Traktor Saisonkontrolle
FT Praxiswelt – Traktorreifen
Traktorreifen vor der Saison und nach längeren Standzeiten kontrollieren
Traktoren, Schlepper und landwirtschaftliche Maschinen stehen häufig über Wochen oder Monate. Während dieser Zeit wird der Reifen zwar kaum gefahren, bleibt aber durch Fahrzeuggewicht, Anbaugeräte, Temperaturschwankungen, Umwelteinflüsse und Alterung belastet.
Vor der Wiederinbetriebnahme sollten deshalb nicht nur Reifenfülldruck und Profiltiefe geprüft werden. Auch Standplatten, Flanken, Profilgrund, Ventile, Felgen und Radbefestigungen müssen kontrolliert werden, bevor der Traktor wieder schwer arbeitet oder mit höherer Geschwindigkeit auf der Straße eingesetzt wird.
Wenig gefahren bedeutet nicht automatisch guter Reifenzustand
Ein Reifen kann noch viel Profil besitzen und trotzdem durch Alterung, längere einseitige Belastung, ungeeigneten Reifenfülldruck oder frühere Beschädigungen beeinträchtigt sein.
Beulen, tiefe Risse, starke Verformungen, beschädigte Ventile und auffälliger Reifenfülldruckverlust müssen vor Feldarbeit, Frontladerbetrieb oder schnellerer Straßenfahrt untersucht werden.
Was während einer längeren Standzeit passieren kann
Druckverlust
Über Ventil, Schlauch, Wulstsitz, Reifen oder Felge kann während langer Standzeiten langsam Luft verloren gehen.
Standplatten
Der dauerhaft belastete Bereich der Aufstandsfläche kann sich vorübergehend oder in ungünstigen Fällen bleibend verformen.
Alterung
Reifengummi altert auch ohne hohe Laufleistung durch Zeit, UV-Strahlung, Ozon, Temperatur und weitere Umwelteinflüsse.
Felgenkorrosion
Feuchtigkeit, Stallumgebung, Düngerreste und beschädigte Lackschichten können Korrosion begünstigen.
Reifenfülldruck vor der ersten Fahrt kontrollieren
Der Reifenfülldruck sollte möglichst am kalten Reifen gemessen werden. Ein Reifen, der während der Standzeit deutlich Druck verloren hat, sollte nicht einfach unter voller Belastung eingesetzt werden.
- Vorder- und Hinterreifen einzeln messen
- bei Zwillingsbereifung beide Reifen kontrollieren
- Ventile und Ventilverlängerungen prüfen
- Reifenfülldruck mit dem aktuellen Einsatz abstimmen
- Front- und Heckanbaugeräte berücksichtigen
- Reifenform nicht als Ersatz für eine Druckmessung verwenden
- bei erneutem Druckverlust die Ursache untersuchen
Weitere praktische Hinweise zur Abstimmung von Radlast, Geschwindigkeit und Reifenfülldruck finden Sie unter Traktorreifen-Luftdruck.
Reifen nicht mit deutlich zu geringem Reifenfülldruck bewegen
Bereits eine kurze Fahrt kann bei starkem Unterdruck Seitenwand, Karkasse, Wulst und bei Schlauchbereifungen auch den Schlauch zusätzlich belasten. Besonders kritisch sind hohe Achslasten durch Frontlader, Ballast oder schwere Anbaugeräte.
Temperaturbedingte Druckänderungen richtig einordnen
Bei sinkender Reifentemperatur sinkt grundsätzlich auch der gemessene Reifenfülldruck. Eine niedrigere Messung nach einem deutlichen Temperaturwechsel bedeutet deshalb nicht automatisch eine Undichtigkeit.
Ähnliche Veränderung
Mehrere Reifen zeigen unter vergleichbaren Bedingungen eine ähnliche Druckänderung und bleiben anschließend stabil.
Verdächtiger Luftverlust
Ein einzelner Reifen verliert wiederholt deutlich mehr Druck oder muss regelmäßig nachgefüllt werden.
Messungen direkt nach der Fahrt oder bei stark erwärmtem Reifen lassen sich nicht ohne Weiteres mit Messungen am kalten Reifen vergleichen.
Was ist ein Standplatten?
Während einer langen Standzeit trägt derselbe Reifenbereich dauerhaft die Fahrzeuglast. Dadurch kann sich die Aufstandsfläche vorübergehend abplatten. Bei den ersten Radumdrehungen kann sich dies als unrunder Lauf oder Vibration bemerkbar machen.
Vorübergehende Verformung
Kann sich bei korrektem Reifenfülldruck und vorsichtiger Fahrt mit zunehmender Reifenbewegung reduzieren.
Bleibende Verformung
Bleibt eine deutliche Verformung oder Vibration bestehen, muss der Reifen beziehungsweise das Rad fachgerecht geprüft werden.
Struktureller Schaden
Eine Beule oder starke lokale Verformung kann auf einen inneren Reifenschaden hinweisen und darf nicht als normaler Standplatten abgetan werden.
Beule und Standplatten nicht verwechseln
Ein typischer Standplatten betrifft den über längere Zeit belasteten Laufflächenbereich und kann sich unter geeigneten Bedingungen wieder reduzieren. Eine lokale Beule an Seitenwand oder Lauffläche kann dagegen auf einen strukturellen Reifenschaden hinweisen.
Bei einer Beule darf nicht versucht werden, den Reifen einfach durch längere oder schnellere Fahrt „rundzufahren“.
Schrittweise Kontrolle vor der Saison
Maschine sicher abstellen
Traktor auf tragfähigem Untergrund abstellen, gegen Wegrollen sichern und Anbaugeräte kontrolliert absenken.
Reifenfülldruck messen
Alle Reifen möglichst kalt prüfen und mit den technischen Last-Luftdruck-Daten für den vorgesehenen Einsatz vergleichen.
Außen- und Innenflanken ansehen
Auf Risse, Schnitte, Scheuerstellen, Beulen und ungewöhnliche Verformungen achten.
Profil und Profilgrund kontrollieren
Zwischen den Stollen nach Rissen, Fremdkörpern, Stoppelschäden und Ablösungen suchen.
Ventile prüfen
Ventilstellung, Ventileinsatz, Ventilkappe und vorhandene Ventilverlängerungen kontrollieren.
Felgen und Radbefestigung ansehen
Korrosion, Risse, Verformungen, lose Lackschichten und auffällige Befestigungsbereiche prüfen.
Erste Probefahrt vorsichtig durchführen
Zunächst langsam fahren und auf Vibrationen, Geräusche, Lenkverhalten und Rundlauf achten.
Nachkontrolle durchführen
Nach der ersten Nutzung Reifenfülldruck, Erwärmung, Ventile und sichtbare Reifenverformungen erneut prüfen.
Außenflanken kontrollieren
- keine tiefen Schnitte oder Quetschstellen
- keine Beulen oder lokalen Auswölbungen
- keine sichtbaren Festigkeitsträger
- keine auffälligen tiefen Alterungsrisse
- keine Scheuerstellen durch Fahrzeugteile
- keine auffälligen Materialveränderungen nach Kontakt mit Betriebsstoffen
- keine ungewöhnlichen lokalen Verformungen
Innenflanken nicht vergessen
Die innere Reifenflanke ist schlechter einsehbar und wird bei einer schnellen Kontrolle häufig übersehen. Dort können Schäden durch Äste, Fahrzeugteile, Leitungen, Ketten oder eingeklemmte Fremdkörper entstehen.
Fahrzeugkontakt
Scheuerspuren können auf unzureichende Freigängigkeit oder Veränderungen an Reifen- beziehungsweise Radposition hinweisen.
Fremdkörper
Draht, Äste und Pflanzenreste können sich in schwer einsehbaren Bereichen festsetzen.
Zwillingsbereifung
Zwischen den Reifen können Steine, Erde und Scheuerstellen längere Zeit unentdeckt bleiben.
Kann ein verdächtiger Bereich nicht sicher eingesehen werden, kann eine weitergehende Prüfung oder Demontage erforderlich sein.
Profilstollen und Profilgrund prüfen
Bei Traktorreifen reicht es nicht aus, nur die verbleibende Stollenhöhe anzusehen. Besonders Profilgrund und Stollenansätze können Schäden aus früheren Arbeitseinsätzen oder Alterungserscheinungen zeigen.
- Risse an Stollenansätzen
- abgelöste oder ausgerissene Profilbereiche
- Fremdkörper und Stoppeln
- tiefe Schnitte zwischen den Stollen
- Alterungsrisse im Profilgrund
- ungleichmäßiger Stollenverschleiß
- sichtbare textile oder metallische Festigkeitsträger
Schlamm und Schmutz können Schäden verdecken
Vor einer gründlichen Zustandskontrolle müssen Profil und Flanken so weit gereinigt werden, dass Schnitte, Risse, Fremdkörper und Scheuerstellen sichtbar werden.
Reifenalter und Herstellungsdatum im Blick behalten
Landwirtschaftliche Reifen können trotz geringer Laufleistung viele Jahre verwendet werden. Eine große verbleibende Profiltiefe allein sagt deshalb noch nicht aus, ob der Reifen technisch für den weiteren Einsatz geeignet ist.
- Herstellungszeitraum dokumentieren
- Flanken und Profilgrund auf Alterungserscheinungen prüfen
- Risse, Materialveränderungen und Verformungen beachten
- frühere Reparaturen kontrollieren
- Einsatzgeschwindigkeit und Belastung berücksichtigen
- Reifen nicht ausschließlich nach Profiltiefe beurteilen
Entscheidend sind technischer Zustand, bisheriger Einsatz, Belastung, Herstellerangaben und fachgerechte Beurteilung. Ein alter Reifen mit relevanten Schäden wird nicht durch eine große Restprofiltiefe wieder technisch einwandfrei.
Ventile vor der Wiederinbetriebnahme prüfen
Ventileinsatz
Auf Dichtheit kontrollieren und bei Verdacht mit geeignetem Lecksuchmittel prüfen.
Ventilschaft
Risse, Korrosion, Scheuerstellen und Verformungen beachten.
Ventilkappe
Vollständig montieren und bei beschädigten oder fehlenden Kappen ersetzen.
Verlängerungen
Auf festen Sitz, Dichtheit und scheuerfreie Führung prüfen.
Schräg stehendes Schlauchventil ist ein Warnzeichen
Steht ein Schlauchventil schräg im Felgenloch, können Reifen und Schlauch auf der Felge gewandert sein oder der Schlauch kann ungünstig liegen. Mögliche Ursachen sind beispielsweise zu geringer Reifenfülldruck, hohe Zugkräfte oder Montageprobleme.
Das Ventil sollte nicht einfach von außen gerichtet werden. Das Rad muss drucklos gemacht, demontiert und die Ursache geprüft werden.
Weitere Praxisinformationen finden Sie unter Landwirtschaftliche Reifenmontage.
Felgen auf Korrosion, Risse und Verformungen prüfen
- Felgenhorn und Wulstsitz ansehen
- Schweißbereiche sorgfältig prüfen
- Radschüssel und Befestigungsbereich kontrollieren
- Rostspuren und lose Lackschichten beachten
- Ventilloch auf Korrosion und scharfe Kanten prüfen
- Verformungen nach Hinderniskontakt untersuchen
- bei schlauchlosen Reifen auf mögliche Undichtigkeiten achten
Leichter Oberflächenrost an einer technisch einwandfreien Stahlfelge kann nach gründlicher Reinigung mit einem geeigneten Schleifpad entfernt werden. Anschließend kann die vorbereitete Oberfläche mit geeignetem Felgenlack geschützt werden. Tiefe Korrosion, Materialverlust, Risse und Verformungen dürfen nicht einfach überarbeitet oder überlackiert werden.
Felgenrisse nicht einfach überlackieren
Eine Lackschicht kann einen Schaden verdecken, stellt die ursprüngliche Tragfähigkeit der Felge aber nicht wieder her. Verdächtige Bereiche müssen fachgerecht beurteilt werden.
Radmuttern und Befestigungsbereiche kontrollieren
Während einer längeren Standzeit können Korrosion und Spuren früherer Belastungen an Radbolzen, Muttern und Anlageflächen sichtbar werden.
Radmuttern
Auf Vollständigkeit, Schäden und vorgesehenen Sitz prüfen.
Anlageflächen
Keine losen Rost-, Schmutz- oder Lackschichten zwischen Rad und Nabe.
Befestigungsbohrungen
Keine Langlöcher, Risse oder ausgeschlagenen Sitzflächen.
Radbefestigungen nicht nach Gefühl und nicht anhand allgemeiner PKW-Werte beurteilen. Maßgeblich sind die Angaben für den konkreten Traktor, das Rad beziehungsweise die Felge und die verwendete Befestigung.
Schwere Anbaugeräte während langer Standzeiten
Front- und Heckanbaugeräte verändern die Achslasten. Bleibt die Maschine über längere Zeit in einem ungünstigen Lastzustand abgestellt, können einzelne Reifen entsprechend stärker belastet werden.
Frontlader und Frontgerät
Können die Vorderachslast erhöhen und damit die dauerhafte Belastung der Vorderreifen verändern.
Schweres Heckgerät
Belastet die Hinterachse und kann gleichzeitig die Lastverteilung an der Vorderachse verändern.
Wie Frontlader, Anbaugeräte, Lastabstand und Ballastierung die Achslasten beeinflussen, erklären wir im Wissensartikel Frontlader, Anbaugeräte, Achslast und Hebelwirkung.
Anbaugeräte für längere Standzeiten sicher abstellen
Anbaugeräte sollten entsprechend Betriebsanleitung und Standsicherheitsvorgaben so abgestellt werden, dass Fahrzeug und Reifen nicht unnötig in einem ungünstigen Lastzustand verbleiben.
Hydraulisch angehobene Geräte dürfen nicht als alleinige dauerhafte Sicherung betrachtet werden.
Einseitige Belastung während der Standzeit vermeiden
Steht der Traktor längere Zeit auf stark unebenem Untergrund, in einer tiefen Vertiefung oder mit ungünstig abgestellten Anbaugeräten, können einzelne Reifen deutlich stärker belastet werden.
- möglichst tragfähigen und ebenen Untergrund wählen
- keine scharfkantigen Gegenstände unter der Aufstandsfläche
- Maschine nicht unnötig dauerhaft in einer tiefen Furche abstellen
- starke Schrägstellung über lange Zeit möglichst vermeiden
- Anbaugeräte und Ballastierung berücksichtigen
- auffällig unterschiedlich verformte Reifen prüfen
Traktor während langer Standzeiten entlasten?
Ob ein Traktor oder eine andere landwirtschaftliche Maschine aufgebockt oder anderweitig entlastet werden sollte und darf, hängt von Fahrzeuggewicht, Konstruktion und Herstellervorgaben ab. Unsachgemäßes Aufbocken kann erhebliche Gefahren verursachen.
Mögliche Entlastung
Kann dauerhafte Reifenbelastung reduzieren, wenn die Maßnahme technisch vorgesehen und sicher durchführbar ist.
Sicherheitsrisiko
Ungeeignete Böcke, weicher Untergrund oder falsche Ansatzpunkte können zum Abrutschen oder Kippen führen.
Nur geeignete Hebe- und Stützeinrichtungen sowie technisch vorgesehene Aufnahmepunkte verwenden.
Maschine während langer Standzeiten gelegentlich versetzen?
Wenn dies betrieblich sinnvoll, sicher und mit den Herstellervorgaben vereinbar ist, kann eine Veränderung der Aufstandsposition verhindern, dass dauerhaft exakt derselbe Reifenbereich belastet bleibt.
- nur mit geeignetem Reifenfülldruck bewegen
- Maschine vorher kontrollieren
- Anbaugeräte sicher positionieren
- Aufstandsposition tatsächlich verändern
- nicht lediglich den Motor laufen lassen
- Betriebs- und Herstellervorgaben beachten
Erste Fahrt nach langer Standzeit
Die erste Fahrt sollte vorsichtig und mit geringer Geschwindigkeit erfolgen. So lassen sich Rundlauf, Lenkverhalten und mögliche Auffälligkeiten beurteilen, bevor wieder hohe Zug-, Transport- oder Frontladerbelastungen auftreten.
Langsam beginnen
Nicht sofort mit hoher Geschwindigkeit oder schwerer Arbeitslast starten.
Lenkung beobachten
Auf Ziehen, Ruckeln und ungewöhnliche Lenkreaktionen achten.
Vibrationen beachten
Unrunder Lauf kann durch eine vorübergehende oder bleibende Reifen- beziehungsweise Radverformung entstehen.
Geräusche prüfen
Schlagen, Schleifen oder Knacken kann auf Reifen-, Rad-, Felgen- oder Fahrzeugprobleme hinweisen.
Starke Vibrationen nicht durch hohe Geschwindigkeit „wegfahren“
Bleiben Vibrationen oder sichtbare Verformungen bestehen, sollte angehalten und die Ursache geprüft werden. Höhere Geschwindigkeit erhöht Belastung und Wärme und kann vorhandene Schäden verschlimmern.
Wann sich ein Standplatten zurückbilden kann
Eine leichte vorübergehende Abplattung kann sich bei geeignetem Reifenfülldruck und vorsichtiger Fahrt mit zunehmender Reifenbewegung reduzieren.
- Vibration nimmt schrittweise ab
- Reifenform wird gleichmäßiger
- keine Beulen oder tiefen Schäden vorhanden
- kein auffälliger Reifenfülldruckverlust
- keine ungewöhnlich starke Erwärmung
- Fahrverhalten normalisiert sich
Wann eine Verformung fachgerecht geprüft werden sollte
- Vibration bleibt deutlich bestehen
- sichtbare Beule an Seitenwand oder Lauffläche
- Reifen läuft deutlich seitlich oder radial unrund
- lokale Verformung nimmt zu
- Reifen verliert wiederholt Luft
- auffällige Erwärmung
- ungewöhnliche Geräusche oder instabiles Fahrverhalten
Nach der Wiederinbetriebnahme erneut kontrollieren
Manche Auffälligkeiten zeigen sich erst unter Last oder nach den ersten Fahr- beziehungsweise Arbeitsstunden.
- Reifenfülldruck erneut unter vergleichbaren kalten Bedingungen prüfen
- auffällige Temperaturunterschiede beachten
- Ventile auf Dichtheit kontrollieren
- Flanken und Profil erneut ansehen
- Felgen und Radbefestigungen kontrollieren
- Vibrationen oder Lenkauffälligkeiten ernst nehmen
- bei Luftverlust nicht nur nachpumpen
Typische Befunde nach langer Standzeit
| Beobachtung | Mögliche Ursache | Nächster Schritt |
|---|---|---|
| Reifen sichtbar abgeflacht | vorübergehender oder bleibender Standplatten möglich | Reifenfülldruck prüfen und vorsichtige Probefahrt durchführen |
| Vibration nimmt während vorsichtiger Fahrt ab | vorübergehende Reifenverformung möglich | weiter beobachten und nachkontrollieren |
| Vibration bleibt deutlich bestehen | bleibende Verformung, Felgen-, Rad- oder Reifenschaden möglich | Rad fachgerecht prüfen |
| Ein Reifen verliert deutlich Druck | Ventil, Schlauch, Wulstbereich, Reifen oder Felge können undicht sein | systematische Lecksuche durchführen |
| Schlauchventil steht schräg | Reifen oder Schlauch können sich auf der Felge bewegt haben | Rad demontieren und Ursache prüfen |
| Risse im Profilgrund | Alterung, frühere Belastung oder mechanische Beschädigung möglich | Tiefe und mögliche Beteiligung tragender Reifenbestandteile beurteilen |
| Korrosion an der Felge | Feuchtigkeit, beschädigte Beschichtung oder aggressive Rückstände | Felge technisch beurteilen und entsprechend instand setzen |
| Ein Reifen wird deutlich wärmer | unter anderem ungeeigneter Druck, Überlastung, Bremse oder Reifenschaden | Fahrt beziehungsweise Arbeit beenden und Ursache prüfen |
Einen auffälligen Reifen nicht isoliert betrachten
Reifenfülldruck, Felge, Bremse, Radlager, Ballastierung, Achslast und Fahrzeugtechnik können gemeinsam zu Erwärmung, Vibrationen oder auffälligen Reifenverformungen beitragen.
Häufige Fehler bei der Wiederinbetriebnahme
Direkt schwer arbeiten
Der Reifen wird ohne vorherige Kontrolle sofort mit Frontlader oder schweren Anbaugeräten belastet.
Nur Profil ansehen
Flanken, Ventile, Profilgrund, Felgen und Befestigungen bleiben ungeprüft.
Druck nach Gefühl
Die sichtbare Reifenform wird fälschlich als Ersatz für eine Messung verwendet.
Vibration ignorieren
Eine bleibende Auffälligkeit wird ungeprüft als normaler Standplatten eingestuft.
Ventil geraderichten
Die eigentliche Ursache eines schräg stehenden Schlauchventils bleibt ungeklärt.
Felgenschäden überlackieren
Risse oder tiefe Korrosion können unter einer neuen Beschichtung verborgen bleiben.
Alten Druck übernehmen
Eine veränderte Last durch neue Anbaugeräte oder Ballastierung wird nicht berücksichtigt.
Sofort schnell fahren
Reifen und Fahrzeug werden hoch belastet, bevor ihr Zustand zuverlässig beurteilt wurde.
Kontrollliste vor dem ersten Arbeitseinsatz
- Reifenfülldruck an allen Reifen geprüft
- keine Beulen oder auffälligen starken Verformungen
- Außen- und Innenflanken kontrolliert
- Profilgrund und Stollen ohne sicherheitsrelevante Schäden
- Ventile gerade und dicht
- Ventilkappen vollständig montiert
- Felgen ohne erkennbare Risse oder starke Verformungen
- Radbefestigungen unauffällig
- Anbaugeräte und Ballastierung berücksichtigt
- erste Probefahrt vorsichtig durchgeführt
- keine bleibenden starken Vibrationen oder Geräusche
- Nachkontrolle eingeplant
Wann der Traktor nicht weiter ungeprüft eingesetzt werden sollte
- Beule oder Hinweis auf strukturellen Reifenschaden
- starker oder wiederkehrender Reifenfülldruckverlust
- bleibende starke Reifenverformung
- tiefe Flanken- oder Profilgrundrisse
- schräg stehendes oder beschädigtes Ventil
- Felgenriss oder starke Felgenverformung
- ungewöhnlich starke Erwärmung
- starke Vibrationen oder instabiles Fahrverhalten
- lockere oder beschädigte Radbefestigung
Weiterführende Praxis rund um Traktorreifen
Weitere praktische Informationen zu Reifenfülldruck, Montage, Umrüstung, Verschleiß, Schäden, Felgen und dem sicheren Arbeitseinsatz.
Technisches Wissen zu Traktorreifen
Die FT Wissenswelt erklärt technische Grundlagen zu Reifenaufbau, Tragfähigkeit, Profil, Radlast und unterschiedlichen Einsatzbedingungen.
Traktorreifen und verwandte Landwirtschaftsreifen bei FT-Reifen
Ist ein Reifen nach langer Standzeit oder technischer Prüfung nicht mehr für den vorgesehenen Einsatz geeignet, finden Sie bei FT-Reifen passende Reifen und Zubehörbereiche für die Landwirtschaft.
Herstellerwissen und Bestellablauf
Häufige Fragen zu Traktorreifen nach langen Standzeiten
Warum läuft ein Traktor nach langer Standzeit zunächst unrund?
Die dauerhaft belastete Reifenfläche kann sich vorübergehend abgeplattet haben. Eine leichte Verformung kann sich bei korrektem Reifenfülldruck und vorsichtiger Fahrt reduzieren.
Wann ist ein Standplatten problematisch?
Wenn Vibrationen oder sichtbare Verformungen bestehen bleiben, stärker werden oder zusammen mit Beulen, Luftverlust, Erwärmung oder anderen Auffälligkeiten auftreten.
Muss der Reifenfülldruck vor der ersten Fahrt geprüft werden?
Ja. Der aktuelle Reifenfülldruck muss zum vorgesehenen Last- und Betriebszustand passen. Ein deutlicher Druckverlust während der Standzeit erfordert eine Ursachenprüfung.
Warum sollte die Innenflanke kontrolliert werden?
Dort können Schäden durch Fahrzeugteile, Äste, Draht, Ketten, Zwillingsreifen oder andere Fremdkörper entstehen, die von außen nicht sichtbar sind.
Kann ein alter Reifen trotz großer Profiltiefe ungeeignet sein?
Ja. Reifenzustand, Alterungserscheinungen, strukturelle Schäden, bisherige Belastung und Herstellerangaben müssen unabhängig von der Restprofiltiefe berücksichtigt werden.
Was bedeutet ein schräg stehendes Schlauchventil?
Reifen und Schlauch können sich auf der Felge bewegt haben oder der Schlauch kann ungünstig liegen. Das Rad sollte demontiert und die Ursache geprüft werden.
Darf der Traktor direkt wieder mit schwerem Frontlader eingesetzt werden?
Vor hoher Belastung sollten Reifenfülldruck, Reifenzustand, Ventile, Felgen, Radbefestigungen und die tatsächliche Achslast geprüft sein.
Sollte ein schweres Anbaugerät während langer Standzeit angehoben bleiben?
Maßgeblich sind Betriebsanleitung und sichere Abstellvorgaben. Hydraulisch angehobene Geräte sollten nicht als alleinige dauerhafte Sicherung genutzt werden.
Kann ein Traktor während der Standzeit aufgebockt werden?
Nur wenn dies technisch vorgesehen ist und geeignete Hebe- und Stützeinrichtungen sowie sichere Aufnahmepunkte verwendet werden. Improvisierte Unterbauten sind ungeeignet.
Wann sollte nach der Wiederinbetriebnahme erneut geprüft werden?
Nach der ersten vorsichtigen Nutzung und nochmals nach den ersten Betriebsstunden, insbesondere wenn zuvor Druckverlust, Standplatten, Alterungserscheinungen oder andere Auffälligkeiten festgestellt wurden.
Technischer Hinweis
Diese Praxisinformationen ersetzen keine fachgerechte Reifen-, Felgen-, Rad- oder Fahrzeugprüfung. Bei Beulen, strukturellen Reifenschäden, Felgenrissen, starkem Reifenfülldruckverlust, bleibenden Verformungen oder starken Vibrationen muss die Ursache fachgerecht untersucht werden. Maßgeblich sind die technischen Angaben des Traktor-, Reifen-, Felgen- und Geräteherstellers sowie die tatsächlichen Lasten und Einsatzbedingungen.
Traktorreifen nach langen Standzeiten sicher wieder in Betrieb nehmen
Vor dem ersten Arbeitseinsatz zählen nicht nur Reifenfülldruck und Profiltiefe. Standplatten, Reifenalter, Außen- und Innenflanken, Profilgrund, Ventile, Felgen, Radbefestigung und aktuelle Belastung müssen gemeinsam beurteilt werden.
FT-Reifen verbindet über 35 Jahre praktische Erfahrung mit verständlichem Wissen rund um Traktorreifen, Felgen, Montage und landwirtschaftliche Bereifungen.
FT-Reifen – der Reifenhändler, der sein Wissen teilt.