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Motorradreifen nach längerer Standzeit richtig beurteilen

FT Praxiswelt – Motorradreifen

Motorradreifen nach längerer Standzeit richtig beurteilen

Viele Motorräder stehen während des Winters oder zwischen einzelnen Fahrperioden mehrere Wochen oder Monate. Während dieser Zeit werden die Reifen zwar nicht gefahren, können aber Luft verlieren, an derselben Stelle dauerhaft belastet werden oder bereits vorhandene Alterungs- und Verschleißerscheinungen deutlicher zeigen.

Vor der ersten Fahrt sollten deshalb nicht nur Luftdruck und Profiltiefe geprüft werden. Auch Seitenwand, Ventile, mögliche Standverformungen und das Fahrverhalten auf den ersten Kilometern gehören zu einem sinnvollen Saisonstart.

Nach langer Standzeit nicht einfach losfahren

Ein Motorradreifen kann deutlich Luft verloren haben, ohne optisch vollständig platt zu wirken.

Der erste Schritt ist eine echte Luftdruckmessung

Reifen nicht nur mit der Hand prüfen oder nach dem äußeren Eindruck beurteilen. Vor dem Bewegen des Motorrads den kalten Luftdruck messen und mit den vorgesehenen Fahrzeugwerten vergleichen.

FT Praxistipp

Nach langer Standzeit den Luftdruck möglichst messen, bevor das Motorrad gefahren wird. So lässt sich der tatsächliche Kaltzustand beurteilen und ein ungewöhnlich hoher Druckverlust fällt sofort auf.

Warum Motorradreifen während der Standzeit Luft verlieren können

Normale Druckabnahme

Über längere Zeit kann ein Reifen einen Teil seines Fülldrucks verlieren.

Ventil

Ventileinsatz oder Ventil können eine schleichende Undichtigkeit verursachen.

Fremdkörper

Eine kleine Schraube oder ein Nagel kann bereits vor dem Abstellen im Reifen gesteckt haben.

Felgenbereich

Bei schlauchloser Bereifung können auch Wulst- oder Felgenbereiche bei einer Undichtigkeit beteiligt sein.

Deutlich wiederkehrender Luftverlust ist kein normaler Saisonstart

Wenn der Druck nach dem Auffüllen erneut deutlich sinkt, sollte die Ursache gesucht werden, statt vor jeder Fahrt nur wieder Luft nachzufüllen.

Standverformung nach längerer Standzeit

Steht ein Motorrad über längere Zeit mit seinem Gewicht auf derselben Reifenstelle, kann sich der belastete Bereich vorübergehend etwas verformen. Dies wird umgangssprachlich häufig als Standplatte bezeichnet.

Vorübergehende Verformung

Kann sich mit zunehmender Reifenbewegung und Erwärmung wieder reduzieren.

Leichte Anfangsunruhe

Kann auf den ersten Kilometern durch die vorübergehend veränderte Reifenform entstehen.

Dauerhafte Auffälligkeit

Bleiben Vibrationen oder Verformungen bestehen, sollte nicht weiter von einer normalen Standerscheinung ausgegangen werden.

Standverformung und Seitenwandbeule nicht verwechseln

Eine lokale Auswölbung oder Beule an der Reifenflanke ist kein normaler Standplatten. Sie kann auf eine strukturelle Beschädigung des Reifenaufbaus hinweisen und sollte fachgerecht beurteilt werden.

Was auf den ersten Kilometern auffallen kann

Leichte Vibration

Kann nach langer Standzeit zunächst mit einer Reifenverformung zusammenhängen.

Unruhiges Abrollen

Reifen und Rad sollten beobachtet werden, wenn das Gefühl nicht nach kurzer Fahrt verschwindet.

Lenkerunruhe

Kann verschiedene Ursachen haben und sollte bei anhaltendem Auftreten genauer geprüft werden.

Ungewöhnliches Ziehen

Luftdruck, Reifen, Rad und Fahrwerk als mögliche Ursachen berücksichtigen.

FT Praxistipp

Eine leichte Unruhe auf den ersten Kilometern kann mit einer vorübergehenden Standverformung zusammenhängen. Bleibt die Auffälligkeit nach Erwärmung bestehen, Reifen, Felge, Wuchtung und Fahrwerk genauer prüfen.

Seitenwände vor dem Saisonstart kontrollieren

Die Reifenflanke sollte rundum betrachtet werden. Das Motorrad gegebenenfalls so positionieren, dass auch die zuvor auf dem Boden stehenden Bereiche sichtbar werden.

  • keine neue Beule vorhanden
  • keine tiefen Schnitte sichtbar
  • keine auffälligen Scheuerstellen
  • keine deutliche Rissbildung
  • keine ungewöhnlichen Druckstellen
  • keine sichtbaren tragenden Reifenbestandteile

Eine lokale Beule ist kritischer als eine allgemeine Reifenabflachung

Eine gleichmäßige vorübergehende Standverformung ist etwas anderes als eine klar abgegrenzte Auswölbung an der Seitenwand. Bei einer neuen Beule sollte der Reifen nicht einfach weiter beobachtet werden.

Profil nicht nur auf Resttiefe prüfen

Nach der Standzeit lohnt sich eine vollständige Sichtkontrolle der Lauffläche.

Fremdkörper

Nägel, Schrauben und Metallteile können im Profil stecken.

Profilgrund

Auf auffällige Risse oder Beschädigungen achten.

Mittige Abflachung

Kann auf das bisherige Fahrprofil und hohen Geradeausanteil hinweisen.

Ungleichmäßiger Verschleiß

Vorder- und Hinterreifen können sehr unterschiedliche Verschleißbilder zeigen.

Der Reifen kann außen noch gut aussehen und trotzdem stark verschlissen sein

Gerade am Hinterreifen sollte die gesamte Lauffläche kontrolliert werden und nicht nur der seitlich gut sichtbare Profilbereich.

Reifenalter mit dem Gesamtzustand zusammen beurteilen

Eine längere Standzeit macht einen Motorradreifen nicht automatisch unbrauchbar. Bei älteren Reifen sollte jedoch der Gesamtzustand besonders sorgfältig beurteilt werden.

DOT-Kennzeichnung

Gibt Auskunft über die Produktionswoche und das Produktionsjahr.

Rissbildung

Kann ein Hinweis auf fortgeschrittene Materialalterung sein.

Gummizustand

Oberfläche und allgemeiner Zustand gehören zur Beurteilung.

Bisheriger Einsatz

Laufleistung, Belastung und bekannte Vorschäden mit berücksichtigen.

Nicht allein nach der DOT-Nummer entscheiden

Das Produktionsdatum ist nur ein Teil der Reifenbeurteilung. Lagerung, Nutzung, Zustand, Verschleiß und sichtbare Alterungsmerkmale müssen ebenfalls berücksichtigt werden.

Der Standplatz beeinflusst den Reifen

Direkte Sonne

Dauerhafte UV- und Wärmeeinwirkung kann die Alterung der Gummioberfläche fördern.

Öl und Kraftstoff

Reifen sollten nicht über längere Zeit mit aggressiven Betriebsstoffen in Kontakt kommen.

Feuchtigkeit

Ein trockener und geschützter Stellplatz ist für Motorrad und Räder günstiger.

Starke Wärme

Reifen nicht dauerhaft direkt neben starken Wärmequellen lagern.

FT Praxistipp für die Winterpause

Motorrad möglichst trocken und lichtgeschützt abstellen und den Reifenbereich frei von Öl, Kraftstoff oder aggressiven Reinigungs- und Betriebsstoffen halten.

Hauptständer kann Reifen teilweise entlasten

Besitzt das Motorrad einen geeigneten Hauptständer, können je nach Fahrzeugkonstruktion ein oder beide Reifen teilweise entlastet werden.

Teilweise Entlastung

Die dauerhaft auf einer Reifenstelle wirkende Last kann reduziert werden.

Trotzdem kontrollieren

Auch entlastete Reifen können über die Standzeit Luft verlieren oder altern.

Seitenständer bedeutet asymmetrische Fahrzeugstellung

Steht ein Motorrad über Monate auf dem Seitenständer, befindet sich das Fahrzeug dauerhaft in einer geneigten Position. Die Rad- und Fahrwerksbelastung ist dabei nicht vollständig symmetrisch.

Vorderrad

Kann je nach Motorrad einen anderen Lastanteil tragen als das Hinterrad.

Hinterrad

Wird abhängig von Fahrzeuggeometrie, Aufbau und Beladung unterschiedlich belastet.

Seitenständer

Übernimmt einen Teil der Fahrzeuglast und erzeugt eine dauerhaft geneigte Standposition.

Die Standposition allein bedeutet noch keinen Reifenschaden

Sie erklärt jedoch, warum die Reifen während einer langen Saisonpause nicht überall identisch belastet werden. Entscheidend bleibt die Kontrolle vor der Wiederinbetriebnahme.

Luftdruck auch während sehr langer Standzeiten gelegentlich prüfen

Bei einer mehrmonatigen Standzeit kann eine gelegentliche Kontrolle helfen, einen ungewöhnlich starken Druckverlust früh zu erkennen.

Druck langsam gesunken

Nach langer Zeit zunächst plausibel, trotzdem vor Nutzung korrekt einstellen.

Druck stark gesunken

Ventil, Reifen und Felgenbereich genauer kontrollieren.

Ein Reifen verliert deutlich mehr

Einzelne Undichtigkeit wahrscheinlicher.

Druck fällt nach Auffüllen wieder

Ursache systematisch suchen.

Ventile vor dem Saisonstart mitprüfen

  • Ventilkappe vorhanden
  • Ventilschaft äußerlich unbeschädigt
  • keine auffälligen Risse im Ventilbereich
  • Ventileinsatz dicht
  • keine ungewöhnliche Bewegung des Ventils
  • bei wiederkehrendem Druckverlust Ventil als Ursache berücksichtigen
Der Reifen ist nicht immer die Ursache des Luftverlustes

Ventil, Ventileinsatz und bei schlauchloser Bereifung auch der Reifen-Felgen-Bereich können beteiligt sein.

Die erste Fahrt nach langer Pause bewusst ruhig beginnen

Neben dem Fahrer haben auch Reifen und Fahrzeug längere Zeit nicht unter normalen Fahrbedingungen gearbeitet. Die ersten Kilometer eignen sich deshalb zum Beobachten.

Ruhig anfahren

Fahrverhalten zunächst ohne unnötig hohe Belastung beurteilen.

Lenkverhalten beobachten

Auf ungewöhnliche Unruhe oder Ziehen achten.

Vibrationen wahrnehmen

Beobachten, ob eine leichte Anfangsunruhe verschwindet.

Reifen langsam auf Betriebstemperatur bringen

Die Reifen arbeiten nach den ersten Kilometern zunehmend wieder unter normalem Fahrzustand.

Bei bleibender Auffälligkeit kontrollieren

Nicht einfach weiterfahren und auf eine automatische Besserung hoffen.

Typische Beobachtungen nach längerer Motorrad-Standzeit

Beobachtung Mögliche Einordnung Was prüfen?
Luftdruck nach Winter deutlich niedriger Druckverlust über Standzeit oder Undichtigkeit korrekt einstellen und Entwicklung beobachten
ein Reifen verliert deutlich mehr als der andere lokale Undichtigkeit möglich Ventil, Reifen und Felgenbereich prüfen
leichte Vibration nur auf ersten Kilometern vorübergehende Standverformung möglich nach Erwärmung erneut beurteilen
Vibration bleibt dauerhaft bestehen weitere technische Ursache möglich Reifen, Felge, Wuchtung und Fahrwerk prüfen
lokale Beule an der Flanke möglicher Strukturfehler fachgerecht beurteilen lassen
Risse an Seitenwand oder Profilgrund Alterung oder Materialschaden möglich Gesamtzustand des Reifens beurteilen
Reifenmitte deutlich abgeflacht bisheriges Fahrprofil oder Verschleiß Restprofil und Fahrverhalten prüfen
Druck fällt nach Nachfüllen erneut Undichtigkeit wahrscheinlich Ursache suchen statt nur nachfüllen
Ventil sichtbar rissig oder beschädigt Ventilproblem möglich Ventil technisch prüfen beziehungsweise ersetzen

Praxisablauf zum Saisonstart

Luftdruck kalt messen

Vor Fahrtbeginn kontrollieren.

Vorder- und Hinterreifen vollständig ansehen

Profil, Schultern und Seitenwände kontrollieren.

Reifenalter berücksichtigen

DOT zusammen mit dem Gesamtzustand beurteilen.

Ventile prüfen

Ventilkappen, Ventilschaft und Dichtheit kontrollieren.

Fremdkörper suchen

Nägel, Schrauben oder Metallteile im Profil beachten.

Standverformung beurteilen

Gleichmäßige Abflachung von lokaler Beule unterscheiden.

Erste Fahrt ruhig beginnen

Lenkverhalten und Vibrationen beobachten.

Nach der ersten Fahrt erneut beurteilen

Bleibende Auffälligkeiten technisch klären.

Kontrollliste für Motorradreifen nach längerer Standzeit

  • Luftdruck vor der ersten Fahrt kalt gemessen
  • Vorder- und Hinterreifen verglichen
  • Seitenwände vollständig kontrolliert
  • keine neue Beule vorhanden
  • keine tiefen Schnitte sichtbar
  • keine problematische Rissbildung erkennbar
  • Lauffläche auf Fremdkörper geprüft
  • Profilgrund kontrolliert
  • Restprofil beurteilt
  • ungleichmäßigen Verschleiß berücksichtigt
  • DOT und Gesamtzustand betrachtet
  • Ventile kontrolliert
  • Standplatz und mögliche chemische Einflüsse berücksichtigt
  • erste Fahrt ruhig begonnen
  • Vibrationen und Lenkverhalten beobachtet
  • bei bleibender Auffälligkeit weitere Prüfung eingeplant

Wann ein Motorradreifen nach Standzeit genauer geprüft werden sollte

  • Luftdruck ist ungewöhnlich stark abgesunken
  • Druck fällt nach dem Auffüllen erneut
  • lokale Seitenwandbeule sichtbar
  • tiefe Risse oder Schnitte vorhanden
  • tragende Reifenbestandteile sichtbar
  • deutliche Verformung bleibt nach der Fahrt bestehen
  • Vibrationen verschwinden auch nach Erwärmung nicht
  • Motorrad zieht oder lenkt ungewöhnlich
  • Ventil ist rissig oder beschädigt
  • Reifen zeigt starken ungleichmäßigen Verschleiß
  • Gesamtzustand des älteren Reifens ist unklar
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FT Wissenswelt für Zweiradreifen

Grundlagenwissen zu Motorrad-, Roller- und Mopedreifen, Kennzeichnungen, Reifenwahl und typischen Anforderungen bei motorisierten Zweirädern.

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Motorrad- und Zweiradreifen bei FT-Reifen

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Auf unseren Social-Media-Kanälen zeigen wir regelmäßig Reifen, Produkte, Praxistipps und Einblicke in die FT-Reifen Wissenswelt, Praxiswelt und Herstellerwelt. Unsere Reels verbinden kurze praktische Informationen mit weiterführendem Wissen auf unserer Website.

Häufige Fragen zu Motorradreifen nach längerer Standzeit

Muss der Luftdruck nach der Winterpause wirklich gemessen werden?

Ja. Ein Motorradreifen kann während einer mehrmonatigen Standzeit Luft verlieren, ohne optisch vollständig platt zu wirken. Deshalb vor der ersten Fahrt kalt messen.

Kann ein Motorradreifen einen Standplatten bekommen?

Nach längerer Belastung auf derselben Reifenstelle kann eine vorübergehende Standverformung auftreten. Diese kann sich nach den ersten Kilometern und zunehmender Erwärmung wieder reduzieren. Bleiben Vibrationen bestehen, sollte weiter geprüft werden.

Ist eine Beule an der Seitenwand ein normaler Standplatten?

Nein. Eine klar abgegrenzte lokale Beule ist etwas anderes als eine allgemeine vorübergehende Reifenverformung und kann auf einen strukturellen Schaden hindeuten.

Macht eine lange Winterpause einen Motorradreifen automatisch unbrauchbar?

Nein. Entscheidend sind Gesamtzustand, Alterung, Profiltiefe, Rissbildung, bisherige Nutzung und Lagerbedingungen. Das Produktionsdatum allein reicht für die Beurteilung nicht aus.

Warum sollte die erste Fahrt nach langer Pause ruhig begonnen werden?

So lassen sich Reifenverhalten, mögliche Standverformungen und ungewöhnliche Vibrationen zunächst unter moderater Belastung beobachten.

Technischer Hinweis

Nach längerer Standzeit sollten Motorradreifen vor der Wiederinbetriebnahme auf Luftdruck, Schäden, Verschleiß, Ventilzustand und auffällige Verformungen geprüft werden. Bleiben Vibrationen, ungewöhnliches Lenkverhalten oder sichtbare Verformungen nach den ersten Kilometern bestehen, sollte nicht automatisch von einer normalen Standerscheinung ausgegangen werden. Reifen, Felge und Fahrwerkskomponenten sind dann fachgerecht zu kontrollieren.

Nach der Winterpause beginnt die erste Motorradtour mit dem Reifencheck

FT-Reifen verbindet über 35 Jahre praktische Erfahrung mit verständlichem Wissen zu Motorradreifen, Luftdruck, Standzeit, Reifenalterung, Verschleiß, Ventilen und typischen Auffälligkeiten beim Saisonstart.

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