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Traktor Reifen nachschneiden

FT Praxiswelt – Traktorreifen

Traktorreifen nachschneiden – wann ist es sinnvoll und wann riskant?

Große Profilstollen und ein massiver Reifenaufbau vermitteln schnell den Eindruck, dass ein Traktorreifen problemlos tiefer eingeschnitten werden könne. Das ist jedoch nicht automatisch der Fall. Unter dem sichtbaren Profil befinden sich je nach Reifenkonstruktion nur begrenzte Gummireserven sowie tragende Gürtel- und Karkassenbestandteile.

Ein Traktorreifen sollte deshalb nur nachgeschnitten werden, wenn der Reifenhersteller das Nachschneiden für das konkrete Reifenmodell vorsieht und eindeutige technische Vorgaben zu Schnittführung, Schnittbreite und Schnitttiefe bereitstellt.

Ein tiefes Profil bedeutet nicht automatisch ausreichend Nachschneidegummi

Die sichtbare Stollenhöhe erlaubt keinen sicheren Rückschluss darauf, wie viel Material sich unter den vorhandenen Profilrillen befindet.

Ohne eindeutige Herstellervorgaben nicht nachschneiden

Fehlen konkrete technische Angaben oder ein geeigneter Nachschneideplan für das Reifenmodell, sollte das Profil nicht eigenmächtig vertieft, geteilt oder verändert werden.

Was bedeutet Nachschneiden?

Beim Nachschneiden wird vorhandenes Gummi im Profilbereich mit einem dafür vorgesehenen Schneidgerät kontrolliert entfernt. Dabei werden festgelegte Profilrillen entsprechend den technischen Vorgaben des Reifenherstellers vertieft oder wiederhergestellt.

Vorgegebene Rille

Geschnitten wird nur dort, wo der Hersteller eine Bearbeitung vorsieht.

Begrenzte Tiefe

Die zulässige Schnitttiefe wird durch den konkreten Reifenaufbau bestimmt.

Passende Klinge

Breite und Form der Klinge müssen zu den technischen Vorgaben passen.

Kontrollierte Arbeit

Schnittführung und Tiefe müssen über den gesamten bearbeiteten Bereich gleichmäßig bleiben.

Was Nachschneiden nicht bedeutet

  • kein beliebiges Gestalten eines neuen Profils
  • keine Reparatur von Schnitten oder Einstichen
  • keine Wiederherstellung beschädigter Stollen
  • keine Beseitigung eines Karkassenschadens
  • kein Ausgleich von Spur- oder Allradproblemen
  • keine Runderneuerung des Reifens
  • keine Verlängerung der Lebensdauer eines technisch ungeeigneten Reifens um jeden Preis

Nachschneiden, Reparieren und Runderneuern unterscheiden

Nachschneiden

Vorhandene Profilrillen werden nach technischen Herstellervorgaben innerhalb der dafür vorgesehenen Gummireserve vertieft.

Reparieren

Eine konkrete Reifenverletzung wird nach fachlicher Beurteilung und einem geeigneten Reparaturverfahren instand gesetzt.

Runderneuern

Eine geprüfte Karkasse erhält in einem spezialisierten Betrieb eine neue Lauffläche. Das ist ein vollständig anderes Verfahren.

Nachschneiden repariert keinen beschädigten Reifen

Risse, Einstiche, Beulen, Ablösungen und Karkassenschäden bleiben auch dann bestehen, wenn umliegendes Profilgummi entfernt wird.

Herstellerangaben und Reifenkennzeichnung prüfen

Vor jeder Bearbeitung muss festgestellt werden, ob das konkrete Reifenmodell für ein Nachschneiden vorgesehen ist. Eine allgemeine Aussage für alle Traktor- oder Landwirtschaftsreifen wäre fachlich falsch.

  • vollständige Reifenbezeichnung feststellen
  • Hersteller und Profilserie eindeutig zuordnen
  • technische Unterlagen des Herstellers prüfen
  • mögliche Kennzeichnungen am Reifen beachten
  • Nachschneideplan oder technische Bearbeitungsvorgaben für genau diese Baureihe beschaffen
  • zulässige Schnittbreite und Schnitttiefe feststellen
  • besondere Ausschlussbereiche berücksichtigen
„Regroovable“ nicht pauschal voraussetzen

Die Kennzeichnung ist vor allem aus dem Nutzfahrzeugbereich bekannt. Bei Landwirtschaftsreifen muss immer modellbezogen geprüft werden, ob und wie eine Profilbearbeitung technisch vorgesehen ist.

Eine ähnliche Profilserie ist keine ausreichende Grundlage

Auch äußerlich ähnliche Reifen können einen unterschiedlichen Unterbau und eine andere Gummireserve unter den Profilrillen besitzen.

Warum zu tiefes Schneiden gefährlich ist

Unter der sichtbaren Lauffläche befinden sich je nach Bauart Untergummi, Gürtel, Verstärkungslagen und tragende Karkassenbestandteile. Werden diese freigelegt oder angeschnitten, kann die Belastbarkeit und Betriebssicherheit des Reifens beeinträchtigt werden.

Feuchtigkeitseintritt

Wasser und Schmutz können in tiefer liegende Reifenbereiche gelangen.

Korrosion

Bei vorhandenen Stahlbestandteilen kann eindringende Feuchtigkeit Korrosion begünstigen.

Ablösungen

Beschädigte Übergänge können Profil- oder Gürtelablösungen begünstigen.

Tragfähigkeitsverlust

Verletzte tragende Reifenbestandteile können die Belastbarkeit verringern.

Rissbildung

Ein zu tiefer oder ungünstig geführter Schnitt kann zum Ausgangspunkt weiterer Risse werden.

Erwärmung

Innere Vorschäden können unter Last und Geschwindigkeit zu auffälliger Wärmeentwicklung beitragen.

Luftverlust

Bei tiefen Beschädigungen können weitere Reifenbereiche oder bei Schlauchreifen auch der Schlauch betroffen sein.

Reifenausfall

Ein strukturell vorgeschädigter Reifen kann unter hoher Belastung versagen.

Freigelegte Cord-, Gürtel- oder Karkassenbestandteile bedeuten sofortigen Abbruch

Wird beim Schneiden ein tragender Reifenbestandteil sichtbar oder beschädigt, muss die Bearbeitung beendet und der Reifen fachgerecht beurteilt werden.

Keine eigene Profilgestaltung

Zusätzliche Rillen, Lamellen oder Einschnitte verändern die Stabilität und Bewegung der Profilstollen. Ohne technische Herstellervorgabe sollte die ursprüngliche Profilgestaltung nicht verändert werden.

  • Stollen nicht beliebig teilen
  • keine zusätzlichen Querrillen einbringen
  • keine eigenen Lamellen schneiden
  • Stollenflanken nicht eigenmächtig anschneiden
  • Profilwinkel nicht verändern
  • Profilgrund nicht nach Gefühl vertiefen
  • Risse nicht durch Ausschneiden „entfernen“
  • ungleichmäßigen Verschleiß nicht durch unterschiedliche Schnitttiefen ausgleichen

Zusätzliche Einschnitte können Stollen schwächen

Stollen können sich stärker bewegen, an ihren Ansätzen einreißen oder unter hoher Zug- und Seitenbelastung ausbrechen.

Profilkonstruktion besser verstehen

Wie Stollenhöhe, Stollenwinkel, Zwischenräume, Selbstreinigung und Profilgestaltung zusammenwirken, erklären wir im Wissensartikel Traktorreifen – Profil, Stollen, Stollenwinkel und Verschleiß.

Reifen vor dem Nachschneiden vollständig prüfen

Reifen eindeutig identifizieren

Hersteller, Modell, Größe, Bauart und mögliche Kennzeichnungen dokumentieren.

Herstellerangaben prüfen

Nachschneideplan oder technische Bearbeitungsvorgaben für genau dieses Reifenmodell beschaffen.

Profil kontrollieren

Restprofiltiefe, Risse, Schnitte, Stollenablösungen und Fremdkörper prüfen.

Flanken ansehen

Außen- und Innenflanken auf Beulen, tiefe Verletzungen und starke Alterungsrisse kontrollieren.

Wulst und Felge prüfen

Reifenwulst, Felgenhorn, Wulstsitz und Felgenzustand beurteilen.

Verschleißursache untersuchen

Reifenfülldruck, Spur, Allradabstimmung beziehungsweise Voreilung, Ballastierung und Einsatzbedingungen prüfen.

Bearbeitungsfähigkeit entscheiden

Nur einen technisch geeigneten Reifen nach den Vorgaben für das konkrete Reifenmodell bearbeiten.

Profilbereich vor der Bearbeitung beurteilen

Restprofiltiefe

Muss noch eine sichere und gleichmäßige Bearbeitung entsprechend den technischen Vorgaben ermöglichen.

Profilgrund

Darf keine tiefen Risse, Schnitte oder Ablösungen aufweisen.

Stollenansätze

Eingerissene, gelöste oder stark geschädigte Stollen sprechen gegen eine weitere Profilbearbeitung.

Fremdkörper

Einstiche und feststeckende Teile müssen vorab fachgerecht beurteilt werden.

Risse im Profilgrund nicht tiefer ausschneiden

Ein Riss kann bis in tiefere Reifenbereiche reichen. Das Entfernen des sichtbaren Randes verändert die Ursache nicht und kann den Schaden vergrößern.

Seitenwände und Karkasse prüfen

  • keine Beulen oder lokalen Auswölbungen
  • keine sichtbaren Cord-, Gürtel- oder Karkassenbestandteile
  • keine tiefen Flankenschnitte
  • keine starken Scheuerstellen
  • keine großflächigen oder tiefen Alterungsrisse
  • keine ungewöhnlichen lokalen Verformungen
  • keine deutlichen Hinweise auf frühere Überlastung oder starken Unterdruckbetrieb
  • keine auffällige Erwärmung im bisherigen Betrieb
Aufbau des Traktorreifens

Warum Seitenwand, Karkasse und Laufflächenbereich unterschiedlich arbeiten, erklärt die FT Wissenswelt unter Radial- und Diagonalreifen – Karkasse und Seitenwand verstehen.

Bei einer Beule nicht nachschneiden

Eine lokale Beule kann auf einen inneren Karkassenschaden hinweisen. Der Reifen muss zunächst fachgerecht beurteilt werden und sollte nicht durch eine Profilbearbeitung weiter genutzt werden.

Reifenalter und Gummizustand berücksichtigen

Ein Reifen kann noch eine große Stollenhöhe besitzen und trotzdem durch Alterung oder frühere Belastung für eine weitere Profilbearbeitung ungeeignet sein.

Verhärtetes Profil

Kann beim Schneiden ausbrechen oder unregelmäßig reißen.

Alterungsrisse

Können auf bereits geschwächte Gummi- und Übergangsbereiche hinweisen.

Unterdruckschäden

Starke Walkarbeit kann innere Reifenbereiche vorgeschädigt haben.

Überlastung

Hohe Radlasten können Schäden verursachen, die von außen nicht sofort sichtbar sind.

Nachschneiden macht einen alten Reifen nicht wieder neu

Die Bearbeitung verändert nur die dafür vorgesehenen Profilrillen. Alterung, Karkassenzustand, Wulstschäden und frühere Überlastungen bleiben bestehen.

Ungleichmäßig verschlissene Reifen

Einseitiger, schräger oder sägezahnartiger Verschleiß sollte nicht durch unterschiedliche Schnitttiefen ausgeglichen werden.

Spurfehler

Seitliches Schieben auf festem Untergrund kann zu schrägem Profilabrieb führen.

Allradabstimmung und Voreilung

Unpassende Abrollumfänge von Vorder- und Hinterachse können die Reifen zusätzlich belasten.

Ungeeigneter Reifenfülldruck

Zu hoher oder zu niedriger Reifenfülldruck verändert Reifenverformung und Verschleißbild.

Ballastierung

Ungünstige Achslasten können einzelne Reifen überlasten oder stark entlasten.

Lenkungs- und Lagerspiel

Spiel in Bauteilen kann Radstellung und Reifenlauf beeinflussen.

Straßenbetrieb

Rangieren, Kurvenfahrt und griffiger Asphalt beanspruchen Profilkanten stark.

Voreilung bei Allradtraktoren mitprüfen

Wie Vorder- und Hinterreifen über Abrollumfang und Achsübersetzung zusammenhängen, erklären wir im Fachartikel Abrollumfang und Voreilung beim Allradtraktor.

Verschleißursache zuerst beheben

Ein nachgeschnittener Reifen kann erneut ungleichmäßig verschleißen, wenn Spur, Reifenfülldruck, Allradabstimmung oder Fahrzeugtechnik unverändert problematisch bleiben.

Geeignetes Nachschneidegerät verwenden

Die Bearbeitung erfordert ein für Reifenprofile vorgesehenes Gerät, mit dem sich die nach Herstellerangabe erforderliche Schnitttiefe kontrolliert und reproduzierbar einhalten lässt.

  • Schnitttiefe kontrollierbar einstellen
  • passende Klingenform verwenden
  • Klingenbreite entsprechend den Herstellervorgaben wählen
  • geeignete Temperatur für einen sauberen Schnitt einstellen
  • Klinge sauber und ohne Verkanten führen
  • Gerät und elektrische Leitungen technisch einwandfrei halten
  • Bearbeitung nur durch fachkundige Personen durchführen

Keine improvisierten Werkzeuge verwenden

Messer, Winkelschleifer, Fräser oder andere ungeeignete Werkzeuge ermöglichen keine kontrollierte Einhaltung von Schnitttiefe, Schnittbreite und Profilführung.

Klingenform und Schnittbreite

Der technische Nachschneideplan kann unterschiedliche Klingenformen und Schnittbreiten für verschiedene Profilbereiche vorgeben.

Zu schmale Klinge

Kann eine vom vorgesehenen Rillenquerschnitt abweichende Kerbe erzeugen.

Zu breite Klinge

Entfernt mehr Gummi als vorgesehen und kann Übergänge oder Stollenansätze beeinträchtigen.

Falsche Form

Verändert Rillengrund und Übergänge gegenüber der technischen Herstellervorgabe.

Temperatur beim Schneiden kontrollieren

Die beheizte Klinge soll das Gummi sauber trennen. Eine ungeeignete Temperatur kann die Schnittqualität deutlich verschlechtern.

Zu geringe Temperatur

  • Klinge reißt oder rupft am Gummi
  • Schnitt wird ungleichmäßig
  • höherer Kraftaufwand erforderlich
  • Profilbereiche können stärker mechanisch belastet werden

Zu hohe Temperatur

  • Gummi kann verbrennen oder stark aufschmelzen
  • Schnittkanten werden unkontrolliert
  • Material kann lokal stark thermisch belastet werden
  • Rauch und verschmorte Bereiche können entstehen

Verbrannte Schnittflächen sind kein Qualitätsmerkmal

Stark verschmorte oder aufgeschmolzene Rillen zeigen eine ungeeignete Einstellung oder Arbeitsweise und müssen fachgerecht beurteilt werden.

Schnittführung nach Herstellerplan

  • nur vorgesehene Rillen bearbeiten
  • vorgegebene Schnittrichtung einhalten
  • zulässige Schnitttiefe nicht überschreiten
  • gleichmäßige Schnittbreite halten
  • vorgegebene Abstände zu Stollenflanken einhalten
  • Schnittanfang und Schnittende sauber ausführen
  • keine zusätzlichen Verzweigungen einbringen
  • ausgeschlossene Profilbereiche unangetastet lassen
Keinen pauschalen Tiefenwert verwenden

Die zulässige Schnitttiefe hängt vom konkreten Reifenmodell und seinem inneren Aufbau ab. Werte dürfen nicht von anderen Reifenmodellen oder Profilserien übertragen werden.

Gleichmäßig arbeiten

Unterschiedliche Schnitttiefen können Profilstabilität und Reifenlauf beeinflussen.

  • Werkzeug vor Arbeitsbeginn entsprechend den Vorgaben einstellen
  • Restprofiltiefe an mehreren Stellen messen
  • Reifenabschnitte systematisch bearbeiten
  • Schnitttiefe wiederholt kontrollieren
  • nicht unter Zeitdruck arbeiten
  • beschädigte Bereiche nicht nach Gefühl umgehen
  • bei Unsicherheit Bearbeitung abbrechen

Wann nicht nachgeschnitten werden sollte

Keine Herstellerangaben

Für das konkrete Reifenmodell liegen keine belastbaren technischen Vorgaben zur Profilbearbeitung vor.

Kein Nachschneideplan

Schnittführung und zulässige Tiefe sind nicht eindeutig bekannt.

Karkassenschaden

Beulen, freiliegende tragende Bestandteile oder andere strukturelle Vorschäden sind vorhanden.

Flankenschaden

Tiefe Schnitte oder starke Scheuerstellen können den Reifen technisch ungeeignet machen.

Wulstschaden

Der Reifen weist im Wulstbereich Beschädigungen oder Montageverletzungen auf.

Starke Alterung

Gummi und Profilbereiche sind stark gealtert, rissig oder verhärtet.

Profilablösung

Stollen oder Laufflächenbereiche zeigen Ablösungen oder starke Risse.

Ungeklärter Luftverlust

Reifen, Schlauch, Ventil oder Felge können beschädigt sein und müssen zunächst geprüft werden.

Restprofil allein entscheidet nicht

Auch ein Reifen mit noch großer Stollenhöhe kann wegen Alterung, Karkassen-, Flanken- oder Wulstschäden für eine weitere Profilbearbeitung ungeeignet sein.

Kontrolle unmittelbar nach dem Nachschneiden

Schnittführung prüfen

Alle bearbeiteten Rillen müssen den technischen Vorgaben für das konkrete Reifenmodell entsprechen.

Schnitttiefe kontrollieren

An mehreren Stellen prüfen, ob die vorgegebene Tiefe gleichmäßig eingehalten wurde.

Schnittflächen ansehen

Keine verbrannten, ausgefransten oder unkontrolliert aufgeschmolzenen Bereiche.

Profilgrund prüfen

Keine sichtbaren Gürtel-, Cord- oder Karkassenbestandteile.

Stollen kontrollieren

Keine neuen Risse, abgelösten Kanten oder instabilen Profilteile.

Reifen und Rad prüfen

Reifenfülldruck, Ventil, Felge, Wulstsitz und Radbefestigung kontrollieren.

Kontrolle nach den ersten Betriebsstunden

  • keine neuen Risse an Profilgrund und Stollenansätzen
  • keine Profil- oder Stollenablösungen
  • kein ungewöhnlicher Luftverlust
  • keine auffällige Erwärmung
  • Reifen läuft ohne neue Vibrationen
  • Schnittflächen bleiben unauffällig
  • Verschleiß verläuft gleichmäßig
  • Fahr- und Lenkverhalten bleibt unauffällig

Bei Veränderungen erneut prüfen

Neue Risse, Ablösungen, Beulen, Luftverlust, auffällige Erwärmung oder ungewöhnliche Vibrationen können auf einen ungeeigneten Reifen oder eine problematische Bearbeitung hinweisen.

Typische Fehler beim Nachschneiden

Ohne technische Vorgaben gearbeitet

Reifenaufbau und vorhandene Gummireserve sind nicht ausreichend bekannt.

Nach Gefühl geschnitten

Schnitttiefe und Profilführung werden nicht technisch kontrolliert.

Eigene Rillen ergänzt

Stollenstabilität und Profilbewegung können verändert werden.

Risse herausgeschnitten

Die eigentliche Beschädigung bleibt bestehen oder kann vergrößert werden.

Falsche Klinge verwendet

Schnittbreite und Rillenform entsprechen nicht den technischen Vorgaben.

Zu heiß gearbeitet

Gummi wird verbrannt oder unkontrolliert aufgeschmolzen.

Ungleich tief geschnitten

Profilstabilität und Reifenlauf können beeinträchtigt werden.

Vorschäden ignoriert

Alterung, Überlastung und Karkassenschäden bleiben sicherheitsrelevant.

Kontrollliste vor dem Nachschneiden

  • Hersteller und Reifenmodell eindeutig festgestellt
  • Nachschneiden für das konkrete Reifenmodell technisch vorgesehen
  • geeigneter Nachschneideplan beziehungsweise technische Herstellervorgaben vorhanden
  • zulässige Schnittbreite und Schnitttiefe bekannt
  • Reifen vollständig auf Schäden kontrolliert
  • keine Beulen oder Hinweise auf Karkassenschäden
  • keine tiefen Flanken- oder Wulstschäden
  • keine starken Alterungsrisse
  • keine Profil- oder Stollenablösungen
  • Verschleißursache geprüft
  • geeignetes Schneidegerät vorhanden
  • passende Klinge eingesetzt
  • fachkundige Durchführung gewährleistet

Wann ein Ersatzreifen die bessere Lösung ist

  • keine belastbaren Nachschneidevorgaben vorhanden
  • Karkassenbestandteile sichtbar oder beschädigt
  • Beule oder bleibende lokale Verformung
  • tiefe Seitenwandverletzung
  • starker Wulstschaden
  • großflächige Profilablösung
  • stark ausgerissene Stollen
  • tiefe oder großflächige Alterungsrisse
  • wiederkehrender ungeklärter Luftverlust
  • ungewöhnliche Erwärmung oder Vibration
  • unzureichende Tragfähigkeit für den vorgesehenen Einsatz
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Häufige Fragen zum Nachschneiden von Traktorreifen

Kann jeder Traktorreifen nachgeschnitten werden?

Nein. Das Nachschneiden sollte nur erfolgen, wenn der Reifenhersteller es für das konkrete Reifenmodell vorsieht und dafür eindeutige technische Vorgaben beziehungsweise einen Nachschneideplan bereitstellt.

Reicht eine große Stollenhöhe als Nachweis?

Nein. Von außen lässt sich nicht zuverlässig erkennen, wie viel geeignetes Gummi sich unter den vorhandenen Profilrillen befindet und wo tragende Reifenbestandteile beginnen.

Was bedeutet die Kennzeichnung „Regroovable“?

Sie kennzeichnet bei entsprechend ausgelegten Reifen eine vorgesehene Nachschneidbarkeit. Bei Landwirtschaftsreifen darf diese Eigenschaft nicht pauschal vorausgesetzt werden; entscheidend sind die Angaben zum konkreten Reifenmodell.

Kann man zusätzliche Rillen in die Stollen schneiden?

Nur wenn dies in den technischen Vorgaben für das konkrete Reifenmodell ausdrücklich vorgesehen ist. Eigene Profiländerungen können Stollenstabilität und Reifenverhalten beeinflussen.

Kann ein Riss im Profilgrund herausgeschnitten werden?

Nein. Ein Riss kann tiefer reichen als von außen sichtbar. Das Entfernen des sichtbaren Bereichs beseitigt die Ursache nicht und kann den Schaden vergrößern.

Kann ein ungleichmäßig abgelaufener Reifen unterschiedlich tief nachgeschnitten werden?

Das sollte nicht als Ausgleich für Verschleiß verwendet werden. Zuerst müssen mögliche Ursachen wie Spur, Reifenfülldruck, Allradabstimmung, Voreilung und Fahrzeugtechnik geprüft werden.

Welches Werkzeug ist zum Nachschneiden geeignet?

Verwendet werden sollte ein dafür vorgesehenes Nachschneidegerät mit kontrollierbarer Schnitttiefe und einer zum technischen Nachschneideplan passenden Klinge.

Warum ist zu tiefes Schneiden gefährlich?

Tragende Gürtel-, Cord- oder Karkassenbestandteile können freigelegt oder beschädigt werden. Dadurch können unter anderem Feuchtigkeitseintritt, Ablösungen und strukturelle Reifenschäden entstehen.

Sollte ein alter oder stark rissiger Reifen noch nachgeschnitten werden?

Starke Alterung, tiefe Risse, Verhärtung, Beulen sowie Karkassen-, Wulst- oder Flankenschäden sprechen gegen eine weitere Profilbearbeitung. Der gesamte Reifenzustand muss beurteilt werden.

Was sollte nach dem Nachschneiden kontrolliert werden?

Schnittführung, Schnitttiefe, Profilgrund und Stollen sollten unmittelbar geprüft werden. Im anschließenden Betrieb sollten außerdem Reifenfülldruck, Erwärmung, mögliche neue Risse, Ablösungen, Luftverlust und Veränderungen im Fahrverhalten beobachtet werden.

Technischer Hinweis

Diese Praxisinformationen stellen keine Freigabe zum Nachschneiden eines konkreten Reifens dar. Ob und wie ein Traktorreifen nachgeschnitten werden kann, muss anhand der technischen Vorgaben des jeweiligen Reifenherstellers und des konkreten Reifenmodells beurteilt werden. Die Bearbeitung erfordert geeignetes Werkzeug, einen belastbaren Nachschneideplan und ausreichende Fachkenntnis. Bei Beulen, Karkassen-, Flanken-, Wulst- oder Profilablösungen muss der Reifen fachgerecht geprüft und gegebenenfalls ersetzt werden.

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Traktorreifen vor dem Nachschneiden technisch beurteilen

Nachschneiden beginnt nicht mit dem Schneidgerät, sondern mit der Beurteilung des konkreten Reifens. Reifenmodell, Herstellerangaben, Profilzustand, Karkasse, Seitenwand, Wulst, Verschleißursache und technischer Einsatz müssen zusammenpassen.

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