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Profiltiefe bei Winterreifen – warum weniger Profil Schnee-, Matsch- und Nässeeigenschaften verändert

FT Wissenswelt – PKW-Winterreifen

Profiltiefe bei Winterreifen – warum weniger Profil Schnee-, Matsch- und Nässeeigenschaften verändert

Das Profil eines Winterreifens hat deutlich mehr Aufgaben als nur eine sichtbare Verschleißreserve bereitzustellen. Profilrillen, Lamellen, Blockkanten und Profilzwischenräume sind ein wesentlicher Teil der technischen Winterfunktion.

Mit zunehmendem Verschleiß wird das Profil flacher. Dadurch verändert sich nicht nur die gemessene Profiltiefe, sondern auch die Fähigkeit des Reifens, Schnee aufzunehmen, Schneematsch zu verarbeiten, Wasser zu verdrängen und zahlreiche Profilkanten für die Kraftübertragung bereitzustellen.

Schnee

Tiefere Profilräume können Schnee aufnehmen, verdichten und für die mechanische Verzahnung nutzen.

Schneematsch

Rillen und offene Profilbereiche benötigen Volumen, um die Mischung aus Schnee und Wasser zu verarbeiten.

Nässe

Mit geringer werdender Profiltiefe sinkt das verfügbare Rillenvolumen für die Wasserverdrängung.

Die gesetzliche Mindestprofiltiefe und die technische Leistungsreserve eines Winterreifens sind deshalb zwei unterschiedliche Betrachtungen.

Gesetzliche Mindestprofiltiefe und technische Winterreserve

Wie viel Profiltiefe müssen PKW-Winterreifen in Deutschland mindestens haben?

Für PKW-Reifen gilt in Deutschland im Hauptprofil eine gesetzliche Mindestprofiltiefe von:

1,6 mm

Das Hauptprofil umfasst die breiten Profilrillen im mittleren Bereich der Lauffläche, der ungefähr drei Viertel der Laufflächenbreite einnimmt.

Diese 1,6 mm sind eine gesetzliche Verschleißgrenze – keine Aussage darüber, dass ein Winterreifen bis zu diesem Punkt sämtliche Eigenschaften des Neuzustands unverändert behält.

Warum sind 1,6 mm keine technische Winterleistungs-Garantie?

Der Verschleiß eines Reifens findet kontinuierlich statt.

Mit jedem abgetragenen Millimeter verändern sich unter anderem:

  • Rillentiefe
  • Profilblockhöhe
  • Schneeaufnahmevolumen
  • Wasseraufnahmevolumen
  • Lamellengeometrie

Die Wintereigenschaften verändern sich deshalb schrittweise und nicht erst in dem Moment, in dem 1,6 mm erreicht werden.

Warum gibt es keine einzelne Profiltiefe, bei der ein Winterreifen plötzlich nicht mehr funktioniert?

Auch die technische Leistungsfähigkeit nimmt nicht wie bei einem Schalter plötzlich ab.

Zusätzlich beeinflussen:

  • Reifenmodell
  • Schneeart
  • Wassertiefe
  • Temperatur
  • Geschwindigkeit
  • Fahrzeuggewicht

die tatsächliche Fahrleistung.

Eine bestimmte Profiltiefe allein kann deshalb niemals die gesamte Winterperformance eines Reifens beschreiben.

Profiltiefe und Schneetraktion

Warum benötigt ein Winterreifen Profilvolumen für Schnee?

Auf einer verschneiten Fahrbahn muss das Profil Schnee aufnehmen können.

Dieser Schnee kann innerhalb der Profilräume verdichtet werden und anschließend zur mechanischen Verzahnung mit der Schneedecke beitragen.

Mit abnehmender Profiltiefe werden diese Räume kleiner.

Weniger Profil bedeutet deshalb auch weniger Volumen, in dem Schnee aufgenommen und verarbeitet werden kann.

Was hat Profiltiefe mit Schnee-auf-Schnee-Haftung zu tun?

Winterreifen können Schnee gezielt innerhalb ihrer Profilräume aufnehmen.

Der verdichtete Schnee im Reifenprofil kann sich wiederum mit dem Schnee auf der Fahrbahn verzahnen.

Dafür benötigt das Profil ausreichend Raum.

Mit geringer werdender Profiltiefe verändern sich deshalb auch die Voraussetzungen für diese Schnee-auf-Schnee-Verzahnung.

Warum soll ein Winterreifen Schnee nicht einfach sofort herauswerfen?

Ein Winterprofil muss einen kontrollierten Kreislauf ermöglichen:

Schnee aufnehmen → verdichten → zur Verzahnung nutzen → Profil wieder freigeben.

Würde sich das Profil vollständig zusetzen, könnte kein neuer Schnee aufgenommen werden.

Würde jeder Schnee sofort vollständig entfernt, könnte ein Teil der Schnee-auf-Schnee-Wirkung verloren gehen.

Warum wird Selbstreinigung mit weniger Profil schwieriger?

Die Selbstreinigung hängt von Form, Tiefe und Öffnung der Profilräume ab.

Werden diese durch Verschleiß flacher, verändert sich auch ihre Fähigkeit, Schnee aufzunehmen und beim weiteren Abrollen wieder freizugeben.

Profiltiefe beeinflusst deshalb sowohl Schneeaufnahme als auch die nachfolgende Reinigung des Profils.

Lamellen, Profilkanten und Verschleiß

Was passiert mit den Lamellen, wenn ein Winterreifen verschleißt?

Lamellen sind feine Einschnitte innerhalb der Profilblöcke.

Wenn die Profilblöcke niedriger werden, verändert sich auch die wirksame Geometrie dieser Lamellen.

Je nach Reifenkonstruktion können sie:

  • kürzer beziehungsweise flacher werden
  • ihre räumliche Form verändern
  • teilweise auslaufen
  • in bestimmten Profilbereichen verschwinden
Ein abgefahrener Winterreifen besitzt deshalb nicht zwangsläufig dieselbe Lamellenstruktur wie im Neuzustand.

Warum sind Lamellen für Winterreifen so wichtig?

Lamellen erzeugen zahlreiche zusätzliche kleine Profilkanten.

Diese unterstützen unter anderem:

  • Schneetraktion
  • Bremsen auf winterlichem Untergrund
  • Seitenführung
  • Kontakt auf glatten Oberflächen

Ihre Wirkung hängt jedoch immer mit Profilblock, Mischung und Reifenkonstruktion zusammen.

Warum haben manche Reifen Lamellen bis tief in das Profil?

Hersteller können Lamellen so gestalten, dass ihre Struktur über einen größeren Teil der nutzbaren Profilhöhe erhalten bleibt.

Damit soll ein Teil der vorgesehenen Kantenwirkung auch bei fortschreitendem Verschleiß bestehen bleiben.

Wie sich ein Winterreifen über seine Nutzungsdauer verändert, hängt deshalb stark von der konkreten Lamellen- und Profilgestaltung ab.

Warum kann ein niedrigerer Profilblock gleichzeitig steifer werden?

Ein hoher Profilblock kann sich unter Belastung stärker bewegen als ein deutlich niedrigerer Profilblock gleicher Grundfläche.

Mit zunehmendem Abrieb kann sich deshalb die mechanische Blocksteifigkeit verändern.

Das zeigt einen wichtigen Zusammenhang:

Verschleiß verändert verschiedene Reifeneigenschaften unterschiedlich. Weniger Profil bedeutet nicht einfach pauschal „überall weniger Grip“.

Schneematsch und Matschverdrängung bei geringer werdendem Profil

Warum ist Schneematsch für Winterreifen besonders anspruchsvoll?

Schneematsch verbindet Eigenschaften von Schnee und Wasser.

Das Profil muss deshalb gleichzeitig:

  • feste Schneebestandteile aufnehmen
  • Flüssigkeit verdrängen
  • Profilräume freihalten
  • Fahrbahnkontakt erhalten

Das benötigt ausreichend offene und tiefe Profilkanäle.

Was verändert weniger Profiltiefe bei Schneematsch?

Mit sinkender Profiltiefe steht weniger Raum für die Mischung aus Wasser und Schnee zur Verfügung.

Dadurch wird die vorhandene Verdrängungsreserve kleiner.

Gerade tiefer Schneematsch stellt deshalb hohe Anforderungen an das verbleibende Profilvolumen.

Ist Schneematsch dasselbe wie Aquaplaning?

Nein.

Beim klassischen Aquaplaning spielt hauptsächlich Wasser zwischen Reifen und Fahrbahn eine Rolle.

Schneematsch besteht dagegen aus einer schwereren Mischung aus Flüssigkeit und festen beziehungsweise halbgeschmolzenen Schneebestandteilen.

Die grundlegende Herausforderung ist jedoch ähnlich:

Der Reifen muss möglichst viel Material aus seiner Aufstandsfläche verdrängen, um den Kontakt zur Fahrbahn zu erhalten.

Warum können Spurrillen im Winter besonders problematisch sein?

In Spurrillen können sich Wasser, Schneematsch und Schnee sammeln.

Der Reifen trifft dadurch plötzlich auf eine größere Menge winterlicher Masse als auf der übrigen Fahrbahn.

Je geringer das verfügbare Profilvolumen, desto weniger Reserve steht für solche Situationen zur Verfügung.

Profiltiefe und Nässe im Winter

Warum ist Wasserverdrängung auch bei Winterreifen wichtig?

Ein großer Teil der Winterfahrten findet nicht auf Schnee, sondern auf kalter nasser Fahrbahn statt.

Der Winterreifen muss deshalb auch Wasser aus seiner Aufstandsfläche ableiten können.

Mit abnehmender Profiltiefe sinkt das Volumen der Profilrillen.

Die Nässe- und Wasserverdrängungsreserve verändert sich deshalb ebenfalls mit dem Verschleiß.

Warum wird weniger Profil bei Starkregen stärker relevant?

Bei starkem Regen muss das Profil innerhalb kurzer Zeit große Wassermengen aufnehmen und weiterleiten.

Je flacher die Profilkanäle werden, desto weniger Volumen steht dafür zur Verfügung.

Besonders relevant wird das bei:

  • höheren Geschwindigkeiten
  • Starkregen
  • Spurrillen
  • Pfützen

Kann auch ein neuer Winterreifen aquaplanen?

Ja.

Auch ein Winterreifen mit voller Profiltiefe besitzt physikalische Grenzen.

Aquaplaning hängt zusätzlich von:

  • Geschwindigkeit
  • Wassertiefe
  • Reifenbreite
  • Profilgestaltung
  • Reifenfülldruck

ab.

Mehr Profiltiefe schafft zusätzliche Wasserverdrängungsreserve – sie macht Aquaplaning aber nicht unmöglich.

Profiltiefe richtig messen und Verschleiß beurteilen

Warum sollte die Profiltiefe an mehreren Stellen gemessen werden?

Ein Reifen muss nicht über die gesamte Lauffläche gleichmäßig verschleißen.

Unterschiede können entstehen zwischen:

  • Innenbereich
  • Profilmitte
  • Außenbereich
  • verschiedenen Positionen am Reifenumfang
Ein einzelner Messpunkt kann deshalb ein unvollständiges Bild vom tatsächlichen Reifenverschleiß liefern.

Warum kann die innere Reifenschulter stärker abgefahren sein?

Die Achsgeometrie kann dazu führen, dass bestimmte Bereiche der Lauffläche stärker belastet werden.

Einfluss haben insbesondere:

  • Sturz
  • Spur
  • Fahrwerkskonstruktion
  • Fahrzeugbelastung

Gerade die innere Schulter ist bei montiertem Fahrzeugrad teilweise schlechter sichtbar.

Viel Profil an der sichtbaren Außenseite bedeutet deshalb nicht automatisch, dass der gesamte Reifen gleichmäßig viel Profil besitzt.

Was sind TWI-Verschleißanzeiger?

Viele Reifen besitzen in den Hauptprofilrillen kleine erhöhte Stege als Verschleißanzeiger.

Diese werden häufig als TWI – Tread Wear Indicator – bezeichnet.

Markierungen an der Reifenflanke können je nach Hersteller auf ihre Position hinweisen.

Ersetzt ein TWI die Messung mit einem Profiltiefenmesser?

Der TWI ermöglicht eine schnelle optische Orientierung.

Ein geeigneter Profiltiefenmesser liefert jedoch einen konkreteren Messwert und ermöglicht Vergleiche an mehreren Stellen.

Für eine genaue Zustandsbeurteilung ist die tatsächliche Messung sinnvoller als der reine optische Eindruck.

Ungleichmäßiger Verschleiß und technische Ursachen

Warum verschleißen Vorder- und Hinterachse unterschiedlich?

Vorder- und Hinterreifen übernehmen je nach Fahrzeug unterschiedliche Aufgaben.

Einfluss haben:

  • Antriebsart
  • Lenkung
  • Achslastverteilung
  • Motorleistung
  • Fahrweise

Dadurch können Reifen an einer Achse deutlich schneller Profil verlieren.

Welche Rolle spielt der Reifenfülldruck beim Verschleiß?

Der Betriebsdruck beeinflusst Form und Belastung der Aufstandsfläche.

Ein dauerhaft ungeeigneter Reifenfülldruck kann deshalb das Verschleißbild verändern.

Zu hoher und zu niedriger Druck können unterschiedliche Auswirkungen haben.

Die Profiltiefe sollte deshalb nie völlig losgelöst vom Reifenfülldruck betrachtet werden.

Warum kann eine falsche Achsgeometrie Winterreifen schnell verschleißen?

Schon kleine Abweichungen bei Spur oder anderen Fahrwerkswerten können zu dauerhaftem Abrieb führen.

Besonders auffällig können sein:

  • einseitiger Verschleiß
  • Sägezahnbildung
  • auffällig unterschiedliche Profilhöhen

Ein solcher Verschleiß sollte nicht einfach dem Reifenmodell zugeschrieben werden.

Warum ist ein gleichmäßig abgefahrener Reifen trotzdem nicht automatisch technisch einwandfrei?

Profiltiefe ist nur ein Teil der Zustandsbeurteilung.

Zusätzlich müssen unter anderem betrachtet werden:

  • Risse
  • Beschädigungen
  • Fremdkörper
  • Verformungen
  • Alterungszustand
Viel oder gleichmäßiges Profil bedeutet deshalb nicht automatisch, dass ein Reifen insgesamt technisch einwandfrei ist.

Alter, Profiltiefe und Wintereigenschaften richtig auseinanderhalten

Ist ein Reifen mit viel Profil automatisch jung?

Nein.

Ein wenig gefahrenes Fahrzeug kann auch nach mehreren Jahren noch Reifen mit relativ großer Profiltiefe besitzen.

Alter und Profilverschleiß sind zwei unterschiedliche Zustandsmerkmale.

Ist ein junger Winterreifen automatisch wenig verschlissen?

Ebenfalls nein.

Ein junger Reifen kann durch hohe Laufleistung oder ungünstige Betriebsbedingungen bereits stark abgefahren sein.

DOT beziehungsweise Reifenalter und Profiltiefe müssen deshalb getrennt betrachtet werden.

Kann viel Profil andere Alterungserscheinungen ausgleichen?

Nein.

Ein Reifen kann noch viel Profil besitzen und trotzdem beispielsweise:

  • Risse
  • Materialveränderungen
  • Beschädigungen
  • andere Alterungserscheinungen

zeigen.

Profiltiefe beschreibt den Abrieb – nicht den vollständigen technischen Zustand des Reifens.

Warum verschiedene Winterreifen mit gleicher Profiltiefe unterschiedlich reagieren

Sind zwei Winterreifen mit 4 mm automatisch gleich wintertauglich?

Nein.

Die Profiltiefe ist nur ein einzelner technischer Wert.

Zwei Reifen mit derselben gemessenen Restprofiltiefe können sich unterscheiden bei:

  • Profilgeometrie
  • Lamellenanzahl
  • Lamellentiefe
  • Gummimischung
  • ursprünglicher Neuprofiltiefe
  • Karkassenkonstruktion
„Beide haben gleich viel Profil“ bedeutet deshalb nicht, dass beide auf Schnee oder Schneematsch dieselbe Leistung besitzen.

Hat jeder neue Winterreifen dieselbe Profiltiefe?

Nein.

Die Neuprofiltiefe kann sich je nach:

  • Hersteller
  • Reifenmodell
  • Reifengröße
  • Entwicklungskonzept

unterscheiden.

Es gibt deshalb keinen einzigen Neuprofilwert, der für alle PKW-Winterreifen gilt.

Warum kann die Profilgestaltung wichtiger sein als ein einzelner Millimeterwert?

Die reine Tiefe sagt nichts darüber aus, wie Profilkanäle angeordnet sind oder welche Lamellenstrukturen vorhanden sind.

Für die tatsächliche Winterfunktion sind deshalb gleichzeitig wichtig:

Profiltiefe + Profilform + Lamellen + Mischung + Reifenkonstruktion.

Profiltiefe bei Winterreifen technisch im Überblick

Merkmal Mit zunehmendem Verschleiß Technische Bedeutung
Profilrillentiefe nimmt ab Weniger Volumen für Schnee, Matsch und Wasser
Schneeaufnahme verändert sich Weniger Raum für Schnee-auf-Schnee-Verzahnung
Selbstreinigung kann sich verändern Flachere Profilräume arbeiten anders
Lamellen Geometrie kann sich verändern Winter-Griffkanten können anders arbeiten
Profilblockhöhe nimmt ab Blockbewegung und Steifigkeit verändern sich
Schneematschreserve nimmt tendenziell ab Weniger Raum für Wasser und Schnee
Wasserverdrängung verfügbare Reserve sinkt Besonders bei Starkregen und Spurrillen relevant
Gesetzliche Zulässigkeit endet beim Unterschreiten der Mindestprofiltiefe Im Hauptprofil mindestens 1,6 mm erforderlich

Typische Irrtümer zur Profiltiefe bei Winterreifen

Behauptung Richtige Einordnung
„1,6 mm bedeutet, dass der Winterreifen bis dahin wie neu funktioniert.“ Nein. 1,6 mm ist die gesetzliche Mindestprofiltiefe. Die Profil- und Wintereigenschaften verändern sich bereits vorher kontinuierlich.
„Wenig Profil ist nur auf Schnee ein Problem.“ Nein. Auch Schneematsch- und Wasserverdrängungsreserven verändern sich.
„Bei 4 mm ist jeder Winterreifen gleich gut.“ Nein. Profilgeometrie, Lamellen, Mischung und Reifenmodell unterscheiden sich.
„Je mehr Profil, desto besser ist der Reifen in jeder Eigenschaft.“ Zu pauschal. Verschleiß verändert unterschiedliche Reifeneigenschaften unterschiedlich.
„Der TWI zeigt den vollständigen Reifenzustand.“ Nein. Er dient als Verschleißanzeige. Schäden, Alter und ungleichmäßiger Abrieb müssen zusätzlich betrachtet werden.
„Ein Messpunkt reicht aus.“ Nein. Winterreifen können über Breite und Umfang unterschiedlich verschleißen.
„Viel Profil bedeutet automatisch einen jungen Reifen.“ Nein. Reifenalter und Profilverschleiß sind zwei unterschiedliche Merkmale.
„Ein junger Reifen hat automatisch viel Profil.“ Nein. Hohe Laufleistung kann einen relativ jungen Reifen bereits stark verschleißen.
„Ein Winterreifen kann mit tiefem Profil nicht aquaplanen.“ Falsch. Profiltiefe schafft Reserve, kann die physikalischen Grenzen bei Wasser und Geschwindigkeit aber nicht aufheben.
„Profiltiefe allein sagt, ob ein Reifen noch gut ist.“ Nein. Der gesamte Reifenzustand muss beurteilt werden.

Bei Winterreifen hat Profil mehrere Aufgaben gleichzeitig

Ein Winterprofil dient nicht nur der Wasserverdrängung.

Es muss gleichzeitig:

  • Schnee aufnehmen
  • Schnee-auf-Schnee-Verzahnung ermöglichen
  • Schneematsch verarbeiten
  • Wasser verdrängen
  • Lamellen und Profilkanten bereitstellen

Mit zunehmendem Verschleiß verändern sich deshalb mehrere zentrale Winterfunktionen gleichzeitig.

Die gesetzliche Mindestprofiltiefe von 1,6 mm ist eine klare rechtliche Grenze – die technische Entwicklung des Winterreifens findet jedoch über seine gesamte Nutzungsdauer statt.

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Häufige Fragen zur Profiltiefe bei Winterreifen

Wie viel Mindestprofiltiefe müssen Winterreifen in Deutschland haben?

Das Hauptprofil muss bei PKW-Reifen mindestens 1,6 mm Profiltiefe aufweisen.

Bedeutet 1,6 mm, dass ein Winterreifen bis dahin wie neu funktioniert?

Nein. 1,6 mm ist die gesetzliche Verschleißgrenze. Profilräume, Lamellen und weitere Wintereigenschaften verändern sich bereits vorher kontinuierlich.

Warum ist Profiltiefe auf Schnee wichtig?

Die Profilräume benötigen Volumen, um Schnee aufzunehmen, zu verdichten und zur mechanischen Verzahnung zu nutzen.

Was hat Profiltiefe mit Schnee-auf-Schnee-Haftung zu tun?

Im Profil aufgenommener Schnee kann sich mit dem Schnee auf der Fahrbahn verzahnen. Dafür benötigt das Profil ausreichend Raum.

Warum ist Profiltiefe bei Schneematsch wichtig?

Schneematsch besteht aus Wasser und Schnee. Das Profil benötigt ausreichend Volumen, um diese Masse aus der Aufstandsfläche zu verarbeiten.

Was passiert mit Lamellen beim Verschleiß?

Ihre Geometrie verändert sich mit sinkender Profilhöhe. Je nach Reifenkonstruktion können sie flacher werden oder teilweise auslaufen.

Sind zwei Winterreifen mit derselben Profiltiefe gleich gut?

Nein. Profilgestaltung, Lamellen, Gummimischung, ursprüngliche Profiltiefe und Reifenkonstruktion können sich deutlich unterscheiden.

Hat jeder neue Winterreifen dieselbe Profiltiefe?

Nein. Die Neuprofiltiefe kann je nach Reifenmodell, Dimension und Hersteller unterschiedlich sein.

Warum sollte an mehreren Stellen gemessen werden?

Weil ein Reifen über die Laufflächenbreite und den Umfang ungleichmäßig verschleißen kann.

Was ist ein TWI?

Ein Tread Wear Indicator ist ein Verschleißanzeiger innerhalb der Profilrillen, der eine schnelle optische Orientierung ermöglicht.

Reicht viel Profil für einen guten Reifenzustand aus?

Nein. Beschädigungen, Risse, Alterungszustand, Verformungen und das gesamte Verschleißbild müssen ebenfalls berücksichtigt werden.

Kann ein Winterreifen mit viel Profil aquaplanen?

Ja. Geschwindigkeit, Wassermenge, Profilgestaltung und weitere Faktoren bestimmen ebenfalls das Aquaplaning-Risiko.

Ist Reifenalter dasselbe wie Profilverschleiß?

Nein. Ein älterer Reifen kann noch viel Profil besitzen, während ein junger Reifen durch hohe Laufleistung bereits stark verschlissen sein kann.

Warum kann die Innenseite stärker verschleißen als die Außenseite?

Fahrwerksgeometrie, Spur, Sturz und Fahrzeugkonstruktion können zu unterschiedlichen Belastungen über die Laufflächenbreite führen.

Profiltiefe ist beim Winterreifen Teil seiner Funktion

Bei Winterreifen beschreibt die Profiltiefe nicht nur den sichtbaren Verschleiß.

Sie stellt auch den Raum bereit, den das Profil für:

Schneeaufnahme → Schnee-auf-Schnee-Verzahnung → Schneematsch → Wasserverdrängung → Lamellenfunktion

benötigt.

Mit zunehmendem Verschleiß verändern sich diese Funktionen schrittweise.

Gleichzeitig werden Profilblöcke niedriger und können mechanisch anders arbeiten als im Neuzustand.

Deshalb wäre die Aussage:

„Weniger Profil bedeutet einfach nur weniger Grip“

zu ungenau.

Richtiger ist:

Mit weniger Profiltiefe verändert sich die gesamte Arbeitsweise des Winterprofils – besonders bei Schnee, Schneematsch und größeren Wassermengen.

Die gesetzliche Mindestprofiltiefe von 1,6 mm bildet dabei die rechtliche Untergrenze. Sie ist nicht mit unveränderter Winterperformance bis zu diesem Wert gleichzusetzen.

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