LKW-Reifen an Zwillingsbereifung richtig kontrollieren und beurteilen
FT Praxiswelt – LKW-Reifen
LKW-Reifen an Zwillingsbereifung richtig kontrollieren und beurteilen
Bei einer Zwillingsbereifung arbeiten zwei LKW-Reifen unmittelbar nebeneinander an derselben Radposition. Deshalb dürfen sie nicht wie zwei voneinander unabhängige Reifen betrachtet werden. Unterschiede bei Reifenfülldruck, Profiltiefe, tatsächlichem Außendurchmesser oder Zustand können beeinflussen, wie sich die Belastung innerhalb des Reifenpaares verteilt.
Besonders wichtig sind außerdem die schwer sichtbaren Reifenflanken, der Zwischenraum zwischen den beiden Reifen und der Zustand von Ventilen beziehungsweise Ventilverlängerungen. Ein Problem am inneren Reifen kann lange unbemerkt bleiben, wenn nur der äußere Reifen kontrolliert wird.
Zwillingsreifen immer als zusammenarbeitendes Paar beurteilen
Reifenzustand
Profiltiefe, Verschleißbild, Beschädigungen und tatsächliche Reifenhöhe sollten bei beiden Reifen miteinander verglichen werden.
Reifenfülldruck
Beide Reifen benötigen eine eigene Druckkontrolle. Der gut erreichbare Außenreifen reicht als Kontrolle nicht aus.
Zwischenraum
Fremdkörper und Scheuerstellen zwischen den Reifen gehören zu den typischen Besonderheiten einer Zwillingsbereifung.
Bei Zwillingsbereifung niemals nur den auffälligen Reifen betrachten. Beide Reifen müssen gemeinsam kontrolliert und hinsichtlich Druck, Zustand und tatsächlicher Abmessungen miteinander verglichen werden.
1. Reifengröße allein reicht für die Paarung nicht aus
Zwei Reifen mit identischer Größenbezeichnung können im praktischen Betrieb trotzdem Unterschiede besitzen. Besonders relevant sind Profiltiefe, Reifenmodell und tatsächlicher Außendurchmesser beziehungsweise Abrollumfang.
Bei beiden Reifen vergleichen
- Reifengröße
- Reifenbauart und Ausführung
- Hersteller und Reifenmodell
- Profiltiefe
- tatsächlicher Außendurchmesser
Zusätzlich beachten
- Tragfähigkeitskennung
- Geschwindigkeitskennung
- Verschleißzustand
- sichtbare Schäden
- Herstellerangaben zur Paarung
Profilzustand, Reifenmodell und konstruktive Unterschiede können dazu führen, dass zwei nominell gleich große Reifen im Betrieb unterschiedlich hoch ausfallen.
2. Unterschiedliche Profiltiefen verändern den tatsächlichen Außendurchmesser
Steht ein neuer beziehungsweise wenig verschlissener Reifen neben einem deutlich stärker abgefahrenen Reifen, unterscheiden sich die tatsächlichen Durchmesser des Zwillingspaares.
Neuerer Reifen
Besitzt durch die höhere verbleibende Profilhöhe einen größeren tatsächlichen Außendurchmesser.
Stärker verschlissener Reifen
Steht entsprechend niedriger und kann dadurch innerhalb des Paares anders belastet werden.
Bei einem Einzelersatz innerhalb einer Zwillingsbereifung nicht nur nach identischer Reifengröße suchen. Auch Profiltiefe und tatsächlicher Außendurchmesser des verbleibenden Reifens müssen berücksichtigt werden.
3. Verschiedene Hersteller und Reifenmodelle besonders sorgfältig vergleichen
Auch innerhalb derselben Nenngröße können verschiedene Hersteller oder Produktlinien geringfügig unterschiedliche reale Abmessungen besitzen. Bei einer Zwillingsbereifung kann dieser Unterschied wesentlich relevanter sein als bei voneinander unabhängigen Einzelrädern.
Außendurchmesser
Kann trotz gleicher Größenbezeichnung konstruktiv unterschiedlich ausfallen.
Profilhöhe
Unterschiedliche Profildesigns und Verschleißzustände verändern zusätzlich die reale Reifenhöhe.
Technische Daten
Bei Unsicherheit sollten die Herstellerangaben zu Abmessungen und Paarung herangezogen werden.
Für ein funktionierendes Zwillingspaar müssen die tatsächlichen Eigenschaften beider Reifen zusammenpassen.
4. Reifenfülldruck immer an beiden Reifen kontrollieren
Der äußere Reifen ist meist leichter erreichbar als der innere. Genau deshalb besteht die Gefahr, dass der Innenreifen bei der regelmäßigen Kontrolle übersehen wird.
Außenreifen
- Druck messen
- Ventil prüfen
- Ventilkappe kontrollieren
- sichtbaren Reifenzustand beurteilen
Innenreifen
- Druck separat messen
- Ventil beziehungsweise Verlängerung prüfen
- schleichenden Druckverlust ausschließen
- schwer sichtbare Flanken kontrollieren
Der Reifenfülldruck des äußeren Zwillingsreifens sagt nichts darüber aus, ob der innere Reifen ebenfalls korrekt befüllt ist.
5. Ventilverlängerungen können selbst Ursache eines Luftverlusts sein
Bei Zwillingsbereifung wird das Ventil des inneren Reifens häufig über eine Verlängerung zugänglich gemacht. Dadurch kommt ein weiteres Bauteil in den Luftweg, das ebenfalls kontrolliert werden muss.
Verbindung prüfen
- Verlängerung sitzt sicher?
- Verbindung zum eigentlichen Ventil dicht?
- Ventileinsatz unauffällig?
- Ventilkappe vorhanden?
Mechanischen Zustand prüfen
- Verlängerung beschädigt?
- scheuert sie an Felge oder Rad?
- ist sie geknickt?
- lässt sich der Innenreifen problemlos prüfen?
Auch Ventil, Ventileinsatz oder Ventilverlängerung können undicht sein. Deshalb den kompletten Luftweg prüfen.
6. Zwischenraum der Zwillingsreifen auf Fremdkörper kontrollieren
Zwischen den beiden Reifen können sich während des Einsatzes harte Fremdkörper festsetzen. Besonders bei Baustellen-, Schüttgut- und vergleichbaren Einsätzen ist dieser Bereich wichtig.
Typische Fremdkörper
- Steine
- Metallteile
- Holzstücke
- Baustellenschutt
- andere harte Gegenstände
Mögliche Folgen
- Flankenschäden
- Scheuerstellen
- punktuelle Druckstellen
- Materialabrieb
- weitere Beschädigung während der Fahrt
Bei Fahrzeugen, die regelmäßig auf Baustellen, Schotterflächen oder in verschmutzten Einsatzbereichen unterwegs sind, den Zwischenraum der Zwillingsreifen besonders aufmerksam kontrollieren.
7. Scheuerkontakt zwischen den beiden Reifen erkennen
Die einander zugewandten Reifenflanken sollten nicht durch ungeeignete Kombination, falsche Dimensionierung, problematischen Reifenfülldruck oder übermäßige Belastung gegeneinander arbeiten.
An den Reifenflanken
- umlaufende Scheuerlinien
- glatt geriebene Gummistellen
- Materialabrieb
- beschädigte Beschriftungen
- auffällige Erwärmung
Mögliche Prüfrichtung
- Reifenfülldruck
- tatsächliche Reifenhöhe
- Paarung der Reifen
- Belastung
- Rad- und Felgenausführung
Werden zwischen den Zwillingsreifen deutliche Scheuerstellen sichtbar, sollte die Ursache vor dem weiteren Einsatz geklärt werden.
8. Innere Reifenflanken gezielt kontrollieren
Die schwer sichtbaren Bereiche der Zwillingsbereifung dürfen bei der Kontrolle nicht vergessen werden. Schäden können dort lange unentdeckt bleiben.
Außenreifen innen
Die dem Innenreifen zugewandte Flanke auf Scheuerstellen, Schnitte und Fremdkörperkontakt prüfen.
Innenreifen außen
Auch diese Flanke liegt unmittelbar im Zwischenraum des Zwillingspaares und ist entsprechend wichtig.
Innenreifen innen
Den zur Fahrzeugseite gerichteten Bereich soweit möglich ebenfalls in die Kontrolle einbeziehen.
Eine reine Außenansicht des Zwillingspaares reicht für eine vollständige Reifenprüfung nicht aus.
9. Nach einem Reifenschaden immer den Zwillingspartner mitprüfen
Hat ein Reifen des Paares deutlich Luft verloren oder ist vollständig ausgefallen, kann der verbleibende Zwillingsreifen zeitweise einen erheblich größeren Lastanteil übernommen haben.
Defekten Reifen prüfen
- Ursache des Druckverlusts
- Flanken- und Laufflächenschäden
- Ventil und Felge
- Fremdkörper
Zwillingspartner prüfen
- Flankenzustand
- Reifenfülldruck
- ungewöhnliche Erwärmung
- sichtbare Verformung oder Schäden
- allgemeinen Karkassenzustand
Nach einem Schaden innerhalb einer Zwillingsbereifung gehört der scheinbar intakte Zwillingspartner immer mit in die Schadensbeurteilung.
10. Überlastung des zweiten Reifens ist nicht immer sofort sichtbar
Ein stark druckreduzierter oder ausgefallener Reifen kann dazu führen, dass der zweite Reifen vorübergehend einen wesentlich höheren Lastanteil übernimmt. Eine dadurch entstandene Überbeanspruchung muss äußerlich nicht sofort eindeutig sichtbar sein.
Besonders aufmerksam werden bei
- vollständigem Druckverlust eines Reifens
- unbekannter Weiterfahrstrecke
- hoher Beladung
- deutlich erwärmtem Zwillingspartner
Nicht nur oberflächlich prüfen
Bei erheblicher Beanspruchung sollte der verbleibende Reifen fachlich beurteilt werden, bevor einfach nur der ausgefallene Reifen ersetzt wird.
11. Auffällige Temperaturunterschiede als Hinweis nutzen
Nach vergleichbarer Fahrt sollten deutliche Temperaturunterschiede innerhalb eines Zwillingspaares Anlass für eine genauere Kontrolle sein. Die Temperatur allein liefert jedoch keine fertige Diagnose.
Reifenfülldruck
Ein Druckunterschied kann zu unterschiedlicher Reifenverformung und Beanspruchung führen.
Belastung
Unterschiedliche reale Reifenhöhen können die Lastverteilung innerhalb des Paares beeinflussen.
Fahrzeugtechnik
Auch Radlager- oder Bremsprobleme können zu ungewöhnlicher Erwärmung im Radbereich beitragen.
Bei auffälliger Erwärmung Reifenfülldruck, Reifenzustand, Paarung und Fahrzeugtechnik gemeinsam prüfen.
12. Einzelersatz innerhalb eines Zwillingspaares sorgfältig beurteilen
Ist nur ein Reifen beschädigt, sollte nicht automatisch irgendein Reifen derselben Nenngröße daneben montiert werden. Entscheidend ist, ob beide Reifen anschließend technisch sinnvoll zusammenarbeiten können.
Nur eine technisch vorgesehene Ausführung verwenden.
Hersteller- und Fahrzeugvorgaben zur Paarung beachten.
Verschleißunterschied zum verbleibenden Reifen feststellen.
Bei deutlichem Unterschied technische Daten beziehungsweise Herstellervorgaben heranziehen.
Keine Beschädigung, Überbeanspruchung oder auffällige Alterung übersehen.
Ventil, Fremdkörper, Felge, Reifen oder andere Ursachen unterscheiden.
Bei ungeeigneten Unterschieden kann ein gemeinsamer Ersatz des Reifenpaares sinnvoll beziehungsweise technisch erforderlich sein.
Beim Einzelersatz eines Zwillingsreifens nicht nur fragen: „Passt die Größe?“ Entscheidend ist auch: „Passt dieser neue Reifen tatsächlich zum verbleibenden Reifen?“
Zwillingsbereifung praktisch einordnen
| Auffälligkeit | Möglicher Zusammenhang | Besonders prüfen |
|---|---|---|
| Ein Reifen deutlich stärker abgefahren | unterschiedliche Belastung oder Druckverhältnisse möglich | beide Reifen vollständig vergleichen |
| Zwillingsreifen unterschiedlich hoch | Profiltiefe, Bauart oder Hersteller unterschiedlich | Außendurchmesser und technische Daten |
| Innerer Reifen mit zu wenig Druck | Ventil, Verlängerung oder Undichtigkeit möglich | kompletten Luftweg prüfen |
| Scheuerspuren zwischen den Reifen | Flankenkontakt möglich | Druck, Paarung, Abstand und Belastung |
| Beschädigte innere Flanke | Fremdkörper oder Scheuerkontakt möglich | Zwischenraum und beide Reifen prüfen |
| Stein zwischen Zwillingsreifen | Baustellen- oder Schottereinsatz | Fremdkörper entfernen und Flanken kontrollieren |
| Ein Reifen vollständig ausgefallen | Zwillingspartner zeitweise höher belastet | zweiten Reifen unbedingt mitprüfen |
| Ein Reifen deutlich wärmer | unterschiedliche Beanspruchung möglich | Druck, Last, Reifenzustand und Fahrzeugtechnik |
| Neuer Reifen neben stark abgefahrenem Reifen | deutlicher Durchmesserunterschied möglich | Paarung fachlich beurteilen |
Wann sollte eine Zwillingsbereifung vor dem weiteren Einsatz genauer geprüft werden?
- ein Reifen besitzt deutlich weniger Reifenfülldruck
- Zwillingsreifen unterscheiden sich deutlich bei Profiltiefe oder tatsächlicher Höhe
- Scheuerstellen an den einander zugewandten Flanken sichtbar sind
- ein harter Fremdkörper zwischen den Reifen festsaß
- Ventilverlängerung beschädigt oder undicht ist
- ein Reifen des Paares starken oder vollständigen Druckverlust hatte
- der Zwillingspartner nach einem Schaden auffällig warm oder verformt ist
- innere Flanken Schnitte, Beulen oder andere Schäden zeigen
- nach einem Einzelersatz die Paarung technisch nicht eindeutig passt
Bei einer Zwillingsbereifung kann ein Problem an einem Reifen die Belastung des zweiten Reifens unmittelbar beeinflussen. Deshalb immer das gesamte Paar beurteilen.
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Warum müssen beide Zwillingsreifen denselben Reifenfülldruck haben?
Unterschiedliche Druckverhältnisse verändern Reifenverformung und tatsächliche Standhöhe. Dadurch kann sich die Belastung innerhalb des Zwillingspaares ungünstig verteilen. Die passenden Druckwerte richten sich nach Reifen-, Achslast- und Fahrzeugvorgaben.
Kann ein neuer Reifen neben einem stark abgefahrenen Reifen montiert werden?
Das muss fachlich beurteilt werden. Ein deutlicher Unterschied bei der Profiltiefe verändert den tatsächlichen Außendurchmesser. Zusätzlich sind Hersteller- und Fahrzeugvorgaben zur Paarung zu berücksichtigen.
Warum sollte der Zwischenraum zwischen den Zwillingsreifen kontrolliert werden?
Steine, Metallteile oder andere harte Fremdkörper können dort festklemmen und die einander zugewandten Reifenflanken beschädigen.
Warum verliert der innere Zwillingsreifen manchmal unbemerkt Luft?
Der Innenreifen ist schlechter zugänglich und wird dadurch leichter übersehen. Zusätzlich können Ventil oder Ventilverlängerung selbst undicht sein. Deshalb muss jeder Reifen separat gemessen werden.
Muss nach einem Schaden auch der scheinbar intakte Zwillingsreifen geprüft werden?
Ja. Bei starkem oder vollständigem Druckverlust eines Reifens kann der zweite Reifen vorübergehend erheblich mehr Last übernommen haben. Sein Zustand sollte deshalb ebenfalls beurteilt werden.
Warum können zwei Reifen derselben Größe trotzdem unterschiedlich hoch sein?
Unterschiedliche Profiltiefen, Reifenmodelle und konstruktive Abmessungen können zu unterschiedlichen tatsächlichen Außendurchmessern führen. Bei einer Zwillingsbereifung ist dieser Unterschied besonders wichtig.
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