FT Praxiswelt Mopedreifen
FT Praxiswelt – Mopedreifen
Mopedreifen montieren: Schlauch, Felgenband und Speichenrad richtig prüfen
Viele klassische Mopeds, Mofas, Mokicks und Kleinkrafträder besitzen kleine Speichenräder mit Schlauchbereifung. Bei der Reifenmontage geht es deshalb nicht nur darum, einen neuen Reifen auf die Felge zu bekommen. Reifen, Schlauch, Felgenband, Speichen, Felge, Ventil, Laufrichtung und Rundlauf müssen als komplette Einheit betrachtet werden.
Gerade bei älteren Fahrzeugen von Kreidler, Zündapp, Simson, Hercules, Puch, Sachs und vergleichbaren Herstellern kommen häufig jahrzehntealte Felgen, Rost, gealterte Schläuche, beschädigte Felgenbänder oder ungleichmäßig gespannte Speichen hinzu.
Wichtiger Sicherheitshinweis zur Mopedreifen-Montage
Reifen, Schlauch, Felge, Speichen, Radlager, Bremse und Radbefestigung sind sicherheitsrelevante Bauteile. Montagefehler können zu Schlauchschäden, schleichendem Luftverlust, unrundem Lauf oder plötzlichem Druckverlust führen.
Wer bei Reifengröße, Felgenzustand, Speichenspannung, Schlauchwahl, Wulstsitz oder Radmontage unsicher ist, sollte die Arbeit fachgerecht durchführen lassen.
Reifen-, Schlauch-, Felgen- und Fahrzeughersteller können unterschiedliche Anforderungen an Montage, Reifenfülldruck und Wulstsitz vorgeben. Diese Vorgaben haben Vorrang vor allgemeinen Richtwerten.
Warum Mopedreifen besondere Sorgfalt bei der Montage verlangen
Kleine Felgen
Der geringe Felgendurchmesser und teilweise straffe Reifenwülste können die Handmontage anspruchsvoller machen.
Schlauchbereifung
Der Schlauch kann während der Montage zwischen Reifenwulst, Felge und Montierhebel eingeklemmt werden.
Alte Speichenräder
Rost, beschädigte Felgenbänder, lockere Speichen und Felgenschlag sind bei älteren Mopeds typische zusätzliche Prüfpunkte.
Der neue Mopedreifen ist nur ein Teil der Arbeit. Eine fachgerechte Montage entsteht durch die gemeinsame Prüfung von Reifen, Schlauch, Felgenband, Speichen, Felge, Ventil und Rundlauf.
1. Das richtige Werkzeug verwenden
Viele Montagebeschädigungen entstehen durch ungeeignetes Werkzeug oder unnötig hohe Hebelkräfte.
Sinnvolle Ausrüstung
- geeignete abgerundete Montierhebel
- Felgenschutz bei empfindlichen Felgen
- Ventileinsatzdreher
- geeignetes Reifenmontagefluid oder Montagepaste
- geeignete Abdrückmöglichkeit
- zuverlässiger Reifenfülldruckprüfer
- Drehmomentschlüssel für die Radmontage
Für die Felgenprüfung
- Bürste
- geeignetes Schleifvlies
- saubere Tücher
- gute Beleuchtung
- gegebenenfalls Hilfsmittel zur Rundlaufkontrolle
Öl, Fett oder andere nicht für die Reifenmontage vorgesehene Mittel gehören nicht an Reifenwulst und Felge. Verwendet werden sollten geeignete Reifenmontageprodukte.
2. Vor dem Radausbau die Einbausituation dokumentieren
Gerade bei älteren Mopeds können Distanzhülsen, Kettenspanner, Bremsanker, Tachowellenantrieb und weitere Kleinteile nach dem Ausbau leicht verwechselt werden.
- Einbaulage der Distanzhülsen fotografieren oder merken
- Kettenspanner und vorhandene Markierungen beachten
- Bremszug beziehungsweise Bremsgestänge korrekt lösen
- Tachowellenantrieb am Vorderrad berücksichtigen
- Radachse, Muttern und Scheiben geordnet ablegen
- Laufrichtung des montierten Reifens dokumentieren
Ein Foto vor der Demontage kann später mehr helfen als die Erinnerung daran, wo welche Distanzhülse gesessen hat.
3. Luft vollständig ablassen und Ventilmutter lösen
Vor der Reifendemontage muss die Luft vollständig aus dem Schlauch entfernt werden. Bei entsprechenden Schlauchventilen wird auch die außen sitzende Ventilmutter gelöst beziehungsweise entfernt.
Ventil zugänglich machen.
Luft vollständig aus dem Schlauch entweichen lassen.
Das Ventil darf den Schlauch bei der späteren Demontage nicht an der Felge festhalten.
Dadurch erhält der Schlauch im Ventilbereich Bewegungsfreiheit.
Ein festgehaltener Schlauch kann im Bereich des Ventilfußes beschädigt werden.
4. Reifenwulst auf beiden Seiten vollständig lösen
Bevor mit Montierhebeln gearbeitet wird, muss der Reifenwulst rundum von beiden Felgenseiten gelöst werden.
- Wulst vollständig rundum abdrücken
- beide Reifenseiten lösen
- nicht nur punktuell an einer Stelle arbeiten
- Felgenhorn nicht mit scharfkantigem Werkzeug beschädigen
- Schlauch bei der Arbeit berücksichtigen
Nicht ein besonders langer Montierhebel macht die Arbeit leicht. Entscheidend sind ein vollständig gelöster Wulst und später das konsequente Nutzen des tiefen Felgenbetts.
5. Geeignetes Montagefluid reduziert die notwendige Kraft
Ist der Wulst vollständig gelöst, kann geeignetes Reifenmontagefluid beziehungsweise Montagepaste die Reibung zwischen Reifen und Felge reduzieren.
Bei der Demontage
- Wulst zuerst vollständig lösen
- Montageprodukt sparsam anwenden
- Wulst rundum benetzen
- anschließend schrittweise demontieren
Bei der Montage
Ein ausreichend benetzter Reifenwulst gleitet leichter über das Felgenhorn und kann sich anschließend gleichmäßiger an der vorgesehenen Position setzen.
Steigt der notwendige Kraftaufwand plötzlich stark an, sollte kontrolliert werden, ob der gegenüberliegende Reifenwulst tatsächlich im tiefen Felgenbett liegt.
6. Erste Reifenflanke in kleinen Schritten demontieren
Der gegenüberliegende Teil des Reifenwulstes muss möglichst tief in das Felgenbett gedrückt werden. Dadurch steht auf der Montageseite mehr Spiel zur Verfügung.
- gegenüberliegenden Wulst ins Tiefbett drücken
- mit kleinen Montageschritten arbeiten
- Montierhebel nicht unnötig weit einführen
- Position des Schlauchs berücksichtigen
- Felgenhorn schützen
Je größer der einzelne Hebelschritt, desto höher das Risiko, Reifenwulst, Schlauch oder Felge zu beschädigen.
7. Schlauch vorsichtig aus dem Reifen nehmen
Ist die erste Reifenflanke vollständig über das Felgenhorn gehoben, kann der Schlauch herausgenommen werden.
Beim Herausnehmen
- Ventil vorsichtig durch die Felgenbohrung führen
- Schlauch Stück für Stück herausnehmen
- nicht am Ventil ziehen
- keine weiteren Montageschäden verursachen
Alten Schlauch prüfen
- Scheuerstellen
- Flicken
- poröse Bereiche
- Falten
- beschädigten Ventilfuß
Bei unbekanntem Alter, porösem Material, beschädigtem Ventilfuß oder mehreren alten Reparaturstellen sollte die weitere Verwendung kritisch beurteilt werden.
8. Zweite Reifenflanke entfernen
Nach dem Herausnehmen des Schlauchs kann die zweite Reifenflanke über das Felgenhorn geführt werden.
- Wulst bei Bedarf erneut mit geeignetem Montageprodukt benetzen
- gegenüberliegende Seite ins Felgenbett drücken
- Reifen schrittweise von der Felge lösen
- Felge nicht mit unnötiger Gewalt belasten
Anschließend ist das Felgenbett vollständig zugänglich und kann vor der Montage des neuen Reifens geprüft werden.
9. Rost im Felgenbett nicht unterschätzen
Bei jahrzehntealten Mopedfelgen sind Rost, abgelöste Beschichtungen und raue Stellen keine Seltenheit. Besonders bei Schlauchbereifung kann das problematisch werden.
Felgenbett prüfen
- losen Oberflächenrost entfernen
- Rostschuppen beseitigen
- scharfe Kanten suchen
- raue Scheuerstellen glätten
- Ventilbohrung kontrollieren
Felgenhorn prüfen
- Korrosion
- Kerben
- Verformung
- scharfe Beschädigungen
- tiefe Rostnarben
Oberflächenrost an Stahlfelgen lässt sich häufig entfernen. Entscheidend ist anschließend, ob eine glatte und technisch einwandfreie Oberfläche vorhanden ist oder ob Korrosion bereits zu tieferen Materialschäden geführt hat.
Die Oberfläche kann zusätzlich vorsichtig auf auffällige Rauheit kontrolliert werden. Bei scharfen Rostkanten oder beschädigtem Metall nicht ungeschützt darüberfahren.
10. Wann eine korrodierte Mopedfelge genauer beurteilt werden muss
- tiefe Rostnarben vorhanden sind
- Felgenmaterial sichtbar stark geschwächt ist
- Risse an Speichenbohrungen erkennbar sind
- Ventilloch eingerissen oder stark korrodiert ist
- Felgenhorn deutlich verformt ist
- Beschichtung scharfkantig abplatzt
- starker Seiten- oder Höhenschlag vorhanden ist
Ist die Felge strukturell oder geometrisch auffällig, muss dieser Zustand vor der Reifenmontage fachlich beurteilt werden.
11. Speichen und Rundlauf vor der Reifenmontage kontrollieren
Bei einem Speichenrad sollte geprüft werden, ob Speichen fehlen, gebrochen, stark korrodiert oder auffällig locker sind.
Speichen prüfen
- gebrochene Speichen
- fehlende Speichen
- starke Korrosion
- lockere Speichen
- auffällige Speichennippel
Felgenlauf prüfen
- Seitenschlag
- Höhenschlag
- sichtbarer „Achter“
- ungleichmäßige Zentrierung
Unterschiedlich klingende Speichen können auf unterschiedliche Spannung hinweisen. Eine solche Prüfung ersetzt jedoch keine fachgerechte Kontrolle und Zentrierung des Speichenrades.
12. Speichen nicht wahllos nachziehen
Die Spannung der einzelnen Speichen beeinflusst die gesamte Form der Felge. Wird eine einzelne Speiche ohne Kenntnis der Gesamtspannung stark nachgezogen, kann sich der Rundlauf verändern.
Seitenschlag
Die Felge läuft seitlich hin und her.
Höhenschlag
Die Felge läuft radial nicht gleichmäßig rund.
Versetzte Felge
Eine ungleichmäßige Speichenspannung kann auch die Position der Felge zur Radnabe beeinflussen.
Sind mehrere Speichen locker, gebrochen oder stark korrodiert oder besitzt die Felge bereits deutlichen Schlag, sollte das Problem vor der Montage eines neuen Reifens behoben werden.
13. Felgenband richtig auswählen und montieren
Das Felgenband trennt den Schlauch von Speichennippeln, Bohrungen und anderen Bereichen des Felgenbetts.
- zum Felgendurchmesser passende Ausführung verwenden
- passende Breite wählen
- Speichennippel zuverlässig abdecken
- Ventilloch sauber ausrichten
- Felgenband nicht verdrehen
- Risse und Verhärtung kontrollieren
- beschädigtes oder verrutschtes Felgenband erneuern
Zu schmal kann Speichennippel freilegen, zu breit oder schlecht positioniert kann Falten bilden. Das Felgenband muss sauber im Felgenbett liegen.
14. Passenden Schlauch auswählen
Schlauchgröße und Ventilausführung müssen zu Reifen und Felge passen. Ein ungeeigneter Schlauch kann sich im Reifen falten, überdehnen oder mechanisch belastet werden.
Größe prüfen
- zulässigen Reifengrößenbereich
- Felgendurchmesser
- Reifenbreite
- Herstellerangaben
Ventil prüfen
- Ventilart
- Ventilwinkel
- Ventildurchmesser
- Passung zur Felgenbohrung
Der Schlauch kann vor dem Einlegen leicht vorgeformt werden. Er soll lediglich seine Form annehmen und nicht bereits stark aufgepumpt sein. Dadurch lässt er sich meist faltenfreier einlegen und ist beim Montieren leichter zu kontrollieren.
15. Laufrichtung, Vorder-/Hinterrad und Reifengröße vor der Montage prüfen
Bevor der neue Reifen auf die Felge kommt, sollten sämtliche Kennzeichnungen noch einmal kontrolliert werden.
- Reifengröße
- Tragfähigkeits- und Geschwindigkeitskennung
- Laufrichtungspfeil
- Front-/Rear-Kennzeichnung
- gegebenenfalls unterschiedliche Pfeile für Vorder- und Hinterradeinsatz
- TT-/TL-Ausführung und erforderliche Schlauchverwendung
Entscheidend sind die Kennzeichnungen und Vorgaben des Reifenherstellers.
16. Erste Reifenflanke montieren
Reifenwulst und Felgenbereich werden mit geeignetem Montageprodukt vorbereitet. Anschließend wird die erste Reifenflanke möglichst weit von Hand montiert.
- Felge und Reifen sauber halten
- geeignetes Montageprodukt verwenden
- Reifenwulst nicht trocken über die Felge zwingen
- gegenüberliegenden Bereich tief ins Felgenbett drücken
- nur kleine Hebelschritte verwenden
Je konsequenter der gegenüberliegende Reifenwulst im tiefen Felgenbett liegt, desto weniger Kraft wird am Montierhebel benötigt.
17. Schlauch einsetzen und Ventil spannungsfrei ausrichten
Nach der ersten Reifenflanke wird der leicht vorgeformte Schlauch gleichmäßig in den Reifen eingelegt.
- Ventil vorsichtig durch die Felgenbohrung führen
- Schlauch rundum gleichmäßig einlegen
- Verdrehungen vermeiden
- Falten vermeiden
- Schlauch nicht zwischen Reifenwulst und Felge einklemmen
- Ventil möglichst gerade ausrichten
Steht das Ventil nach dem Einlegen deutlich schräg, kann der Schlauch verdreht oder unter Spannung montiert sein. Die Ursache muss korrigiert werden.
18. Zweite Reifenflanke: hier entstehen besonders häufig Schlauchschäden
Beim Montieren des zweiten Wulstes muss besonders darauf geachtet werden, den Schlauch nicht mit dem Montierhebel zu erfassen.
Richtig arbeiten
- gegenüberliegenden Wulst ins Tiefbett drücken
- kleine Montageschritte
- Hebel nur so weit wie erforderlich einführen
- Schlauchposition kontrollieren
- bei Bedarf erneut Montageprodukt verwenden
Nicht machen
- letzten Abschnitt mit Gewalt überheben
- langen Hebelweg erzwingen
- Schlauchposition ignorieren
- trockenen Reifenwulst erzwingen
Eine kleine Montageverletzung kann sofortigen Druckverlust verursachen oder sich erst später als schleichende Undichtigkeit bemerkbar machen.
19. Vor dem Befüllen beide Reifenseiten kontrollieren
- kein Schlauch zwischen Wulst und Felge sichtbar
- Ventil steht möglichst spannungsfrei
- Felgenband sitzt korrekt
- Laufrichtung stimmt
- Reifenwulst liegt sauber im Felgenbereich
- keine Montageverletzung sichtbar
Erst danach wird der Reifen kontrolliert befüllt.
20. Reifenwulst setzen: keine pauschale 4-bar-Regel verwenden
Beim Befüllen muss beobachtet werden, ob sich der Reifenwulst auf beiden Reifenseiten gleichmäßig auf der Felge positioniert. Die umlaufende Kontroll- beziehungsweise Montagelinie sollte rundum einen gleichmäßigen Abstand zur Felgenkante zeigen.
Während des Befüllens
- langsam und kontrolliert befüllen
- beide Wülste beobachten
- Montagelinie rundum vergleichen
- auf ungewöhnliche Verformungen achten
- Herstellergrenzen unbedingt beachten
Wenn der Wulst nicht sauber sitzt
- Druck nicht einfach weiter erhöhen
- Luft wieder ablassen
- Ursache suchen
- Wulst erneut lösen
- Montageprodukt erneut anwenden
- Reifen neu positionieren
Für den Setzvorgang gibt es keinen pauschalen Druckwert, der für jeden Mopedreifen und jede Felge verwendet werden sollte. Maßgeblich ist immer die niedrigste zulässige Grenze aus den Vorgaben von Reifen- und Felgenhersteller.
21. Montagelinie beziehungsweise Rim-Linie kontrollieren
Viele Reifen besitzen nahe am Felgenhorn eine umlaufende Kontrolllinie. An ihr lässt sich erkennen, ob der Reifenwulst gleichmäßig auf der Felge sitzt.
Gleichmäßiger Sitz
Der Abstand zwischen Kontrolllinie und Felgenkante ist rundum auf beiden Reifenseiten weitgehend gleichmäßig.
Ungleichmäßiger Sitz
Die Linie verschwindet an einer Stelle nahe der Felge oder liegt an anderer Stelle deutlich weiter entfernt.
Sitzt der Wulst ungleichmäßig, Luft ablassen, Montage korrigieren und anschließend erneut kontrolliert setzen.
22. Nach dem Setzen den vorgeschriebenen Betriebsdruck einstellen
Der zum Setzen des Reifenwulstes verwendete Druck ist nicht automatisch der spätere Fahrdruck.
- Montagelinie beidseitig vollständig prüfen
- Druck anschließend kontrolliert anpassen
- vorgeschriebenen Betriebsdruck einstellen
- Ventil auf Dichtheit prüfen
- Ventilkappe montieren
- Ventilstellung erneut kontrollieren
Ein deutlich schräg stehendes Schlauchventil darf nicht durch Festziehen der Ventilmutter gewaltsam in eine gerade Position gezogen werden.
23. Reifen- und Felgenrundlauf getrennt prüfen
Nach der Montage sollte das Rad frei gedreht und beobachtet werden.
Reifenrundlauf
Montagelinie und Lauffläche beobachten. Ein ungleichmäßig sitzender Reifen kann einen scheinbaren Höhenschlag erzeugen.
Felgenrundlauf
Bei Speichenrädern besonders auf Seiten- und Höhenschlag achten.
Speichenrad
Ein vorhandener „Achter“ wird durch einen neuen Reifen nicht beseitigt.
Dann sollte die Felge beziehungsweise Zentrierung des Speichenrades genauer betrachtet werden.
24. Muss ein Mopedrad ausgewuchtet werden?
Auch ein kleines Mopedrad kann eine Massenunwucht besitzen. Ob ein Auswuchten erforderlich beziehungsweise sinnvoll ist, hängt von Fahrzeug, Geschwindigkeit, Radkonstruktion und vorhandenen Symptomen ab.
Unwucht
Ventil, Schlauch, Reifen und Felge beeinflussen gemeinsam die Massenverteilung des kompletten Rades.
Rundlauffehler
Höhen- oder Seitenschlag ist keine reine Massenunwucht und wird durch Auswuchtgewichte nicht automatisch beseitigt.
Ein ausgewuchtetes Mopedrad kann weiterhin unruhig laufen, wenn Reifen oder Felge geometrisch nicht sauber rund laufen.
25. Rad wieder fachgerecht einbauen
Alle Hülsen, Scheiben und weiteren Bauteile wieder in der vorgesehenen Position montieren.
Bremsanker, Bremszug oder Bremsgestänge korrekt montieren.
Am Vorderrad korrekt einsetzen, sofern vorhanden.
Hinterrad entsprechend der Fahrzeugvorgaben ausrichten.
Nicht ausschließlich auf möglicherweise ungenaue alte Einstellmarkierungen verlassen.
Vorgeschriebenes Anzugsverfahren und Drehmoment des Fahrzeugherstellers beachten.
Vor Fahrtbeginn korrekte Funktion sicherstellen.
26. Kontrolle vor der ersten Fahrt
- Laufrichtung kontrollieren
- Reifenfülldruck kontrollieren
- Ventil und Ventilkappe prüfen
- Montagelinie auf beiden Reifenseiten kontrollieren
- Reifen- und Felgenrundlauf prüfen
- Radbefestigung kontrollieren
- Bremse auf Funktion prüfen
- Kettenflucht und Kettenspannung kontrollieren
- Freigängigkeit zu Schutzblech und weiteren Bauteilen prüfen
Nach der ersten vorsichtigen Fahrt können Reifenfülldruck, Ventilstellung, Montagelinie und Radbereich erneut kontrolliert werden.
27. Neue Mopedreifen vorsichtig kennenlernen
Ein neuer Reifen besitzt häufig eine deutlich andere Kontur als ein über Jahre abgefahrener oder abgeflachter Altreifen. Dadurch kann sich das Einlenkverhalten unmittelbar verändern.
- ruhig beschleunigen
- Bremskraft kontrolliert aufbauen
- Schräglage schrittweise erhöhen
- auf nasser oder verschmutzter Fahrbahn besonders vorsichtig fahren
- verändertes Lenk- und Kurvenverhalten berücksichtigen
Nach einem Reifenwechsel muss sich nicht nur der neue Reifen im Fahrbetrieb bewähren. Auch der Fahrer muss sich häufig an die wieder rundere Reifenkontur und das veränderte Lenkverhalten gewöhnen.
Typische Fehler bei der Mopedreifen-Montage
| Montagefehler | Mögliche Folge | Besser |
|---|---|---|
| Wulst nicht vollständig gelöst | unnötig hohe Hebelkräfte | beide Wülste zuerst rundum lösen |
| Wulst nicht im Felgenbett | letzter Montageabschnitt extrem schwer | gegenüberliegenden Bereich ins Tiefbett drücken |
| ungeeigneter Montierhebel | Schlauch-, Wulst- oder Felgenschaden | geeignetes abgerundetes Werkzeug |
| Rost im Felgenbett übersehen | Schlauch kann scheuern | Felgenbett vollständig prüfen |
| beschädigtes Felgenband weiterverwendet | Schlauchkontakt mit Speichennippeln | passendes intaktes Felgenband |
| Schlauch eingeklemmt | sofortiger oder schleichender Luftverlust | kleine Montageschritte und Schlauchposition prüfen |
| Schlauch verdreht | Ventil steht schräg und unter Spannung | Schlauch spannungsfrei neu positionieren |
| Speichen wahllos nachgezogen | Felge kann sich verziehen | Speichenrad fachgerecht zentrieren |
| Montagelinie nicht kontrolliert | Reifen kann ungleichmäßig sitzen | beide Seiten rundum prüfen |
| Setzdruck immer weiter erhöht | Gefahr von Reifen- oder Felgenschäden | Druck ablassen und Ursache korrigieren |
| Setzdruck als Fahrdruck belassen | falscher Betriebsdruck | nach dem Setzen vorgeschriebenen Fahrdruck einstellen |
| Laufrichtung übersehen | Reifen falsch montiert | Seitenwandkennzeichnung vor Montage prüfen |
| Rad falsch eingebaut | Bremse, Kette oder Radposition fehlerhaft | Einbausituation vor Demontage dokumentieren |
FT Checkliste für die Mopedreifen-Montage
- richtige Reifengröße und Ausführung prüfen
- Laufrichtung beziehungsweise Front-/Rear-Kennzeichnung prüfen
- passenden Schlauch auswählen
- geeignetes Montagewerkzeug verwenden
- Reifenwulst vollständig lösen
- geeignetes Montageprodukt verwenden
- Felgenbett reinigen und auf Korrosion prüfen
- Felgenhorn und Ventilloch kontrollieren
- Speichen und Felgenrundlauf prüfen
- passendes Felgenband montieren
- Schlauch leicht vorformen
- Schlauch nicht einklemmen oder verdrehen
- Ventil spannungsfrei ausrichten
- Reifen kontrolliert setzen
- Herstellergrenze beim Setzen niemals überschreiten
- Montagelinie beidseitig kontrollieren
- vorgeschriebenen Betriebsdruck einstellen
- Reifen- und Felgenrundlauf kontrollieren
- Bremse, Kette und Radbefestigung prüfen
- nach kurzer Probefahrt nochmals kontrollieren
Passendes Wissen aus der FT Wissenswelt
Weitere Grundlagen zu Zweiradreifen, Reifengrößen, Bauarten und Kennzeichnungen finden Sie in unserer FT Wissenswelt.
Ratgeber für Zweiradreifen Grundlagenwissen zu Motorrad-, Roller- und Mopedreifen sowie wichtigen Kennzeichnungen und Auswahlkriterien.Mopedreifen und Zweiradreifen kaufen
Wenn ein alter oder beschädigter Reifen ersetzt werden muss, finden Sie bei FT Reifen passende Mopedreifen und weitere Zweiradreifen.
Service rund um Ihre Bestellung
Informationen zu Auswahl, Bestellung und weiterer Abwicklung finden Sie in unserem Servicebereich.
Ablauf der Bestellung So läuft Ihre Bestellung bei FT Reifen von der Auswahl bis zur weiteren Abwicklung ab.Häufige Fragen zur Mopedreifen-Montage
Warum sollte bei einem alten Moped das Felgenbett vor der Montage geprüft werden?
Rost, scharfe Kanten, beschädigte Beschichtungen oder freiliegende Speichennippel können einen neuen Schlauch beschädigen. Deshalb sollte die Felge vor der Montage sauber und technisch einwandfrei sein.
Warum wird ein neuer Schlauch leicht vorgeformt?
Ein leicht mit Luft gefüllter Schlauch nimmt seine natürliche Form an und lässt sich meist faltenfreier in den Reifen legen. Er darf dabei nicht stark aufgepumpt werden.
Warum darf die Ventilmutter einen schrägen Ventilschaft nicht einfach geradeziehen?
Ein deutlich schräges Ventil kann darauf hinweisen, dass der Schlauch verdreht oder unter Spannung montiert ist. Durch Festziehen der Mutter wird die Ursache nicht beseitigt.
Was zeigt die Rim-Linie beziehungsweise Montagelinie?
Sie dient als optische Kontrolle des Reifenwulsts. Ihr Abstand zur Felgenkante sollte auf beiden Reifenseiten rundum weitgehend gleichmäßig sein.
Wie hoch darf der Setzdruck eines Mopedreifens sein?
Hier sollte kein allgemeiner Pauschalwert verwendet werden. Maßgeblich sind die zulässigen Grenzwerte des konkreten Reifen- und Felgenherstellers. Sitzt der Wulst innerhalb der zulässigen Grenze nicht korrekt, wird der Druck wieder abgelassen und die Ursache behoben.
Warum sollte der Druck nicht immer weiter erhöht werden, wenn der Reifen nicht sauber sitzt?
Ein nicht sauber setzender Wulst kann auf fehlendes Montagefluid, falsche Positionierung, Felgenprobleme oder eine ungeeignete Reifen-/Felgenkombination hinweisen. Mehr Druck beseitigt die Ursache nicht.
Kann man lockere Speichen einfach einzeln nachziehen?
Nicht wahllos. Die Speichenspannung beeinflusst Seiten- und Höhenschlag sowie die Zentrierung der Felge. Bei mehreren auffälligen Speichen sollte das Rad fachgerecht beurteilt und gegebenenfalls zentriert werden.
Warum läuft ein neuer Mopedreifen manchmal unrund?
Mögliche Ursachen sind ein nicht gleichmäßig gesetzter Reifenwulst, eine verzogene Felge, fehlerhafte Speichenspannung oder eine tatsächliche Reifenauffälligkeit. Reifen- und Felgenrundlauf sollten getrennt geprüft werden.
Muss ein Mopedrad ausgewuchtet werden?
Auch ein Mopedrad kann eine Unwucht besitzen. Ob Auswuchten erforderlich oder sinnvoll ist, hängt von Fahrzeug, Geschwindigkeit, Radaufbau und vorhandenem Laufverhalten ab. Ein Höhen- oder Seitenschlag wird durch Auswuchtgewichte jedoch nicht beseitigt.
Sollte nach der ersten Fahrt noch einmal kontrolliert werden?
Ja. Nach einer vorsichtigen Probefahrt können Reifenfülldruck, Montagelinie, Ventilstellung, Radbefestigung und der allgemeine Radlauf erneut kontrolliert werden.
Praxiswissen zur Mopedreifen-Montage
FT Reifen verbindet über 35 Jahre praktische Erfahrung mit verständlichem Wissen rund um Mopedreifen, Schläuche, Felgenbänder, Speichenräder, Reifenmontage und die Beurteilung älterer Zweiradfelgen.
FT-Reifen – der Reifenhändler, der sein Wissen teilt.