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LKW-Reifen nach Bordstein-, Rampen- und Baustellenkontakt richtig prüfen

FT Praxiswelt – LKW-Reifen

LKW-Reifen nach Bordstein-, Rampen- und Baustellenkontakt richtig prüfen

Ein harter Kontakt mit Bordstein, Rampenkante, Schlagloch oder Baustellenhindernis kann einen LKW-Reifen deutlich stärker beanspruchen, als es die sichtbare Schadstelle zunächst vermuten lässt. Neben der Reifenflanke können Reifenwulst, Felge, innere Seitenwand, Zwillingspartner und bei der Lenkachse auch Radstellung und Fahrwerk betroffen sein.

Deshalb sollte nach einem deutlich spürbaren Schlag nicht nur geprüft werden, ob der Reifen noch Luft hält. Entscheidend ist, wie tief eine sichtbare Beschädigung reicht und ob sich Radlauf, Reifenform oder Fahrverhalten verändert haben.

Lenkachse, Antriebsachse und Trailerachse unterschiedlich beurteilen

Lenkachse

Nach einem harten Bordsteinkontakt können neben Reifen und Felge auch Radstellung, Achsgeometrie und Fahrwerk betroffen sein.

Antriebsachse

Im Baustellen- und Schüttguteinsatz kommen zusätzlich Fremdkörper, Schotter, Betonbruch und Belastungen innerhalb einer Zwillingsbereifung hinzu.

Trailer- & Aufliegerachse

Beim Rangieren an Rampen und Bordsteinen wirken hohe Radlast, seitliches Schieben und direkter Flankenkontakt häufig gleichzeitig.

FT Praxistipp

Nach einem harten Kontakt nicht nur die sichtbare Außenseite kontrollieren. Auch schwer einsehbare Flanken, Reifenwulst, Felge und angrenzende Radtechnik gehören in die Prüfung.

1. Lenkachse nach Bordsteinkontakt besonders gründlich prüfen

An der Lenkachse treffen hohe Radlast und Lenkwinkel häufig direkt auf den Bordstein. Dadurch kann nicht nur die Reifenflanke, sondern die komplette Radführung belastet werden.

Am Reifen prüfen

  • Seitenwand auf Schnitte
  • Quetschstellen
  • Beulen oder Auswölbungen
  • Reifenwulst
  • innere und äußere Reifenflanke

Am Fahrzeug prüfen

  • Felgenhorn
  • Radlauf
  • sichtbare Radstellung
  • Lenkverhalten
  • Fahrwerk und Achsgeometrie bei Auffälligkeiten
Ein harter Bordsteinkontakt ist nicht nur ein Reifenthema

Wenn das Fahrzeug nach dem Ereignis zieht, das Lenkrad anders steht oder ein Rad sichtbar schief läuft, sollten Achsgeometrie und Fahrwerk fachlich geprüft werden.

2. Flankenschaden ist nicht gleich Flankenschaden

Nicht jede oberflächliche Scheuerspur bedeutet automatisch einen strukturellen Reifenschaden. Entscheidend ist, wie tief die Beschädigung reicht und welche Reifenbereiche betroffen sind.

Scheuerspur

Die Oberfläche ist glattgerieben oder leicht abgetragen, ohne dass der Schaden tief in den Reifen hineinreicht.

Schnitt oder Ausbruch

Gummi ist eingeschnitten beziehungsweise Material fehlt. Die Tiefe und mögliche Freilegung tragender Bestandteile müssen beurteilt werden.

Beule oder Blase

Eine neue Auswölbung nach einem harten Kontakt kann auf eine strukturelle Schädigung hinweisen und muss ernst genommen werden.

FT Praxisgrundsatz

Nicht allein die Größe der sichtbaren Stelle entscheidet. Eine kleine oberflächliche Scheuerspur kann unkritischer sein als eine unscheinbare, aber tiefe strukturelle Beschädigung.

3. Neue Beule an der Seitenwand nicht einfach beobachten

Entsteht nach einem Bordstein-, Rampen- oder Schlaglochkontakt eine neue sichtbare Auswölbung an der Seitenwand, kann die Reifenstruktur beschädigt worden sein.

  • Beule neu nach dem Ereignis entstanden?
  • Position des Kontakts nachvollziehbar?
  • zusätzliche Schnitt- oder Quetschstelle vorhanden?
  • Reifen verliert Luft?
  • Rad oder Felge ebenfalls beschädigt?
FT Praxiswarnung

Eine neue Beule oder deutliche strukturelle Auswölbung an der Reifenflanke sollte vor dem weiteren Einsatz fachlich beurteilt werden.

4. Felgenhorn und Reifenwulst gemeinsam kontrollieren

Trifft das Rad hart auf eine Kante, kann sich das Felgenhorn verformen oder beschädigt werden. Gleichzeitig kann der Reifenwulst stark beansprucht worden sein.

An der Felge prüfen

  • Verformung
  • Kerben
  • scharfe Kanten
  • Risse
  • sichtbarer Schlag

Am Reifen prüfen

  • Wulstbereich gequetscht?
  • sichtbare Gummibeschädigung?
  • Reifen sitzt noch gleichmäßig?
  • neuer Luftverlust vorhanden?
FT Praxistipp

Ist das Felgenhorn nach einem harten Kontakt sichtbar verformt, nicht nur die Felge betrachten. Der angrenzende Reifenwulst kann durch dasselbe Ereignis belastet worden sein.

5. Schlauchlose LKW-Reifen: Luftverlust kann auch am Felgen- und Wulstbereich entstehen

Bei schlauchlosen LKW-Reifen bedeutet ein neuer Luftverlust nach einem Kantenkontakt nicht automatisch, dass ein Fremdkörper die Lauffläche durchstochen hat.

Wulstsitz

Eine starke Belastung kann den Dichtbereich zwischen Reifen und Felge beeinflussen.

Felgenrand

Eine Verformung oder Beschädigung kann die Dichtwirkung beeinträchtigen.

Ventil

Auch Ventil oder Ventilbereich sollten als mögliche Ursache eines Luftverlusts berücksichtigt werden.

Nicht nur nach einem Loch suchen

Nach einem harten Felgen- oder Bordsteinkontakt den kompletten Dichtbereich aus Reifenwulst, Felge und Ventil in die Fehlersuche einbeziehen.

6. Antriebsachse im Baustelleneinsatz besonders kontrollieren

Auf Baustellen und groben Hofflächen treffen LKW-Reifen häufig auf scharfkantige oder harte Gegenstände. Neben der Seitenwand sollte deshalb auch die Lauffläche genau kontrolliert werden.

Typische Einflüsse

  • Betonbruch
  • scharfer Schotter
  • Metallreste
  • Schrauben und Nägel
  • Draht
  • tiefe Fahrbahnkanten

Am Reifen prüfen

  • Schnitte
  • Profilverletzungen
  • eingedrungene Fremdkörper
  • Flankenschäden
  • ungewöhnliche Ausbrüche
FT Praxistipp

Bei einem unbekannten Fremdkörper in der Lauffläche nicht unüberlegt herausziehen. Ist er eingedrungen, kann das Entfernen einen vorhandenen Luftverlust erst deutlich sichtbar machen. Der Schaden sollte kontrolliert beurteilt werden.

7. Zwillingsbereifung nach Baustellen- oder Fremdkörperkontakt vollständig prüfen

Bei einer Zwillingsbereifung können Fremdkörper nicht nur in der Lauffläche, sondern auch zwischen den beiden Reifen Schäden verursachen.

Zwischenraum kontrollieren

  • Steine
  • Metallteile
  • Holzstücke
  • Baustellenschutt
  • sonstige harte Gegenstände

Beide Reifen prüfen

  • einander zugewandte Flanken
  • Scheuerstellen
  • Schnitte
  • Beulen
  • Reifenfülldruck
Fremdkörper können beide Reifen beschädigen

Nach einem festgesetzten Stein oder Metallteil zwischen Zwillingsreifen nicht nur den offensichtlich beschädigten Reifen betrachten. Beide Flanken gehören in die Schadensprüfung.

8. Trailer- und Aufliegerreifen an Rampen besonders seitlich belastet

Beim Rückwärtsrangieren an Rampen oder engen Betriebshöfen können Trailerreifen gleichzeitig hohe Radlast, seitliches Schieben und direkten Kantenkontakt erfahren.

Rampenrand

Kann die Reifenflanke punktuell stark quetschen oder abschürfen.

Seitliches Schieben

Mehrere Achsen führen bei engen Manövern zu zusätzlichen Seitenkräften.

Schwer sichtbare Bereiche

Innere Flanken und Reifen auf der gegenüberliegenden Seite der Achse nicht vergessen.

FT Praxistipp

Nach einem harten Rampenkontakt die Stelle nicht nur von außen ansehen. Bei Trailerreifen können auch die innere Flanke und der Wulstbereich betroffen sein.

9. Scheuerspur, Schnitt, Ausbruch und Beule unterscheiden

Auffälligkeit Typisches Erscheinungsbild Was beachten?
Scheuerspur Oberfläche glatt oder oberflächlich abgerieben Tiefe und verbleibenden Gummibereich beurteilen
Schnitt Gummi sichtbar eingeschnitten Schadentiefe und mögliche tragende Bestandteile prüfen
Ausbruch Materialstück fehlt Größe, Tiefe und Lage des Schadens beurteilen
Beule / Blase sichtbare lokale Auswölbung mögliche strukturelle Schädigung ernst nehmen
Quetschstelle lokale Verformung oder Druckspur Zusammenhang mit hartem Kantenkontakt prüfen

10. Radlauf nach einem harten Schlag kontrollieren

Ein Reifen kann äußerlich relativ unauffällig sein, während Felge oder Radaufnahme durch den Kontakt verformt wurden.

Beim Drehen beobachten

  • Felge läuft seitlich?
  • Reifen läuft radial unruhig?
  • sichtbarer Seitenschlag?
  • sichtbarer Höhenschlag?

Im Fahrbetrieb beachten

  • neue Vibrationen
  • verändertes Lenkverhalten
  • ungewöhnliche Geräusche
  • Fahrzeug zieht zur Seite
Neuer Reifen beseitigt keinen Felgen- oder Radaufnahmeschaden

Ist die Felge beziehungsweise Radführung nach dem Ereignis beschädigt, muss die technische Ursache zuerst fachgerecht geklärt werden.

11. Nach Bordsteinkontakt an der Lenkachse Fahrverhalten beobachten

Verändert sich das Fahrverhalten unmittelbar nach einem harten Kontakt, sollte neben Reifen und Felge auch die Rad- und Achsgeometrie untersucht werden.

  • Lenkrad steht plötzlich anders?
  • Fahrzeug zieht nach links oder rechts?
  • Lenkung wirkt unruhiger?
  • Rad steht sichtbar anders?
  • neuer einseitiger Verschleiß entwickelt sich?
FT Praxistipp

Eine veränderte Radstellung kann später einen neuen Reifen innerhalb kurzer Zeit wieder ungleichmäßig verschleißen. Deshalb nicht nur den unmittelbar sichtbaren Schaden beseitigen.

12. Nach einem harten Kontakt systematisch prüfen

Ereignis einordnen

Welche Achse und welche Radposition hat Bordstein, Rampe oder Hindernis getroffen?

Reifenflanken prüfen

Außen- und soweit möglich Innenflanke auf Scheuerstellen, Schnitte, Quetschungen und Beulen kontrollieren.

Lauffläche prüfen

Fremdkörper, Schnitte und Ausbrüche berücksichtigen.

Reifenwulst und Felge kontrollieren

Felgenhorn, Dichtbereich und sichtbare Verformungen beurteilen.

Reifenfülldruck prüfen

Neuen oder schleichenden Luftverlust erkennen.

Bei Zwillingsbereifung Partnerreifen prüfen

Zwischenraum und beide einander zugewandten Flanken kontrollieren.

Radlauf beobachten

Reifen und Felge auf sichtbaren Rundlauffehler prüfen.

Fahrverhalten beurteilen

Bei der Lenkachse auf Ziehen, veränderte Lenkradstellung oder andere Auffälligkeiten achten.

Bordstein-, Rampen- und Baustellenschäden praktisch einordnen

Kontakt / Auffälligkeit Möglicher Zusammenhang Besonders prüfen
Bordstein an Lenkachse Flanke, Felge und Radführung belastet Reifen, Felge, Radstellung und Fahrwerk
Rampenkante am Trailer Flankenquetschung und seitliche Belastung möglich äußere und innere Flanke
Baustellenstein oder Betonbruch Schnitt oder Fremdkörperschaden möglich Lauffläche und Seitenwände
Fremdkörper zwischen Zwillingen Scheuer- oder Druckschaden beide einander zugewandten Flanken
Felgenhorn verbogen Wulstbereich ebenfalls belastet möglich Felge und Reifenwulst gemeinsam
Neuer Luftverlust nach Kontakt Wulst, Felge, Ventil oder Reifen beschädigt kompletten Dichtbereich prüfen
Neue Seitenwandbeule strukturelle Reifenschädigung möglich fachliche Reifenbeurteilung
Rad läuft nach Schlag unrund Felge oder Radaufnahme beschädigt möglich Rundlauf und Fahrzeugtechnik
Fahrzeug zieht nach Bordsteinkontakt Achsgeometrie oder Fahrwerk beeinflusst Lenkachse fachlich prüfen

Wann sollte nach einem harten Kontakt nicht einfach weitergefahren werden?

  • neue Beule oder Blase an der Reifenflanke sichtbar ist
  • tiefer Schnitt vorhanden ist
  • tragende Reifenbestandteile sichtbar werden
  • Reifen Luft verliert
  • Felgenhorn deutlich verformt oder gerissen ist
  • Rad sichtbar unrund läuft
  • Fahrzeug nach dem Ereignis deutlich zieht
  • Zwillingsreifen starke Kontakt- oder Scheuerspuren zeigen
  • Reifen oder Radbereich ungewöhnlich stark erwärmt ist
  • nach dem Kontakt starke neue Vibrationen auftreten
Gesamtes Ereignis beurteilen

Ein kleiner sichtbarer Schaden kann oberflächlich sein, während ein harter Schlag gleichzeitig Reifenstruktur, Felge oder Radführung belastet hat. Deshalb nicht nur nach der Größe der sichtbaren Stelle entscheiden.

Passendes Wissen aus der FT Wissenswelt

Für die Beurteilung von Schäden nach Bordstein-, Rampen- oder Baustellenkontakt helfen auch Grundlagen zu Aufbau, Einsatz und Lebenszyklus von LKW-Reifen.

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Häufige Fragen nach Bordstein-, Rampen- und Baustellenkontakt

Ist jede Scheuerspur an der LKW-Reifenflanke gefährlich?

Nein. Entscheidend ist die Tiefe und Lage der Beschädigung. Eine oberflächliche Scheuerspur ist anders zu beurteilen als ein tiefer Schnitt, eine Beule oder ein Schaden mit freiliegenden tragenden Reifenbestandteilen.

Warum ist eine neue Beule nach einem Bordsteinkontakt kritisch?

Eine neue lokale Auswölbung kann auf eine strukturelle Beschädigung im Reifen hinweisen. Sie sollte deshalb vor dem weiteren Einsatz fachlich beurteilt werden.

Warum verliert ein schlauchloser LKW-Reifen nach einem Felgenkontakt Luft?

Neben einer Reifenverletzung können auch ein beschädigter Wulstbereich, eine verformte Felge oder ein Problem am Ventil beziehungsweise Dichtbereich die Ursache sein.

Warum müssen bei Zwillingsbereifung beide Reifen geprüft werden?

Ein Fremdkörper zwischen den Reifen kann beide einander zugewandten Flanken beschädigen. Außerdem kann ein Schaden an einem Reifen die Belastung des Zwillingspartners beeinflussen.

Warum sollte nach einem Bordsteinkontakt an der Lenkachse auch das Fahrwerk geprüft werden?

Ein harter Kontakt kann neben Reifen und Felge auch Radstellung, Lenkungs- oder Fahrwerksteile beeinflussen. Zieht das Fahrzeug anschließend oder steht das Lenkrad anders, sollte die Ursache technisch geprüft werden.

Sollte ein Fremdkörper in der Lauffläche sofort herausgezogen werden?

Nicht unüberlegt. Ist der Gegenstand in den Reifen eingedrungen, kann sein Entfernen einen vorhandenen Luftverlust unmittelbar verstärken. Der Schaden sollte kontrolliert beurteilt werden.

Praxiswissen nach Bordstein-, Rampen- und Baustellenkontakt

FT Reifen verbindet über 35 Jahre praktische Erfahrung mit verständlichem Wissen rund um LKW-Reifen, Flankenschäden, Felgen, Zwillingsbereifung sowie Lenk-, Antriebs- und Trailerachsen.

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