Bagger- und Radladerreifen richtig unterscheiden – Bauart, Einsatz und Anforderungen
FT Wissenswelt – Bagger- & Radladerreifen
Bagger- und Radladerreifen richtig unterscheiden – Bauart, Einsatz und Anforderungen
Bagger und Radlader arbeiten häufig auf derselben Baustelle, bewegen Erde, Schotter oder Gestein und nutzen teilweise Reifen in ähnlich wirkenden Größen. Trotzdem stellen beide Maschinentypen unterschiedliche Anforderungen an ihre Bereifung.
Ein Radlader fährt permanent kurze Arbeitszyklen, nimmt Material mit der Schaufel auf, beschleunigt, bremst, lenkt unter Last und transportiert das Material zum nächsten Punkt. Ein bereifter Mobilbagger arbeitet dagegen häufig längere Zeit aus einer Position, dreht seinen Oberwagen, hebt Lasten und wechselt zwischen Arbeits- und Fahrbetrieb.
Deshalb sollte ein Baumaschinenreifen nicht allein nach der aufgedruckten Größe ausgewählt werden. Maschine, Achslast, Arbeitszyklus, Untergrund, Geschwindigkeit und Einsatzdauer bestimmen gemeinsam, welche Reifenkonstruktion sinnvoll ist.
Maschine
Mobilbagger und Radlader erzeugen unterschiedliche Belastungsprofile.
Untergrund
Schlamm, Sand, Schotter, Fels und Asphalt verlangen unterschiedliche Eigenschaften.
Tragfähigkeit
Schaufellast, Anbaugeräte und Maschinengewicht beeinflussen die tatsächliche Radlast.
Arbeitszyklus
Fahren, Laden, Graben und Arbeiten im Stand belasten Reifen unterschiedlich.
Wichtig: Mit „Baggerreifen“ meinen wir hier bereifte Bagger
Viele Bagger arbeiten auf Raupenfahrwerken und besitzen überhaupt keine klassischen Luftreifen.
In dieser FT Wissenswelt geht es deshalb vor allem um Mobilbagger und andere bereifte Baggermaschinen, bei denen Reifen einen wesentlichen Teil von Tragfähigkeit, Fahrverhalten und Mobilität übernehmen.
Das Fahrwerk verändert das komplette Einsatzkonzept. Ein Mobilbagger kann auf eigener Achse zwischen Arbeitsbereichen fahren und belastet seine Reifen daher völlig anders als ein Raupenbagger sein Laufwerk.
Was muss ein Radladerreifen leisten?
Beim Radlader ist der Reifen ein wesentlicher Bestandteil des gesamten Arbeitsprozesses. Die Maschine fährt zum Material, drückt die Schaufel in das Schüttgut, nimmt Last auf, setzt zurück, wendet und transportiert die Ladung.
Dieser Ablauf wiederholt sich häufig über viele Stunden.
Hohe Traktion
Beim Einfahren in Schüttgut muss die Antriebskraft möglichst wirksam auf den Untergrund übertragen werden.
Hohe dynamische Lasten
Eine gefüllte Schaufel verändert die Rad- und Achslasten innerhalb eines Arbeitszyklus deutlich.
Lenken unter Last
Kurze Wendemanöver und das Knickgelenk erzeugen hohe Quer- und Scherkräfte an den Reifen.
Schnittfestigkeit
Steine, scharfkantiger Schotter und Abbruchmaterial können Profil und Seitenwand stark beanspruchen.
Verschleißfestigkeit
Viele Arbeitszyklen auf abrasivem Untergrund können große Mengen Gummi abtragen.
Temperaturkontrolle
Bei längeren Fahranteilen entsteht durch Walkarbeit und Geschwindigkeit zusätzliche Wärme.
Was muss ein Reifen am Mobilbagger leisten?
Der bereifte Mobilbagger hat ein anderes Arbeitsprofil. Er bewegt sich häufig zunächst zur Arbeitsstelle und arbeitet dort über längere Zeit aus einer relativ begrenzten Position.
Dabei entstehen hohe statische und dynamische Lasten durch Maschinengewicht, Ausleger, Löffel, Anbaugeräte und die jeweilige Arbeitsposition.
Hohe Radlast
Maschine, Ausleger und Anbaugerät können erhebliche Lasten auf einzelne Achsen und Räder bringen.
Standfestigkeit
Beim Arbeiten soll die Maschine möglichst stabil auf dem Untergrund stehen.
Fahranteile
Ein Mobilbagger muss zwischen Baustellenbereichen oder auf geeigneten Verkehrswegen fahren können.
Wechselnde Untergründe
Baustelle, Schotter, Erde und befestigte Flächen können innerhalb eines Einsatzes wechseln.
Anbaugeräte
Unterschiedliche Werkzeuge und Arbeitsaufgaben verändern die tatsächliche Belastung.
Robustheit
Auch beim Bagger müssen Flanken, Profil und Karkasse mit harten Baustellenbedingungen umgehen können.
Radlader und Mobilbagger im direkten Vergleich
| Anforderung | Radlader | Mobilbagger |
|---|---|---|
| Typische Arbeit | Laden, Fahren, Zurücksetzen, Wenden, Transportieren | Graben, Heben, Drehen, Arbeiten aus einer Position, Umsetzen |
| Traktion | Sehr wichtig, besonders beim Einfahren in Material | Je nach Fahr- und Geländeeinsatz wichtig |
| Arbeitsgeschwindigkeit | Viele kurze Fahrzyklen | Häufig größere Standanteile mit zwischenzeitlichen Fahrbewegungen |
| Lastwechsel | Durch leere und volle Schaufel sehr ausgeprägt | Durch Auslegerstellung, Anbaugerät und Arbeitsbewegung stark wechselnd |
| Querkräfte | Durch Knicklenkung und enge Wendemanöver sehr relevant | Abhängig von Fahr- und Arbeitsbewegungen |
| Schnittgefahr | Je nach Schotter-, Fels- oder Recyclingbetrieb sehr hoch | Je nach Baustellenuntergrund ebenfalls relevant |
| Wärmeentwicklung | Bei intensiven Lade- und Fahrzyklen besonders zu beachten | Stark abhängig vom tatsächlichen Fahranteil |
Zwei identische Radlader können völlig unterschiedliche Reifen benötigen, wenn der eine auf weichem Erdreich arbeitet und der andere täglich auf scharfkantigem Gestein in einem Steinbruch eingesetzt wird.
Der Untergrund entscheidet wesentlich mit
Bei Baumaschinenreifen ist der Untergrund einer der wichtigsten Faktoren bei der Reifenwahl.
Weicher Boden
Traktion und Selbstreinigung des Profils stehen stärker im Vordergrund.
Schlamm
Große Zwischenräume können helfen, Material aus dem Profil auszuwerfen.
Fels & Schotter
Schnittschutz, robuste Profilblöcke und Widerstand gegen Verletzungen werden wichtiger.
Asphalt & Beton
Abrieb, Wärmeentwicklung und gleichmäßiges Laufverhalten gewinnen an Bedeutung.
Ein sehr offenes Traktionsprofil kann auf weichem Boden hervorragend arbeiten und auf hartem abrasivem Untergrund trotzdem schneller verschleißen als eine passendere Profilkonstruktion.
Warum Radladerreifen häufig mit L-Klassen gekennzeichnet werden
Bei großen Erdbewegungsreifen gibt es international verwendete Einsatz- und Profilklassifizierungen. Für Radlader und Raddozer begegnet man insbesondere der Kennung L.
Typische Bezeichnungen sind beispielsweise:
L2
Traktionsorientierte Ausführung für entsprechende Loader- und Dozer-Anwendungen.
L3
Typische Rock-/Allround-Ausführung mit normaler Profiltiefe.
L4
Tieferes Profil für stärkere abrasive beziehungsweise härtere Einsatzbedingungen.
L5
Sehr tiefes Profil für besonders aggressive Einsatzbedingungen und hohen Schutzbedarf.
Die Klassen beschreiben unterschiedliche Einsatzkonzepte und Profiltiefen. Ein tieferes Profil erzeugt andere Eigenschaften bei Wärme, Traktion, Verschleiß und Fahrbetrieb. Die passende Klasse muss zum tatsächlichen Einsatz passen.
Warum wir L2, L3, L4 und L5 separat erklären werden
Die Zahl hinter dem L ist wesentlich mehr als eine einfache Qualitätsstufe.
Mit zunehmender Profiltiefe verändern sich unter anderem:
- Gummivolumen
- Schutz gegen abrasiven Verschleiß
- Wärmeentwicklung
- Profilbewegung
- Eignung für unterschiedliche Untergründe
- mögliche Fahr- und Transportanteile
Auf dieser Seite reicht zunächst die wichtige Erkenntnis: Die Profilklasse muss zur Maschine und zum tatsächlichen Arbeitszyklus passen.
Radial- oder Diagonalreifen?
Bei Bagger- und Radladerreifen begegnen einem sowohl Radial- als auch Diagonalkonstruktionen. Beide Bauarten unterscheiden sich grundlegend im Aufbau der Karkasse.
Radialreifen
Karkassfäden verlaufen im Wesentlichen radial von Wulst zu Wulst. Lauffläche und Seitenwand können dadurch konstruktiv stärker voneinander entkoppelt arbeiten.
Diagonalreifen
Mehrere Karkasslagen verlaufen diagonal und kreuzen sich. Seitenwand und Lauffläche bilden konstruktiv eine stärker miteinander verbundene Einheit.
Radial- und Diagonalreifen können je nach Maschine, Geschwindigkeit, Untergrund, Verletzungsrisiko und Einsatzprofil unterschiedliche Vorteile besitzen.
Warum Radialreifen bei vielen Radladern interessant sind
Radialreifen können insbesondere bei Anwendungen mit Fahranteilen und hohen Laufleistungen Vorteile bieten.
- günstiges Abrollverhalten
- guter Fahrkomfort
- geringere Wärmeentwicklung bei passenden Anwendungen
- gute Traktion
- gleichmäßige Aufstandsfläche
Ein Reifen für lange Fahrzyklen auf festem Untergrund muss andere Prioritäten erfüllen als ein Reifen, der ausschließlich langsam in scharfkantigem Gestein arbeitet.
Warum Diagonalreifen weiterhin ihren Platz haben
Diagonalreifen sind im Baumaschinenbereich keineswegs nur eine veraltete Konstruktion. Je nach Einsatz können ihre robuste Bauweise und ihre Eigenschaften weiterhin sinnvoll sein.
Mögliche Einsatzgründe können sein:
- bestimmte schwere Arbeitsbedingungen
- hohe mechanische Beanspruchung
- kurze Fahrwege
- geringe Geschwindigkeit
- bestimmte Maschinen- und Felgenkonzepte
Die Entscheidung Radial oder Diagonal sollte nicht nach einem pauschalen Qualitätsurteil getroffen werden.
Tragfähigkeit bei Baumaschinenreifen richtig verstehen
Bei Pkw denkt man bei Tragfähigkeit häufig zuerst an den Load Index. Bei großen Baumaschinenreifen wird die Belastbarkeit deutlich stärker über die konkrete Reifengröße, Ausführung, den Reifenfülldruck und den Maschineneinsatz betrachtet.
Wichtige Faktoren sind:
Maschinengewicht
Das Leergewicht ist nur die Ausgangsbasis.
Nutzlast
Beim Radlader verändert die Schaufellast die tatsächlichen Achslasten.
Anbaugerät
Beim Mobilbagger beeinflussen Löffel, Greifer oder andere Werkzeuge die Belastung.
Reifenfülldruck
Die tragbare Last steht bei Luftreifen in direktem Zusammenhang mit dem vorgesehenen Betriebsdruck.
Geschwindigkeit
Mit zunehmender Geschwindigkeit verändert sich die thermische Belastung des Reifens.
Einsatz
Arbeiten im Stand, Ladezyklen und Transportfahrten müssen unterschiedlich betrachtet werden.
Warum die Schaufellast beim Radlader wichtig ist
Ein unbeladener Radlader und derselbe Radlader mit voller Schaufel erzeugen nicht dieselbe Radlast.
Beim Einfahren in Material, Anheben der Schaufel und Transportieren der Ladung verschieben sich Kräfte innerhalb der Maschine.
Die tatsächlich auftretenden Lasten im Arbeitszyklus müssen zur Tragfähigkeit und zum Reifenfülldruck passen.
Auch Geschwindigkeit ist bei Baumaschinenreifen eine Belastung
Ein Reifen kann eine hohe Last tragen und trotzdem für einen bestimmten Fahrzyklus ungeeignet sein.
Mit steigender Geschwindigkeit nimmt die Zahl der Walkbewegungen pro Zeit zu. Dadurch kann sich der Reifen stärker erwärmen.
Kurz und langsam
Hohe Lasten können bei bestimmten Reifen in kurzen Arbeitszyklen möglich sein.
Länger und schneller
Bei längeren Transportwegen wird Wärmeentwicklung zunehmend zu einem wichtigen Auswahlkriterium.
Genau deshalb betrachten große Erdbewegungsreifen Leistung nicht nur über eine einzelne Tragfähigkeitszahl.
Warum TKPH/TMPH später ein eigenes Thema bekommt
Bei großen OTR-Reifen spielt die Kombination aus Last, Fahrstrecke und Geschwindigkeit eine besondere Rolle.
Dafür wird unter anderem mit TKPH beziehungsweise TMPH gearbeitet. Das System hilft dabei, die thermische Beanspruchung eines Erdbewegungsreifens im tatsächlichen Einsatz zu beurteilen.
Ein ungeeigneter Reifen kann bei zu hoher thermischer Belastung Schaden nehmen, obwohl Größe und statische Tragfähigkeit auf den ersten Blick passend erscheinen.
Profilwahl: Traktion oder Schutz?
Bei Baumaschinenreifen gibt es häufig einen Zielkonflikt.
Offenes Profil
Kann auf weichem Boden gute Traktion und Selbstreinigung unterstützen.
Massiveres Profil
Mehr Gummivolumen und größere Blöcke können bei hartem und steinigem Untergrund Vorteile bei Schutz und Verschleiß bieten.
Der Reifen muss zu Untergrund, Arbeitsgeschwindigkeit, Fahranteil und Verletzungsrisiko passen.
Baustelle, Recyclinghof oder Steinbruch – drei völlig verschiedene Reifenleben
Baustelle
Wechselnde Böden, Erde, Schotter und teilweise befestigte Fahrwege verlangen einen vielseitigen Reifen.
Recyclingbetrieb
Scharfkantige Materialien, Metallreste und harte Wendemanöver können das Verletzungsrisiko erhöhen.
Steinbruch
Fels, scharfkantiges Gestein und hohe Lasten verlangen besonders robuste Profile und Konstruktionen.
Ein Radlader kann je nach Einsatzort eine vollkommen andere optimale Bereifung benötigen.
Warum besonders tiefe Profile nicht automatisch länger halten
Mehr Profiltiefe bedeutet zunächst mehr verschleißbares Gummivolumen. Daraus folgt jedoch nicht automatisch eine längere Lebensdauer in jeder Anwendung.
Ein sehr tiefes Profil kann bei ungeeigneten Fahrzyklen:
- stärker walken
- mehr Wärme erzeugen
- ein anderes Fahrgefühl entwickeln
- für schnelle oder längere Fahrten weniger passend sein
Die richtige Profiltiefe ist deshalb ein technischer Kompromiss und keine einfache Frage nach möglichst viel Material.
Reifenfülldruck bei Bagger und Radlader
Der Reifenfülldruck ist bei schweren Baumaschinen ein zentraler Bestandteil der Tragfähigkeit.
Ein pauschaler Druckwert für „einen Radladerreifen“ oder „einen Baggerreifen“ wäre fachlich falsch.
Reifengröße
Jede Reifenausführung besitzt eigene Last-Druck-Zuordnungen.
Maschinenlast
Achslast und tatsächliche Arbeitslast müssen bekannt sein.
Einsatzart
Laden, Transportieren und Arbeiten im Stand können unterschiedliche Anforderungen erzeugen.
Entscheidend sind die Last-Druck-Angaben des Reifenherstellers und die Vorgaben für die konkrete Maschine.
Zu wenig Luftdruck ist bei schweren Maschinen besonders kritisch
Wird ein Reifen unter hoher Last mit zu niedrigem Druck betrieben, nimmt seine Verformung zu.
Mögliche Folgen sind:
- stärkere Walkarbeit
- höhere Temperatur
- stärkere Flankenbeanspruchung
- veränderte Aufstandsfläche
- erhöhter Verschleiß
- mögliche strukturelle Überlastung
Im Gegenteil: Lasten und Einsatzdauer können die Auswirkungen erheblich verstärken.
Zu hoher Luftdruck ist ebenfalls nicht automatisch besser
Mehr Luftdruck bedeutet nicht pauschal mehr Sicherheit.
Ein unnötig hoher Reifenfülldruck kann unter anderem:
- die Aufstandsfläche verändern
- den Fahrkomfort verschlechtern
- Traktion auf bestimmten Untergründen beeinflussen
- Stoßbelastungen stärker in Reifen und Maschine übertragen
Er sollte weder möglichst niedrig noch möglichst hoch sein, sondern zur tatsächlichen Maschinenbelastung passen.
Schnitte und Profilausbrüche gehören zum typischen Schadensrisiko
Bagger- und Radladerreifen arbeiten häufig dort, wo Pkw-Reifen niemals eingesetzt würden.
Scharfer Stein
Kann Lauffläche und Profilblöcke anschneiden.
Abbruchmaterial
Metall, Beton und scharfkantiges Material erhöhen das Verletzungsrisiko.
Seitlicher Kontakt
Flanken können an Steinen, Kanten oder anderen Hindernissen beschädigt werden.
Karkasse, Flanke und Profil bleiben hoch belastete Bauteile. Tiefe Schnitte oder sichtbare strukturelle Schäden müssen fachlich beurteilt werden.
Schlauchlos, mit Schlauch oder mit Wulstband?
Je nach Reifengröße, Felgenkonstruktion und Reifenausführung können bei Baumaschinen unterschiedliche Systeme vorkommen.
Tubeless
Schlauchlose Reifen dichten über Reifenwulst und Felge ab.
Tube Type
Bei entsprechenden Ausführungen übernimmt ein Schlauch die Luftabdichtung.
Wulstband
Bei bestimmten mehrteiligen Felgen schützt ein Wulstband den Schlauch vor Kontakt mit Felgenteilen.
Ob Schlauch, schlauchlos oder Wulstband benötigt werden, ergibt sich aus Reifen- und Felgenausführung.
Die Felge gehört zur Reifenbeurteilung dazu
Große Baumaschinenreifen können auf unterschiedlichen Felgenkonstruktionen eingesetzt werden. Besonders bei großen Erdbewegungsreifen kommen neben einteiligen auch mehrteilige Felgensysteme vor.
Für die Auswahl sind unter anderem wichtig:
- Felgendurchmesser
- Felgenbreite
- Felgenkontur
- Reifenbauart
- Tube-Type- oder Tubeless-Ausführung
- Freigabe der Kombination
Ein großer Baumaschinenreifen muss zur vorgesehenen Felgenkontur und Felgenbreite passen.
Wie wählt man einen Bagger- oder Radladerreifen sinnvoll aus?
Eine sinnvolle Reifenauswahl beginnt nicht beim Markenlogo und auch nicht beim Preis.
1. Maschine
Mobilbagger, Radlader oder andere Erdbewegungsmaschine eindeutig bestimmen.
2. Reifengröße
Vorhandene und freigegebene Dimension vollständig prüfen.
3. Last
Maschinengewicht, Nutzlast und tatsächliche Achslasten berücksichtigen.
4. Untergrund
Erde, Schlamm, Fels, Schotter oder befestigte Fläche einordnen.
5. Fahranteil
Kurze Ladezyklen und längere Transportwege unterscheiden.
6. Schadensrisiko
Schnitte, Stiche und Seitenwandkontakt realistisch berücksichtigen.
7. Profil
Traktion, Verschleißschutz und Wärmeentwicklung gegeneinander abwägen.
8. Reifendruck
Passende Last-Druck-Zuordnung des Herstellers verwenden.
Typische Fehlannahmen bei Bagger- und Radladerreifen
| Behauptung | Richtige Einordnung |
|---|---|
| „Bagger- und Radladerreifen sind im Grunde dasselbe.“ | Nein. Die unterschiedlichen Arbeitszyklen erzeugen unterschiedliche Anforderungen. |
| „Wenn die Größe passt, passt auch der Reifen.“ | Nein. Tragfähigkeit, Bauart, Profil, Einsatzklasse und Geschwindigkeit müssen ebenfalls berücksichtigt werden. |
| „L5 ist immer besser als L3.“ | Nein. Die Profilklasse muss zum Untergrund und Arbeitszyklus passen. |
| „Radial ist grundsätzlich besser als diagonal.“ | Nein. Beide Bauarten können abhängig vom Einsatz Vorteile besitzen. |
| „Je grober das Profil, desto besser die Traktion.“ | Zu pauschal. Untergrund, Blockgestaltung und Selbstreinigung entscheiden mit. |
| „Mehr Reifendruck ist bei schweren Maschinen sicherer.“ | Nein. Der Druck muss zur tatsächlichen Last und zur Herstellerangabe passen. |
| „Ein tieferes Profil hält immer länger.“ | Nicht zwangsläufig. Wärmeentwicklung und Fahrzyklus können die Lebensdauer stark beeinflussen. |
| „Das Leergewicht der Maschine reicht zur Reifenauswahl.“ | Nein. Nutzlast, Schaufel, Anbaugeräte und dynamische Lastverschiebung gehören zur Betrachtung. |
Bagger- und Radladerreifen bei FT Reifen
Die passende Bereifung richtet sich nach Maschine, Reifengröße, Tragfähigkeit, Untergrund und tatsächlichem Einsatz.
Häufige Fragen zu Bagger- und Radladerreifen
Sind Baggerreifen und Radladerreifen dasselbe?
Nein. Auch wenn Größen und Konstruktionen teilweise ähnlich wirken können, unterscheiden sich die Arbeitszyklen von Mobilbagger und Radlader deutlich. Der Reifen muss deshalb immer zum tatsächlichen Maschineneinsatz passen.
Warum benötigen Radlader besonders viel Traktion?
Beim Einfahren der Schaufel in Erde, Schotter oder anderes Material muss der Reifen hohe Antriebskräfte auf den Untergrund übertragen.
Warum werden Radladerreifen beim Lenken stark belastet?
Radlader wenden häufig auf engem Raum und lenken dabei teilweise unter hoher Last. Dadurch entstehen erhebliche Quer- und Scherkräfte an Profil und Karkasse.
Warum kann ein Mobilbagger andere Reifen benötigen als ein Radlader?
Ein Mobilbagger arbeitet häufig längere Zeit aus einer Position und belastet seine Reifen durch Maschinengewicht, Auslegerstellung und Anbaugeräte anders als ein Radlader mit permanenten Lade- und Fahrzyklen.
Was bedeutet L bei einem Radladerreifen?
Die L-Klassifizierung wird bei Erdbewegungsreifen für Loader- und Dozer-Anwendungen verwendet. Dahinter folgen unterschiedliche Profil- beziehungsweise Einsatzklassen wie L2, L3, L4 oder L5.
Ist L5 besser als L3?
Nein. L5 besitzt ein deutlich tieferes Profil und ist für andere Einsatzbedingungen gedacht. Mehr Profiltiefe ist nicht in jedem Arbeitszyklus automatisch vorteilhaft.
Was ist der Unterschied zwischen Radial- und Diagonalreifen?
Bei Radialreifen verlaufen die Karkassfäden im Wesentlichen radial von Wulst zu Wulst. Bei Diagonalreifen kreuzen sich mehrere schräg verlaufende Karkasslagen. Dadurch entstehen unterschiedliche Eigenschaften bei Fahrkomfort, Wärmeentwicklung, Stabilität und Robustheit.
Sind Radialreifen immer die bessere Wahl?
Nein. Die geeignete Bauart hängt von Maschine, Untergrund, Geschwindigkeit, Fahrstrecke und Verletzungsrisiko ab.
Welches Profil ist für weichen Boden geeignet?
Auf weichem oder schlammigem Untergrund sind Traktion und Selbstreinigung besonders wichtig. Offene Profilstrukturen können hier Vorteile bieten.
Welches Profil eignet sich für einen Steinbruch?
Bei hartem und scharfkantigem Gestein werden Widerstand gegen Schnitte, robustes Profil und ausreichendes Gummivolumen wichtiger. Die konkrete Profilklasse muss jedoch zum gesamten Arbeitszyklus passen.
Warum ist Reifendruck bei einem Radlader so wichtig?
Der Luftdruck beeinflusst Tragfähigkeit, Reifenverformung, Wärmeentwicklung, Traktion und Verschleiß. Er muss zur tatsächlichen Maschinen- und Schaufellast passen.
Kann ich einfach den maximalen Druck von der Reifenflanke verwenden?
Nein. Ein Maximalwert ist keine allgemeine Betriebsempfehlung. Maßgeblich sind die Last-Druck-Angaben des Reifenherstellers und die Anforderungen der Maschine.
Warum spielt Wärmeentwicklung bei großen Erdbewegungsreifen eine Rolle?
Reifen verformen sich während jeder Radumdrehung. Last, Geschwindigkeit und Fahrstrecke beeinflussen dadurch die thermische Beanspruchung.
Was bedeutet TKPH beziehungsweise TMPH?
TKPH und TMPH sind Kennwerte zur Beurteilung der Belastung großer Erdbewegungsreifen aus Last und Geschwindigkeit beziehungsweise Einsatzzyklus. Dieses Thema behandeln wir separat ausführlicher.
Können Bagger- und Radladerreifen mit Schlauch gefahren werden?
Das hängt von Reifen- und Felgenausführung ab. Es gibt schlauchlose sowie entsprechende Tube-Type-Systeme. Bei bestimmten mehrteiligen Felgen können zusätzlich Wulstbänder erforderlich sein.
Kann dieselbe Radladergröße mit verschiedenen Profilen angeboten werden?
Ja. Gerade bei Erdbewegungsreifen gibt es häufig mehrere Profile und Einsatzklassen innerhalb derselben Grunddimension, weil Untergrund und Arbeitszyklus sehr unterschiedlich sein können.
Warum reicht die Reifengröße bei der Bestellung nicht aus?
Zur richtigen Auswahl gehören neben der Dimension unter anderem Bauart, Profil, Einsatzklasse, Tragfähigkeit, Maschinenart, Fahranteil und Untergrund.
Technischer Hinweis
Diese FT Wissenswelt erklärt die grundlegenden Unterschiede zwischen Reifen für bereifte Bagger beziehungsweise Mobilbagger und Radlader. Die konkrete Reifenauswahl, Tragfähigkeit, Profilklasse und der Reifenfülldruck richten sich nach Maschine, Reifengröße, Felge, Last, Geschwindigkeit, Arbeitszyklus und den technischen Vorgaben des jeweiligen Reifen- und Maschinenherstellers.
Bagger- und Radladerreifen sehen ähnlich aus – arbeiten aber unter unterschiedlichen Bedingungen
Beim Radlader stehen Traktion, Ladezyklen, Lastwechsel, Lenkkräfte und Wärmeentwicklung besonders im Vordergrund. Beim Mobilbagger prägen Maschinengewicht, Arbeitsposition, Anbaugerät, Standphasen und Fahranteile die Belastung.
Deshalb beginnt die richtige Reifenauswahl nicht mit der Frage „Welche Größe steht auf dem Reifen?“, sondern mit der Frage: Was muss dieser Reifen auf genau dieser Maschine jeden Tag leisten?
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