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LKW-Reifen mit schleichendem Luftverlust richtig beurteilen

FT Praxiswelt – LKW-Reifen

LKW-Reifen mit schleichendem Luftverlust richtig beurteilen

Ein LKW-Reifen, der regelmäßig Luft verliert, hat nicht automatisch einen klassischen Einstich in der Lauffläche. Die Ursache kann ebenso am Ventil, an einer Ventilverlängerung, am Reifenwulst, an der Felge oder im Dichtbereich zwischen Reifen und Rad liegen.

Gerade bei Zwillingsbereifung kann ein schleichender Druckverlust lange unbemerkt bleiben, wenn nur der gut sichtbare äußere Reifen kontrolliert wird. Deshalb sollte bei wiederkehrendem Luftverlust immer das komplette Rad als System geprüft werden.

Reifen, Ventil, Wulst und Felge gemeinsam prüfen

Reifen

Einstiche, Schnitte, Fremdkörper und mögliche strukturelle Schäden berücksichtigen.

Ventil

Ventileinsatz, Ventilkörper und bei Zwillingsbereifung vorhandene Ventilverlängerungen kontrollieren.

Felge & Wulst

Korrosion, Verformung, beschädigte Dichtflächen oder ein auffälliger Wulstsitz können ebenfalls Luftverlust verursachen.

FT Praxisgrundsatz

Verliert ein LKW-Reifen langsam Luft, muss nicht automatisch der Reifen selbst die Ursache sein. Reifen, Ventil, Wulst und Felge bilden gemeinsam das luftdichte System.

1. Erst messen – nicht nach Augenmaß beurteilen

Bei großen LKW-Reifen lässt sich ein schleichender Druckverlust optisch oft nur schwer erkennen. Deshalb sollte der tatsächliche Reifenfülldruck gemessen und dokumentiert werden.

Ausgangswert messen

Reifenfülldruck unter möglichst vergleichbaren Bedingungen dokumentieren.

Achsposition notieren

Lenkachse, Antriebsachse, Trailerachse sowie Innen- oder Außenreifen bei Zwillingsbereifung festhalten.

Später erneut messen

Bei Verdacht auf schleichenden Luftverlust den Wert nach geeigneter Zeit erneut kontrollieren.

Bedingungen vergleichen

Möglichst berücksichtigen, ob der Reifen kalt oder bereits warmgefahren war.

FT Praxistipp

„Der Reifen sieht noch gut aus“ ist bei einem LKW kein zuverlässiger Drucktest. Entscheidend ist der gemessene Wert.

2. Eingefahrene Fremdkörper nicht unüberlegt herausziehen

Steckt eine Schraube, ein Nagel oder ein anderer Fremdkörper in der Lauffläche, sollte dieser nicht einfach herausgezogen werden, solange die Situation noch nicht beurteilt wurde.

Vor dem Entfernen

  • Position des Fremdkörpers dokumentieren
  • Reifenfülldruck messen
  • Schadstelle ansehen
  • Reparaturfähigkeit fachlich beurteilen

Warum nicht sofort ziehen?

Ein eingedrungener Gegenstand kann die beschädigte Stelle teilweise noch abdichten. Nach dem Herausziehen kann der Druckverlust deutlich stärker werden.

Kontrolliert vorgehen

Ein sichtbarer Fremdkörper ist ein klarer Hinweis für die Fehlersuche, aber nicht automatisch eine Aufforderung, ihn sofort aus dem Reifen zu entfernen.

3. Ventil und Ventileinsatz mitprüfen

Ein schleichender Luftverlust kann direkt am Ventil entstehen. Deshalb sollte das Ventil genauso selbstverständlich geprüft werden wie die Reifenlauffläche.

Ventileinsatz

  • auf Dichtheit prüfen
  • Beschädigung beachten
  • korrekten Sitz kontrollieren

Ventilkörper

  • Verbindung zur Felge prüfen
  • mechanische Beschädigung suchen
  • Korrosion oder Auffälligkeiten beachten
  • Ventilkappe kontrollieren
FT Praxistipp

Mit geeignetem Lecksuchmittel lassen sich kleine Undichtigkeiten an Ventil und Übergängen häufig gut lokalisieren.

4. Ventilverlängerungen bei Zwillingsbereifung als eigene Fehlerquelle prüfen

Damit der innere Reifen einer Zwillingsbereifung besser erreichbar ist, werden häufig Ventilverlängerungen eingesetzt. Dadurch entsteht ein zusätzlicher Anschluss im Luftsystem.

Dichtheit

  • Übergang zum eigentlichen Ventil
  • Verlängerung selbst
  • Anschluss und Ventileinsatz
  • Ventilkappe

Mechanischer Zustand

  • Scheuerstellen
  • Knicke
  • lose Befestigung
  • Kontakt mit Felge oder Rad
Innenreifen nicht vorschnell demontieren

Bevor ein innerer Zwillingsreifen wegen vermeintlicher Undichtigkeit demontiert wird, sollten Ventil und Ventilverlängerung separat auf Dichtheit geprüft werden.

5. Wulstbereich und Felgenrand als Ursache berücksichtigen

Bei einem schlauchlosen LKW-Reifen muss der Bereich zwischen Reifenwulst und Felge zuverlässig abdichten. Korrosion, Verschmutzung oder mechanische Schäden können hier zu langsamem Druckverlust führen.

Korrosion

Kann die Dichtfläche am Felgenbereich beeinträchtigen.

Verschmutzung

Rückstände oder Fremdmaterial zwischen Reifenwulst und Felge können die Abdichtung beeinflussen.

Mechanischer Schaden

Ein Bordstein- oder Rampenkontakt kann Felgenhorn oder Reifenwulst beschädigen.

FT Praxisgrundsatz

Wenn in der Lauffläche kein Einstich gefunden wird, bedeutet das nicht automatisch, dass der Reifen beziehungsweise das komplette Rad dicht ist.

6. Felge selbst auf Schäden kontrollieren

Neben dem Wulstsitz kann auch die Felge selbst Ursache eines Druckverlusts sein.

Besonders prüfen

  • Risse
  • starke Korrosion
  • Verformungen
  • beschädigtes Felgenhorn
  • Ventilbereich

Besonders aufmerksam nach

  • Bordsteinkontakt
  • Rampenkontakt
  • Schlagloch
  • Baustelleneinsatz
  • sichtbarer Felgenbeschädigung
Neuer Reifen löst keinen Felgenschaden

Ist die Felge Ursache der Undichtigkeit, kann auch ein neu montierter Reifen wieder Luft verlieren.

7. Warmen und kalten Reifenfülldruck nicht direkt miteinander verwechseln

Während der Fahrt erwärmen sich Reifen und eingeschlossene Luft. Dadurch verändert sich auch der gemessene Reifenfülldruck.

Kalter Reifen

Ist die geeignete Grundlage für die Kontrolle anhand der vorgesehenen Kaltluftdruckwerte.

Warmgefahrener Reifen

Kann einen höheren Druck anzeigen, obwohl der ursprüngliche Kaltluftdruck korrekt war.

Warmen Reifen nicht auf einen Kaltwert ablassen

Ein warmgefahrener LKW-Reifen sollte nicht einfach auf einen für kalte Reifen vorgesehenen Druckwert abgelassen werden. Nach dem Abkühlen könnte der tatsächliche Druck dann zu niedrig sein.

8. Inneren Reifen der Zwillingsbereifung nicht übersehen

Der äußere Zwillingsreifen kann optisch normal aussehen, während der innere Reifen bereits deutlich Druck verloren hat.

Außenreifen

  • Druck messen
  • Ventil prüfen
  • Flanke kontrollieren

Innenreifen

  • Druck separat messen
  • Ventilverlängerung prüfen
  • schwer sichtbare Flanke kontrollieren
FT Praxistipp

„Der äußere Reifen sieht normal aus“ ist keine Kontrolle des inneren Zwillingsreifens. Beide Reifen benötigen eine eigene Druckmessung.

9. Fahren mit zu wenig Luft belastet den Reifen zusätzlich

Sinkt der Reifenfülldruck deutlich ab und wird das Fahrzeug trotzdem weiterbewegt, verformt sich der Reifen stärker als vorgesehen.

Mehr Walkarbeit

Die Seitenwand und Karkasse werden stärker bewegt.

Mehr Erwärmung

Die zusätzliche Verformungsarbeit kann die Reifentemperatur erhöhen.

Weitere Folgeschäden

Seitenwand, Karkasse und Verschleißbild können bei deutlichem Unterdruck zusätzlich beansprucht werden.

Unterdruck nicht nur als Komfortproblem sehen

Bei LKW-Reifen kann länger anhaltender Betrieb mit deutlich zu niedrigem Reifenfülldruck die Reifenstruktur erheblich beanspruchen.

10. Nach starkem Druckverlust reicht Aufpumpen nicht immer aus

Ist unbekannt, wie lange ein LKW-Reifen mit deutlich zu wenig Luft gefahren wurde, sollte sein Zustand vor dem weiteren normalen Einsatz genauer beurteilt werden.

  • Wie stark war der Druck reduziert?
  • Wie lange beziehungsweise wie weit wurde weitergefahren?
  • Welche Last lag auf der Achse?
  • zeigt die Seitenwand Auffälligkeiten?
  • gibt es Hinweise auf starke Erwärmung?
  • ist eine weitergehende innere Prüfung erforderlich?
FT Praxisgrundsatz

Ein zuvor stark druckreduzierter Reifen kann nach dem Aufpumpen äußerlich wieder normal aussehen. Das bedeutet nicht automatisch, dass die vorherige Unterdruckfahrt folgenlos geblieben ist.

11. Nach Druckverlust eines Zwillingsreifens auch den Partnerreifen prüfen

Hat ein Reifen einer Zwillingsbereifung erheblich Luft verloren, kann der zweite Reifen zeitweise einen größeren Teil der Belastung übernommen haben.

Undichten Reifen beurteilen

  • Ursache finden
  • Schadensumfang prüfen
  • mögliche Unterdruckfahrt bewerten

Zwillingspartner beurteilen

  • Reifenfülldruck
  • Flankenzustand
  • auffällige Erwärmung
  • sichtbare Überbeanspruchung
Beide Reifen gehören zur Schadensbeurteilung

Ein erheblicher Druckverlust innerhalb der Zwillingsbereifung kann nicht nur den undichten Reifen betreffen.

12. Regelmäßiges Nachfüllen ist keine Reparatur

Im Alltag fällt schleichender Luftverlust manchmal dadurch auf, dass ein Reifen immer wieder etwas nachgefüllt werden muss. Genau das sollte als Hinweis auf eine noch ungeklärte Ursache verstanden werden.

Nicht ausreichend

„Alle paar Tage etwas Luft nachfüllen und weiterfahren“ beseitigt weder Einstich noch Ventil-, Wulst- oder Felgenproblem.

Sinnvoller

Druckverlust dokumentieren, Undichtigkeit lokalisieren und anschließend über Reparaturfähigkeit oder Austausch entscheiden.

FT Praxiswarnung

Ein LKW-Reifen, der regelmäßig nachgefüllt werden muss, zeigt eine Auffälligkeit, deren Ursache gesucht werden sollte. Nachfüllen ist keine Reparatur.

13. Druckverlust dokumentieren

Eine einfache Dokumentation hilft dabei, einen wiederkehrenden Luftverlust objektiv zu beurteilen.

Dokumentieren Warum?
Datum und Uhrzeit Abstand zwischen den Messungen nachvollziehen
Achs- und Radposition betroffenen Reifen eindeutig zuordnen
Reifenfülldruck Druckverlust messbar machen
kalt oder warm Messwerte besser miteinander vergleichen
Kilometerstand zurückgelegte Strecke zwischen Messungen dokumentieren
Nachfüllung erkennen, wie häufig korrigiert werden musste
FT Praxistipp

Eine kleine Druckhistorie ist deutlich aussagekräftiger als die Aussage „Der verliert irgendwie Luft“.

14. Typische Prüfreihenfolge bei schleichendem Luftverlust

Reifenfülldruck messen und dokumentieren

Den tatsächlichen Zustand zuerst objektiv erfassen.

Ventil prüfen

Ventileinsatz, Ventilkörper und Dichtheit kontrollieren.

Ventilverlängerung kontrollieren

Bei Zwillingsbereifung zusätzlichen Luftweg berücksichtigen.

Lauffläche absuchen

Schrauben, Nägel und andere Fremdkörper lokalisieren.

Reifenflanken kontrollieren

Schnitte, Beulen und Scheuerspuren berücksichtigen.

Wulst- und Felgenbereich prüfen

Korrosion, Verschmutzung und mechanische Schäden suchen.

Undichtigkeit lokalisieren

Mit geeignetem Prüfverfahren feststellen, wo Luft austritt.

Unterdruckfahrt beurteilen

Klären, ob und wie lange mit deutlich reduziertem Druck gefahren wurde.

Bei Zwillingsbereifung Partnerreifen prüfen

Mögliche zusätzliche Belastung berücksichtigen.

Reparatur oder Austausch beurteilen

Erst nach eindeutiger Schadensdiagnose über die weitere Verwendung entscheiden.

Schleichenden Luftverlust praktisch einordnen

Auffälligkeit Mögliche Ursache Besonders prüfen
Reifen verliert langsam Druck kleine Undichtigkeit komplettes Rad systematisch prüfen
Nagel oder Schraube sichtbar Laufflächenverletzung möglich nicht unüberlegt herausziehen
Undichtigkeit am Ventil Ventileinsatz oder Ventilkörper Ventil komplett prüfen
Innenreifen verliert Luft Ventilverlängerung möglich Ventil und Verlängerung getrennt prüfen
Luftverlust am Felgenrand Wulstsitz, Korrosion oder Felgenschaden Reifen und Felge gemeinsam beurteilen
Luftverlust nach Bordsteinkontakt Felge oder Wulst beschädigt möglich Felgenhorn und Dichtbereich
Kein Einstich sichtbar Ventil, Wulst oder Felge möglich nicht nur Lauffläche prüfen
Reifen wurde mit starkem Unterdruck gefahren innere Überbeanspruchung möglich Reifenzustand fachlich beurteilen
Zwillingsreifen hatte starken Druckverlust Partnerreifen höher belastet beide Reifen prüfen
regelmäßiges Nachfüllen erforderlich Ursache noch nicht beseitigt Leck lokalisieren

Wann sollte ein LKW-Reifen mit Luftverlust genauer geprüft werden?

  • regelmäßiges Nachfüllen erforderlich ist
  • der Druckverlust zunehmend schneller wird
  • ein Fremdkörper in der Lauffläche steckt
  • Ventil oder Ventilverlängerung undicht ist
  • Luft am Wulst- beziehungsweise Felgenbereich austritt
  • Felge korrodiert, verformt oder beschädigt ist
  • der Reifen mit deutlich zu wenig Druck gefahren wurde
  • die Seitenwand nach Unterdruckfahrt Auffälligkeiten zeigt
  • ein Reifen der Zwillingsbereifung längere Zeit druckreduziert war
  • die Ursache des Luftverlusts von außen nicht eindeutig gefunden wird
Ursache statt Symptom behandeln

Schleichender Luftverlust sollte lokalisiert und fachlich beurteilt werden. Ständiges Nachfüllen verschiebt die Fehlersuche nur und kann dazu führen, dass eine zunehmende Beschädigung übersehen wird.

Passendes Wissen aus der FT Wissenswelt

Für die Beurteilung von Reifenfülldruck, Reifenzustand und möglicher Unterdruckbeanspruchung helfen auch die Grundlagen aus unserer FT Wissenswelt.

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Wenn ein LKW-Reifen aufgrund einer nicht reparablen Undichtigkeit, eines Schadens oder einer vorherigen starken Unterdruckbeanspruchung ersetzt werden muss, finden Sie bei FT Reifen passende Reifen für unterschiedliche Achspositionen und Einsätze.

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Häufige Fragen zu schleichendem Luftverlust bei LKW-Reifen

Warum verliert ein LKW-Reifen langsam Luft, obwohl kein Loch sichtbar ist?

Die Ursache kann neben einer kleinen Reifenverletzung auch am Ventil, an einer Ventilverlängerung, am Reifenwulst oder an der Felge liegen. Deshalb sollte das gesamte Rad geprüft werden.

Sollte eine Schraube im LKW-Reifen sofort herausgezogen werden?

Nicht unüberlegt. Der Fremdkörper kann die beschädigte Stelle teilweise noch abdichten. Zuerst Druck, Position und Schadensumfang beurteilen und anschließend fachgerecht entscheiden, wie weiter vorzugehen ist.

Warum ist die Ventilverlängerung bei Zwillingsbereifung wichtig?

Sie ist ein zusätzliches Bauteil im Luftweg und kann selbst undicht oder mechanisch beschädigt sein. Deshalb sollte sie bei schleichendem Druckverlust separat geprüft werden.

Darf ein warmgefahrener LKW-Reifen auf den Kaltluftdruck abgelassen werden?

Das sollte nicht einfach gemacht werden. Durch die Erwärmung steigt der gemessene Reifenfülldruck. Wird der warme Reifen auf einen für kalte Reifen vorgesehenen Wert abgesenkt, kann er nach dem Abkühlen tatsächlich zu wenig Druck besitzen.

Reicht es nach einer Unterdruckfahrt, den Reifen wieder aufzupumpen?

Nicht immer. Wenn ein Reifen längere Zeit mit deutlich zu wenig Druck gefahren wurde, können Karkasse und Seitenwand zusätzlich beansprucht worden sein. Die vorherige Belastung sollte deshalb mit in die Zustandsbeurteilung einfließen.

Warum muss nach einem Druckverlust auch der zweite Zwillingsreifen geprüft werden?

Der verbleibende Reifen kann zeitweise einen größeren Lastanteil übernommen haben. Deshalb sollte auch sein Druck, Flankenzustand und allgemeiner Zustand kontrolliert werden.

Praxiswissen bei schleichendem Luftverlust an LKW-Reifen

FT Reifen verbindet über 35 Jahre praktische Erfahrung mit verständlichem Wissen rund um LKW-Reifen, Reifenfülldruck, Ventile, Felgen, Zwillingsbereifung und die Beurteilung von Unterdruckschäden.

FT-Reifen – der Reifenhändler, der sein Wissen teilt.

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