LLKW-Reifen an Zwillingsbereifung richtig kontrollieren
FT Praxiswelt – LLKW-Reifen
LLKW-Reifen an Zwillingsbereifung richtig kontrollieren
Bei LLKW mit Zwillingsbereifung teilen sich zwei Reifen auf einer Fahrzeugseite die Radlast. Dieses System funktioniert zuverlässig, wenn beide Reifen hinsichtlich Größe, Luftdruck, Tragfähigkeit, tatsächlicher Reifenhöhe und Verschleißzustand technisch zusammenpassen.
Ein Problem entsteht schnell, wenn nur der gut sichtbare Außenreifen kontrolliert wird. Der innere Reifen kann bereits deutlich Luft verloren, einen Fremdkörperschaden entwickelt oder stärker verschlissen sein, während das Fahrzeug von außen zunächst noch unauffällig wirkt.
Zwillingsbereifung funktioniert nur als Paar
Innen- und Außenreifen einer Radposition dürfen nicht wie zwei voneinander unabhängige Reifen behandelt werden.
Weicht ein Reifen deutlich ab, kann sich auch die Lastverteilung innerhalb des Zwillingspaares verändern.
Warum der innere Reifen besonders häufig übersehen wird
Schlechte Sicht
Die innere Seitenwand ist von außen nur eingeschränkt sichtbar.
Ventil schwer erreichbar
Ist der Ventilzugang ungünstig, wird der innere Reifen in der Praxis häufig seltener geprüft.
Außenreifen trägt weiter
Ein Druckverlust am Innenreifen kann optisch teilweise durch den Außenreifen verdeckt werden.
Zwischenraum schlecht einsehbar
Steine und andere Fremdkörper können lange zwischen beiden Reifen stecken.
Bei Zwillingsbereifung niemals nur den Außenreifen kontrollieren. Luftdruck, Seitenwand, Profil und Fremdkörperkontrolle gehören immer auch zum inneren Reifen.
Unterschiedlicher Luftdruck verändert die Lastaufnahme
Wenn einer der beiden Reifen deutlich weniger Luftdruck besitzt, verändert sich seine Reifenform. Dadurch kann der technisch besser aufgepumpte Partner einen größeren Anteil der Last übernehmen.
Reifen mit zu niedrigem Druck
- stärkere Verformung
- mehr Walkarbeit
- höhere Erwärmung möglich
- größere Gefahr von Flankenbelastung
Partnerreifen
- kann mehr Last übernehmen
- kann sich stärker erwärmen
- kann schneller verschleißen
- kann bei langer Fahrt übermäßig belastet werden
Ein fast druckloser Innenreifen kann von außen lange unauffällig bleiben
Der Außenreifen kann einen großen Teil der Radlast weitertragen. Dadurch bemerkt der Fahrer den Druckverlust möglicherweise später als bei einer Einzelbereifung.
Beide Reifen kalt und einzeln messen
Außenreifen messen
Luftdruck mit geeignetem Prüfgerät kontrollieren.
Innenreifen messen
Nicht vom Druck des Außenreifens auf den Innenreifen schließen.
Druckwerte vergleichen
Abweichungen müssen zur vorgesehenen technischen Konfiguration passen.
Bei deutlichem Verlust Ursache suchen
Nicht nur nachfüllen und weiterfahren.
Beide Reifen müssen praktisch kontrollierbar sein. Ein technisch vorhandenes Ventil hilft wenig, wenn es im Alltag kaum erreichbar ist und der Reifen deshalb selten geprüft wird.
Reifenhöhe und Profiltiefe müssen zueinander passen
Ein neuer Reifen besitzt einen größeren tatsächlichen Außendurchmesser als derselbe Reifen nach starkem Profilverschleiß. Bei Zwillingsbereifung kann dieser Unterschied die Lastaufnahme verändern.
Neuer Reifen
Besitzt volle Profilhöhe und steht entsprechend höher.
Stark verschlissener Reifen
Hat einen geringeren tatsächlichen Radius.
Unterschiedliches Fabrikat
Kann trotz gleicher Größenbezeichnung einen anderen realen Außendurchmesser besitzen.
Unterschiedlicher Druck
Verändert zusätzlich die Reifenform unter Last.
Der größere Reifen eines Zwillingspaares kann mehr Last übernehmen
Deshalb ist ein fabrikneuer Reifen neben einem stark abgefahrenen Partner nicht automatisch eine ideale Kombination.
Bei einem einzelnen Reifenschaden den Partnerreifen zuerst ansehen
Bevor nur ein Reifen eines Zwillingspaares ersetzt wird, sollte der Zustand des verbleibenden Reifens geprüft werden.
Reifengröße vergleichen
Die korrekte Dimension muss übereinstimmen beziehungsweise zur Freigabe passen.
Hersteller und Reifentyp prüfen
Technische Daten des vorhandenen und neuen Reifens vergleichen.
Profiltiefe messen
Große Verschleißunterschiede erkennen.
Außendurchmesser berücksichtigen
Bei Bedarf Herstellerdaten vergleichen.
Tragfähigkeit prüfen
Load Index und Nutzfahrzeugfreigabe müssen zur Achslast passen.
„Gleiche Größe“ reicht bei einem Zwillingspaar nicht immer als Entscheidung. Besonders bei stark unterschiedlicher Profiltiefe auch die tatsächliche Reifenhöhe und die technischen Daten beider Reifen berücksichtigen.
Fremdkörper zwischen Zwillingsreifen sind ein ernstes Praxisproblem
Der Raum zwischen Innen- und Außenreifen kann Steine, Holzstücke, Metallteile oder andere Fremdkörper aufnehmen. Während der Fahrt werden diese zwischen zwei arbeitenden Seitenwänden eingeklemmt.
Steine
Können dauerhaft gegen beide Seitenwände drücken und scheuern.
Metallteile
Können Schnitte oder punktuelle Verletzungen verursachen.
Holzstücke
Können sich unter Last tiefer zwischen den Reifen verklemmen.
Straßenschmutz
Kann kleinere Schäden verdecken oder mit weiteren Fremdkörpern zusammenwirken.
Fremdkörper nicht mit hoher Geschwindigkeit „herausfahren“ wollen
Ein eingeklemmter Gegenstand kann bereits beide Reifenflanken beschädigen. Reifen und Zwischenraum sollten kontrolliert werden, bevor der Schaden durch weitere Fahrt größer wird.
Innenflanken besonders aufmerksam kontrollieren
Die einander zugewandten Seitenwände sind die am schlechtesten sichtbaren Bereiche der Zwillingsbereifung.
- Scheuerstellen suchen
- Schnitte kontrollieren
- Risse beurteilen
- Beulen ausschließen
- blank geriebene Stellen beachten
- Fremdkörperspuren suchen
- auf sichtbare tragende Reifenbestandteile achten
Die gut sichtbare Außenseite sagt nichts über den Zustand der zum Partnerreifen gerichteten Seitenwand aus.
Der Abstand zwischen beiden Reifen muss ausreichend bleiben
Zwillingsreifen dürfen sich auch unter der vorgesehenen Last und Reifenverformung nicht gegenseitig scheuern.
Reifengröße
Die verwendete Dimension muss zur Rad- und Fahrzeugkonfiguration passen.
Felgenkombination
Felgenbreite und Einpresstiefe beeinflussen den tatsächlichen Reifenabstand.
Luftdruck
Zu geringer Druck kann die Seitenwandausbeulung vergrößern.
Radlast
Hohe Belastung erhöht die Reifenverformung.
Berühren sich die Zwillingsreifen unter Last, besteht Handlungsbedarf
Dauerhafter Seitenwandkontakt erzeugt Reibung und Wärme und kann beide Reifen beschädigen. Die Ursache muss technisch geklärt werden.
Warum Reifenberührung entstehen kann
Falsche Dimension
Zu breite oder ungeeignete Reifen können den vorgesehenen Zwischenraum reduzieren.
Falsche Felge
Eine nicht passende Felgengeometrie kann den Abstand verändern.
Zu niedriger Druck
Stärkere Seitenwandausbeulung kann beide Reifen näher zusammenbringen.
Überlastung
Eine zu hohe Radlast kann die Reifen stärker verformen.
Erwärmung nach längerer Fahrt vergleichen
Nach Stadt-, Landstraßen- oder Autobahneinsatz können sich Innen- und Außenreifen unterschiedlich erwärmen. Deutliche Unterschiede sollten nicht ignoriert werden.
Beide ähnlich warm
Bei vergleichbarer Last und Druck zunächst plausibel.
Innenreifen deutlich wärmer
Druck, Fremdkörper, Flankenkontakt und Lastaufnahme prüfen.
Außenreifen deutlich wärmer
Kann einen größeren Lastanteil übernehmen.
Radnabe heiß
Bremse oder Lager ebenfalls als Wärmequelle berücksichtigen.
Wärme allein beweist keinen Reifenschaden. Ein deutlicher Unterschied innerhalb desselben Zwillingspaares ist jedoch ein guter Grund für eine genauere Kontrolle.
Schleichender Druckverlust ist bei Zwillingsreifen besonders tückisch
Weil der Partnerreifen einen Teil der Last weiterträgt, kann ein langsam entstehender Druckverlust längere Zeit unbemerkt bleiben.
Kleine Undichtigkeit
Ventil oder Einstich lässt langsam Luft entweichen.
Partner übernimmt Last
Fahrzeug bleibt optisch zunächst relativ unauffällig.
Folgeschaden
Beide Reifen können durch falsche Lastverteilung zusätzlich beansprucht werden.
Ein drucklos gefahrener Reifen kann nach dem Aufpumpen äußerlich wieder normal aussehen
Wenn ein Zwillingsreifen längere Zeit mit sehr niedrigem Druck beziehungsweise drucklos unter Last gelaufen ist, sollte sein innerer Zustand fachgerecht beurteilt werden. Einfaches Nachfüllen beseitigt mögliche Folgeschäden nicht.
Beladungszustand bei der Kontrolle berücksichtigen
Der Abstand und die Reifenverformung verändern sich mit steigender Radlast.
Fahrzeug leer
Zwischenraum und Seitenwandausbeulung können völlig unauffällig wirken.
Fahrzeug beladen
Beide Reifen federn stärker ein und der Zwischenraum kann kleiner werden.
Wenn bei einem schwer beladenen LLKW der Abstand zwischen den Zwillingsreifen auffällig klein wird, nicht nur den Reifenabstand ansehen. Auch Luftdruck, tatsächliche Achslast, Reifengröße und Felgenkombination prüfen.
Typische Beobachtungen bei LLKW-Zwillingsbereifung
| Beobachtung | Mögliche Einordnung | Was prüfen? |
|---|---|---|
| Innenreifen stärker eingefedert | niedrigerer Luftdruck möglich | beide Drücke kalt messen |
| Außenreifen stärker eingefedert | Druck- oder Höhenunterschied möglich | Reifenhöhe, Druck und Radlast prüfen |
| Außenreifen deutlich wärmer | kann mehr Last übernehmen | Innenreifen auf Druckverlust prüfen |
| Innenreifen deutlich wärmer | Walkarbeit, Fremdkörper oder Kontakt möglich | Innenflanke und Zwischenraum kontrollieren |
| Stein zwischen den Reifen | Scheuer- oder Druckschaden möglich | beide Innenflanken kontrollieren |
| Reifen berühren sich | Abstand oder Betriebszustand ungeeignet | Größe, Felge, Druck und Radlast prüfen |
| neuer Reifen neben stark verschlissenem | Höhenunterschied möglich | Profiltiefe und Außendurchmesser vergleichen |
| Innenreifen fast leer | Außenreifen möglicherweise stark überlastet | beide Reifen vollständig prüfen |
| Innenflanke blank gescheuert | Kontakt oder Fremdkörper möglich | Schadentiefe und Abstand prüfen |
| beide Reifen unterschiedlich verschlissen | Druck-, Höhen- oder Lastverteilungsproblem möglich | Zwillingspaar als Einheit beurteilen |
Ventile und Ventilverlängerungen kontrollieren
Bei Zwillingsbereifung werden je nach Fahrzeug und Felgenausführung Ventilverlängerungen oder andere Lösungen eingesetzt, damit insbesondere der Innenreifen erreichbar bleibt.
- beide Ventile gut erreichbar
- Ventilschaft unbeschädigt
- Verlängerung sicher befestigt
- keine Scheuerstelle an Felge oder Rad
- keine Undichtigkeit an Verbindung
- Ventilkappe vorhanden
Eine undichte Ventilverlängerung kann einen ansonsten intakten Reifen langsam entleeren
Bei wiederkehrendem Druckverlust deshalb nicht nur Reifen und Ventileinsatz, sondern auch Verlängerungen und deren Verbindungen kontrollieren.
Praxisablauf zur Kontrolle einer Zwillingsbereifung
Fahrzeug sicher abstellen
Auf möglichst ebener Fläche kontrollieren.
Außenreifen ansehen
Profil, Flanke und sichtbare Schäden prüfen.
Innenreifen kontrollieren
Nicht nur den gut sichtbaren Reifen beurteilen.
Beide Luftdrücke messen
Jeden Reifen einzeln kontrollieren.
Profiltiefen vergleichen
Große Höhenunterschiede erkennen.
Zwischenraum prüfen
Steine, Metall und andere Fremdkörper entfernen beziehungsweise beurteilen.
Innenflanken ansehen
Scheuern, Schnitte und Beulen kontrollieren.
Reifenabstand beurteilen
Kein gegenseitiger Kontakt im vorgesehenen Belastungszustand.
Ventile kontrollieren
Auch Verlängerungen und Verbindungen berücksichtigen.
Nach längerer Fahrt Temperatur vergleichen
Innen- und Außenreifen als Paar betrachten.
Kontrollliste für LLKW-Zwillingsbereifung
- Innen- und Außenreifen kontrolliert
- beide Luftdrücke kalt gemessen
- Reifengröße verglichen
- Fabrikat und Reifentyp berücksichtigt
- Load Index geprüft
- Geschwindigkeitskennung geprüft
- Profiltiefen verglichen
- tatsächliche Reifenhöhe berücksichtigt
- Zwischenraum kontrolliert
- keine Fremdkörper zwischen den Reifen
- Innenflanken geprüft
- keine Scheuerstellen sichtbar
- Reifen berühren sich unter Last nicht
- Ventile erreichbar
- Ventilverlängerungen dicht und unbeschädigt
- bei Einzelersatz Partnerreifen mit beurteilt
- nach längerer Fahrt Temperaturen verglichen
- bei starkem Druckverlust beide Reifen vollständig geprüft
Wann ein Zwillingspaar genauer geprüft werden sollte
- ein Reifen verliert regelmäßig Luft
- Innenreifen war nahezu drucklos
- ein Reifen ist deutlich stärker verschlissen
- neuer Reifen soll neben stark verschlissenem Reifen montiert werden
- Innen- und Außenreifen besitzen unterschiedliche Größen oder technische Daten
- Reifen berühren sich unter Last
- Fremdkörper war zwischen den Reifen eingeklemmt
- Innenflanke zeigt Scheuerstellen
- ein Reifen wird deutlich wärmer
- Ventilverlängerung ist undicht oder beschädigt
- Reifenabstand erscheint ungewöhnlich gering
- Zwillingspaar zeigt stark unterschiedliche Reifenverformung
FT Wissenswelt
Weiterführendes Wissen rund um Nutzfahrzeugreifen, LKW-Reifen, runderneuerte LKW-Reifen und den technischen Aufbau moderner Reifen.
LLKW-Reifen und verwandte Nutzfahrzeugbereiche bei FT-Reifen
Bei Zwillingsbereifung sollten nicht nur Größe und Tragfähigkeit passen. Auch Profiltiefe, tatsächliche Reifenhöhe, Luftdruck, Felgenkombination und die vorgesehene Achslast gehören zur Auswahl.
Häufige Fragen zu LLKW-Reifen an Zwillingsbereifung
Muss bei Zwillingsbereifung wirklich jeder Reifen einzeln auf Luftdruck geprüft werden?
Ja. Der Druck des Außenreifens sagt nichts über den Druck des Innenreifens aus. Gerade ein schleichender Druckverlust am schwer zugänglichen Innenreifen kann sonst lange unbemerkt bleiben.
Warum sind große Profiltiefenunterschiede innerhalb eines Zwillingspaares ungünstig?
Ein Reifen mit mehr Profil besitzt in der Regel einen größeren tatsächlichen Außendurchmesser und kann dadurch einen größeren Anteil der Last übernehmen.
Was passiert, wenn sich die beiden Zwillingsreifen berühren?
Gegenseitiger Seitenwandkontakt kann Reibung und zusätzliche Wärme erzeugen. Reifengröße, Felgenkombination, Betriebsdruck und tatsächliche Radlast müssen dann überprüft werden.
Warum sind Steine zwischen Zwillingsreifen gefährlich?
Ein eingeklemmter Fremdkörper kann bei jeder Radumdrehung gegen die beiden inneren Seitenwände drücken oder scheuern und dadurch beide Reifen beschädigen.
Kann bei einem Reifenschaden einfach nur einer der beiden Zwillingsreifen ersetzt werden?
Das hängt vom Zustand des Partnerreifens ab. Profiltiefe, tatsächliche Reifenhöhe, Fabrikat, Reifentyp, Tragfähigkeit und Herstellerangaben sollten vor einem Einzelersatz verglichen werden.
Technischer Hinweis
Zwillingsbereifungen müssen als gemeinsames Radsystem betrachtet werden. Reifenabmessungen, Luftdruck, Tragfähigkeit, Profiltiefe, Felgengeometrie und Achslast müssen zur Fahrzeugfreigabe passen. Bei starkem Druckverlust, gegenseitigem Seitenwandkontakt, Fremdkörperschäden oder deutlichen Höhenunterschieden sollte die Ursache vor weiterer hoher Belastung oder längerer Straßenfahrt fachgerecht geklärt werden.
Zwillingsreifen tragen gemeinsam – deshalb müssen sie auch gemeinsam kontrolliert werden
FT-Reifen verbindet über 35 Jahre praktische Erfahrung mit verständlichem Wissen zu LLKW-Reifen, Zwillingsbereifung, Luftdruck, Reifenhöhe, Fremdkörpern, Ventilen und typischen Problemen leichter Nutzfahrzeuge.
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