, Kraftstoff und andere Betriebsstoffe ernst nehmen
Bei Betankung, Wartung oder technischen Defekten können Reifen mit unterschiedlichen Flüssigkeiten in Berührung kommen. Solche Verschmutzungen sollten nicht dauerhaft auf der Reifenoberfläche verbleiben.
- Verschmutzung zeitnah entfernen
- milden geeigneten Reiniger verwenden
- keine aggressiven Lösungsmittel zur Gegenreinigung einsetzen
- Reifenoberfläche nach der Reinigung ansehen
- bei auffälliger Materialveränderung fachgerecht beurteilen lassen
- Ursache der Verschmutzung vor der Weiterfahrt beseitigen
Nach der Reinigung Lauffläche vollständig kontrollieren
Fremdkörper
Nägel, Schrauben, Drahtstücke und Metallsplitter suchen.
Schnitte
Auf Tiefe und Lage der Beschädigung achten.
Profilrisse
Rissbildung im Profilgrund nicht übersehen.
Ausbrüche
Beschädigte Profilblöcke besonders nach Schotter- oder Geländefahrten kontrollieren.
Schraube oder Nagel nicht sofort herausziehen
Ein Fremdkörper kann die beschädigte Stelle noch teilweise abdichten. Zuerst Luftdruck prüfen, Schadstelle markieren und die weitere technische Beurteilung festlegen.
Seitenwände innen und außen mit ansehen
Reifenpflege endet nicht an der Lauffläche. Auch die Flanken sollten regelmäßig kontrolliert werden.
- Schnitte
- Scheuerstellen
- Beulen oder lokale Auswölbungen
- Risse
- Quetschspuren
- ungewöhnliche Verformungen
- sichtbare tragende Reifenbestandteile
Eine neue Seitenwandbeule ist kein Pflegeproblem
Eine lokale Auswölbung kann auf einen inneren Strukturschaden hindeuten und sollte nicht durch Reinigen oder weiteres Beobachten „behandelt“ werden.
Luftdruck gehört zur regelmäßigen Reifenpflege
Reifenpflege bedeutet auch, den vorgesehenen Betriebsdruck regelmäßig zu kontrollieren. Der Luftdruck beeinflusst Reifenverformung, Erwärmung, Fahrverhalten und Verschleiß.
Zu niedriger Luftdruck
- stärkere Reifenverformung
- mehr Walkarbeit
- möglicherweise höhere Erwärmung
- verändertes Lenkgefühl
- höhere Belastung von Flanke und Karkasse
Zu hoher beziehungsweise ungeeigneter Luftdruck
- veränderte Eigendämpfung
- härteres Fahrgefühl möglich
- verändertes Einlenkverhalten
- veränderte Reifenarbeit
- möglicherweise ungleichmäßiger Verschleiß
Luftdruck nicht per Daumen, Fuß oder Augenmaß beurteilen. Motorradreifen können äußerlich noch relativ normal wirken, obwohl der Druck bereits deutlich abgesunken ist.
Wann der Luftdruck kontrolliert werden sollte
- regelmäßig während der Saison
- vor längeren Touren
- nach längerer Standzeit
- vor Fahrten mit Sozius und Gepäck
- nach starken Temperaturänderungen
- nach einem Schlagloch- oder Bordsteinkontakt
- bei verändertem Lenk- oder Kurvenverhalten
- bei RDKS-Warnung
Warmen Reifen nicht auf den Kaltdruck ablassen
Nach längerer Fahrt erwärmen sich Reifen und eingeschlossene Luft. Der Druck kann deshalb höher sein als im kalten Zustand. Für die normale Druckeinstellung sind die vorgesehenen Messbedingungen des Herstellers maßgeblich.
Schleichenden Luftverlust nicht dauerhaft nachpumpen
Ventil
Ventileinsatz, Ventilschaft oder Ventilbasis können undicht sein.
Reifen
Kleine Einstiche oder Wulstprobleme können zu langsamem Druckverlust führen.
Felge
Beschädigungen oder Probleme im Dichtbereich können bei Tubeless-Systemen beteiligt sein.
Muss ein Reifen wiederholt deutlich nachgepumpt werden, sollte die Ursache gesucht und nicht nur der Druck korrigiert werden.
Ventile und Ventilkappen mit kontrollieren
Ventilschaft
Auf sichtbare Risse oder Beschädigungen achten.
Ventileinsatz
Bei Verdacht auf Luftverlust auf Dichtheit prüfen.
Winkelventil
Auf festen und unauffälligen Sitz achten.
Ventilkappe
Schützt den Ventilbereich vor Schmutz und sollte vorhanden sein.
Tubeless und Tube Type unterscheiden
Tubeless / TL
Bei einer geeigneten schlauchlosen Radkonstruktion dichten Reifenwulst, Felge und Ventil gemeinsam das System ab.
Tube Type / TT
Bei Schlauchbereifung hält ein passender Schlauch die Luft. Reifen, Schlauch, Felge, Ventil und gegebenenfalls Felgenband beziehungsweise Wulstband müssen zusammenpassen.
Ob ein TL-Reifen mit Schlauch verwendet werden darf, nicht pauschal entscheiden
Reifen-, Felgen- und Fahrzeugvorgaben müssen zusammenpassen. Die Kennzeichnung des Reifens allein reicht für diese Entscheidung nicht aus.
Schläuche und Felgenbänder mitpflegen und kontrollieren
Bei entsprechenden Speichenrad- und TT-Konstruktionen liegen wichtige Bauteile unsichtbar im Radinneren. Bei Druckverlust oder Demontage sollten sie mit beurteilt werden.
- passenden Schlauch verwenden
- Schlauch auf Scheuer- und Quetschspuren prüfen
- Ventilstellung beobachten
- Felgenband beziehungsweise Wulstband auf korrekten Sitz prüfen
- keine freiliegenden scharfkantigen Bereiche im Felgenbett
- Felgeninnenseite auf Rost oder Beschädigung kontrollieren
Ein deutlich schief stehendes Ventil nicht einfach von außen geraderichten. Es kann darauf hinweisen, dass sich Schlauch beziehungsweise Reifen relativ zur Felge bewegt haben.
Felgen gehören zur Reifenpflege dazu
Der Reifen kann nur sauber arbeiten, wenn auch die Felge technisch unauffällig ist.
Felgenhorn
Auf Dellen, Schlagstellen und starke Kerben prüfen.
Dichtbereich
Bei Tubeless-Rädern sauber und unbeschädigt halten.
Ventilloch
Auf Beschädigung oder Korrosion achten.
Rundlauf
Bei Vibration oder sichtbarer Verformung genauer prüfen.
Nach hartem Schlag Reifen und Felge gemeinsam kontrollieren
Schlagloch-, Bordstein- oder Kantenkontakt kann Reifenflanke und Felgenhorn gleichzeitig belasten. Neue Beulen, Druckverlust oder Vibrationen sollten nicht als normales Fahrverhalten abgetan werden.
Typische Verschleißbilder beim Pflegerundgang erkennen
| Beobachtung | Mögliche Einordnung | Was prüfen? |
|---|---|---|
| abgeflachte Mitte hinten | hoher Geradeausanteil | Kontur, Profiltiefe und Restlaufleistung |
| Sägezahn vorne | Bremskräfte, Profil, Fahrwerk, Druck oder Nutzung möglich | Reifenbild und Vorderbau gemeinsam beurteilen |
| muldenartige Auswaschungen | Dämpfung, Unwucht, Lager oder Rundlauf möglich | Rad und Fahrwerk prüfen |
| einseitiger Verschleiß | Fahrprofil, Geometrie oder Fahrwerk möglich | Entwicklung beobachten und Ursache eingrenzen |
| Risse oder Ausbrüche | Alterung, Beanspruchung oder Beschädigung möglich | Gesamtzustand fachgerecht beurteilen |
| regelmäßiger Druckverlust | Ventil, Reifen, Schlauch oder Felge möglich | gesamtes Radsystem prüfen |
Vorder- und Hinterreifen unterschiedlich kontrollieren
Vorderreifen
- Profilkanten auf Sägezahn prüfen
- Schulterbereiche ansehen
- Lenkerunruhe berücksichtigen
- Brems- und Seitenführungskräfte mitdenken
Hinterreifen
- Laufflächenmitte auf Abflachung prüfen
- Kettenfett und Öl besonders beachten
- Beladung und Antrieb berücksichtigen
- Verschleiß bei langen Autobahnetappen beobachten
Reifenalter und DOT gehören zur Gesamtbeurteilung
Motorradreifen altern auch bei geringer Laufleistung. Das Produktionsdatum allein entscheidet aber nicht über ihre technische Verwendbarkeit.
DOT
Produktionszeitraum kennen.
Lagerung
Licht, Wärme und Standzeit berücksichtigen.
Sichtbarer Zustand
Risse, Beulen und Materialauffälligkeiten prüfen.
Fahrverhalten
Veränderungen gegenüber früheren Fahrten ernst nehmen.
Ein Reifen mit wenig Laufleistung kann schlecht gelagert oder beschädigt sein. Ein älterer Reifen kann umgekehrt äußerlich unauffällig wirken und sollte trotzdem anhand seines Gesamtzustands beurteilt werden.
Motorradreifen vor längerer Standzeit vorbereiten
- Reifen und Felgen sauber halten
- Öl, Kettenfett und aggressive Verschmutzungen entfernen
- Luftdruck kontrollieren
- Seitenwand und Profil prüfen
- Motorrad trocken und geschützt abstellen
- direkte Sonne und starke Wärme vermeiden
- bei längerer Standzeit Reifen regelmäßig kontrollieren
Standzeit ist kein Ersatz für Kontrolle
Ein Reifen wird während einer Winterpause nicht automatisch besser. Bereits vorhandene Fremdkörper, Beulen, Risse oder Druckverluste sollten möglichst vor der Einlagerung erkannt werden.
Nach der Winterpause erneut komplett prüfen
Luftdruck kalt messen
Vorne und hinten nach Herstellervorgabe.
Profil und Seitenwände ansehen
Standzeitbedingte oder bereits vorher vorhandene Schäden ausschließen.
Ventile kontrollieren
Auf Dichtheit und Zustand achten.
Felgen ansehen
Keine neuen sichtbaren Schäden oder Korrosionsprobleme.
Erste Fahrt kontrolliert beginnen
Fahrverhalten nach längerer Pause wieder bewusst kennenlernen.
Neue Reifen nach Montage ebenfalls kontrolliert behandeln
Ein frisch montierter Motorradreifen besitzt wieder seine vollständige Kontur und kann sich deutlich anders anfühlen als der vorher stark verschlissene Reifen.
- Luftdruck kontrollieren
- Laufrichtung prüfen
- Reifensitz am Felgenhorn ansehen
- erste Kilometer kontrolliert fahren
- Schräglage schrittweise steigern
- neue Vibrationen nicht einfach als Einfahrphase abtun
Das vorsichtige Einfahren dient vor allem dazu, sich an die neue Reifenkontur und das veränderte Fahrverhalten zu gewöhnen und gleichzeitig Montage und Radlauf zu beobachten.
Sozius und Gepäck verändern die Reifenbelastung
Mit Sozius, Koffern und Reisegepäck steigt bei vielen Motorrädern besonders die Belastung des Hinterrades.
Luftdruck
Beladungsabhängige Herstellerangaben beachten.
Tragfähigkeit
Load Index und zulässige Fahrzeugbeladung berücksichtigen.
Fahrwerk
Gegebenenfalls nach Herstellerangabe anpassen.
Verschleiß
Hohe Last und lange Geradeausfahrt können den Hinterreifen stärker beanspruchen.
Ein höherer Luftdruck ersetzt keine ausreichende Tragfähigkeit
Zulässiges Gesamtgewicht, Achslasten und Reifentragfähigkeit müssen eingehalten werden. Luftdruck darf nicht dazu verwendet werden, technische Belastungsgrenzen zu überschreiten.
Sport-, Touren-, Adventure- und Cruiserreifen unterschiedlich ansehen
Sportreifen
Schulterbereiche, Kontur und gleichmäßiges Reifenbild besonders beobachten.
Tourenreifen
Geradeausverschleiß, Laufleistung und Kontur regelmäßig prüfen.
Adventure-Reifen
Profilblöcke, Schnitte und Schäden nach Schotter- oder Geländefahrten kontrollieren.
Cruiserreifen
Hohe Fahrzeuglast, Alterung und längere Standzeiten besonders berücksichtigen.
Nach Schotter- und Geländefahrten genauer hinsehen
- eingeklemmte Steine aus Profilbereichen entfernen
- Profilblöcke auf Einrisse und Ausbrüche prüfen
- Seitenwände auf Schnitte kontrollieren
- Felgenhörner auf Schlagstellen prüfen
- bei abgesenktem Geländedruck vor der Straßenfahrt wieder die vorgesehenen Werte herstellen
Rennstrecken-Luftdruck nicht einfach auf die Straße übertragen
Auf Rennstrecken können je nach Reifen, Fahrzeug, Reifenwärmer, Temperatur und Einsatz spezielle Kalt- oder Heißdruckwerte verwendet werden. Solche Werte sind nicht automatisch für den normalen Straßenbetrieb geeignet.
Für den Straßenbetrieb gelten die entsprechenden Fahrzeug- und Reifenherstellervorgaben.
Reifenreparaturen nicht mit Reifenpflege verwechseln
Ein Einstich oder anderer Reifenschaden wird durch Reinigung oder Nachfüllen von Luft nicht behoben. Ob eine Reparatur technisch möglich ist, hängt von Schaden, Position, Reifenbauart und Herstellerangaben ab.
- Flankenschäden besonders kritisch beurteilen
- provisorische Pannenhilfe von dauerhafter Reparatur unterscheiden
- Weiterfahrt mit zu wenig Druck berücksichtigen
- Reifen für eine dauerhafte Beurteilung gegebenenfalls demontieren
- Hersteller- und Reparaturvorgaben beachten
Typische Pflegefehler bei Motorradreifen
- Reifenglanz oder Silikonspray verwenden
- Kettenfett auf der Lauffläche ignorieren
- Luftdruck nur optisch beurteilen
- warmen Reifen auf Kaltdruck ablassen
- Fremdkörper sofort herausziehen
- Bremsenreiniger als Reifenreiniger verwenden
- Seitenwandbeulen weiterfahren
- ständigen Druckverlust nur nachpumpen
- Reifenalter nur anhand der DOT beurteilen
- Rennstreckenwerte auf die Straße übertragen
Praxischeck bei der regelmäßigen Motorradreifen-Pflege
| Kontrollpunkt | Was prüfen? | Wann genauer hinsehen? |
|---|---|---|
| Lauffläche | Sauberkeit, Fremdkörper, Schnitte | nach Baustelle, Schotter oder Panne |
| Seitenwand | Risse, Beulen, Scheuerstellen | nach Schlagloch oder Bordstein |
| Luftdruck | kalt nach Vorgabe messen | bei Standzeit, Reise und Temperaturwechsel |
| Ventil | Zustand und Dichtheit | bei schleichendem Druckverlust |
| Felge | Dellen, Risse, Dichtbereich | nach hartem Kantenschlag |
| Verschleiß | Kontur, Sägezahn, Auswaschungen | bei verändertem Fahrverhalten |
| Schlauch / TT | Schlauch, Ventil und Felgenband | bei wiederkehrender Undichtigkeit |
| Kettenfett | Rückstände auf Reifen und Felge | direkt nach Kettenpflege |
Komplette Kontrollliste für die Motorradreifen-Pflege
- Laufflächen sauber und trocken
- kein Öl oder Kraftstoff auf dem Reifen
- kein Kettenfett auf der Lauffläche
- kein Reifenglanz auf relevanten Reifenbereichen
- keine Schrauben oder Nägel übersehen
- keine neue Seitenwandbeule sichtbar
- keine tiefen Schnitte vorhanden
- Profiltiefe an mehreren Stellen beurteilt
- Vorderreifen auf Sägezahn geprüft
- Hinterreifen auf abgeflachte Mitte geprüft
- Luftdruck vorne kalt gemessen
- Luftdruck hinten kalt gemessen
- Ventile kontrolliert
- Ventilkappen vorhanden
- Felgenhörner auf Schäden geprüft
- bei TL-Bereifung Dichtbereich berücksichtigt
- bei TT-Bereifung Schlauch berücksichtigt
- bei TT-Bereifung Felgenband beziehungsweise Wulstband berücksichtigt
- Reifenalter zusammen mit Gesamtzustand beurteilt
- bei Sozius und Gepäck Beladung berücksichtigt
- nach Gelände- oder Schotterfahrt Profilblöcke kontrolliert
- bekannte Vibrationen oder Unruhe nicht ignoriert
Wann Reifenpflege nicht mehr reicht
- neue Seitenwandbeule vorhanden
- tragende Reifenbestandteile sichtbar
- tiefer Schnitt oder starke Beschädigung vorhanden
- deutlicher und wiederkehrender Luftdruckverlust
- Felge sichtbar stark verformt
- starke Auswaschungen oder Rundlaufprobleme vorhanden
- Reifen zeigt deutlich verändertes Fahrverhalten
- Reparierbarkeit eines Fremdkörperschadens ist unklar
- Reifen wurde längere Zeit mit stark vermindertem Druck gefahren
FT Wissenswelt für Zweiradreifen
Weiterführendes Wissen zu Motorrad-, Roller- und Mopedreifen, Reifenkennzeichnungen, Bauarten und der Auswahl passender Zweiradreifen.
Motorrad- und Zweiradreifen bei FT-Reifen
Muss ein Reifen wegen Verschleiß, Beschädigung oder technischem Zustand ersetzt werden, sollten Reifengröße, Tragfähigkeit, Geschwindigkeitskennung, Fahrzeugvorgaben und die technisch passende Vorder-/Hinterradkombination berücksichtigt werden.
Verwandte Reifenbereiche
Je nach Fahrzeug, Reifenbauart und Radkonstruktion können weitere Bereiche der FT-Reifen Zweirad- und Spezialreifenwelt relevant sein.
Service und Orientierung bei FT-Reifen
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FT-Reifen auf Instagram und TikTok
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Häufige Fragen zur Reinigung und Pflege von Motorradreifen
Wie oft müssen Motorradreifen gereinigt werden?
Eine intensive Reinigung nach jeder Fahrt ist nicht erforderlich. Nach Kontakt mit Öl, Kettenfett, Kraftstoff, starkem Straßenschmutz oder Schotter sollte die Reifenoberfläche jedoch kontrolliert und bei Bedarf gereinigt werden.
Darf Reifenglanz auf Motorradreifen verwendet werden?
Produkte, die eine glatte, ölige oder silikonhaltige Oberfläche hinterlassen, sollten auf Lauffläche und angrenzenden Schulterbereichen nicht verwendet werden.
Wie entfernt man Kettenfett vom Motorradreifen?
Rückstände sollten zeitnah mit Wasser und einem geeigneten milden Reiniger entfernt werden. Aggressive Lösungsmittel oder Bremsenreiniger sind als Reifenreiniger ungeeignet.
Warum verliert ein Motorradreifen regelmäßig Luft?
Mögliche Ursachen sind Fremdkörper, Ventil, Wulstbereich, Felge oder bei Schlauchreifen der Schlauch selbst. Wiederkehrender Druckverlust sollte technisch geprüft und nicht dauerhaft nur durch Nachpumpen ausgeglichen werden.
Kann ein alter Motorradreifen durch Pflegemittel wieder verbessert werden?
Nein. Alterung, Risse, strukturelle Schäden oder starke Verschleißveränderungen lassen sich durch Reinigungs- oder Pflegemittel nicht rückgängig machen.
Was sollte nach längerer Standzeit kontrolliert werden?
Luftdruck, Profil, Seitenwände, Ventile, Felgen und mögliche Standzeitauffälligkeiten sollten vor der ersten Fahrt erneut geprüft werden.
Technischer Hinweis
Reinigung und Pflege ersetzen keine technische Reifenprüfung. Bei Beulen, tiefen Schnitten, sichtbaren tragenden Reifenbestandteilen, dauerhaftem Druckverlust, starken Vibrationen oder anderen sicherheitsrelevanten Auffälligkeiten sollten Reifen und Rad fachgerecht beurteilt werden. Für Luftdruck, Reifengröße, Tragfähigkeit, Geschwindigkeitskennung, Montage und zulässige Reifenkombination gelten die Vorgaben des Fahrzeug-, Reifen- und Felgenherstellers.
Motorradreifenpflege heißt: sauber halten, kontrollieren und Veränderungen erkennen
FT-Reifen verbindet über 35 Jahre praktische Erfahrung mit verständlichem Wissen zu Motorradreifen, Reinigung, Luftdruck, Kettenfett, Ventilen, Schläuchen, Felgen und typischen Reifenschäden.
FT-Reifen – der Reifenhändler, der sein Wissen teilt.