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Radial-, Diagonal- und Diagonal-Gürtelreifen beim Motorrad – Aufbau, Unterschiede und Fahrverhalten

FT Wissenswelt – Motorradreifen

Radial-, Diagonal- und Diagonal-Gürtelreifen beim Motorrad – was ist der Unterschied?

Bei Motorradreifen beschreibt die Größenbezeichnung nicht nur Breite, Querschnitt und Felgendurchmesser. Ein R, ein B oder ein Bindestrich innerhalb der Reifengröße gibt einen wichtigen Hinweis auf den inneren Aufbau des Reifens.

Gemeint ist die Karkassenbauart. Sie beeinflusst, wie der Reifen Kräfte aufnimmt, wie sich Lauffläche und Seitenwand verformen und wie der Reifen für Geschwindigkeit, Last und das jeweilige Motorrad ausgelegt werden kann.

R = Radial

Die Karkassenfäden verlaufen im Wesentlichen radial von Wulst zu Wulst. Ein Gürtel stabilisiert den Laufflächenbereich.

- = Diagonal

Mehrere Karkassenlagen verlaufen diagonal und kreuzen sich gegenseitig.

B = Bias-Belted

Diagonal aufgebaute Karkasse mit zusätzlicher Gürtelverstärkung unter der Lauffläche.

Radial, Diagonal und Bias-Belted sind keine verschiedenen Qualitätsstufen. Es sind unterschiedliche konstruktive Konzepte, die zum Motorrad und zur vorgesehenen Bereifung passen müssen.

Was ist die Karkasse eines Motorradreifens?

Die Karkasse bildet einen wesentlichen Teil des tragenden Grundaufbaus eines Reifens.

Sie verläuft zwischen den beiden Reifenwülsten und gibt dem Reifen gemeinsam mit weiteren Bauteilen seine strukturelle Festigkeit.

Welche Aufgaben übernimmt die Karkasse?

Sie wirkt unter anderem daran mit, dass der Reifen:

  • die Fahrzeuglast aufnehmen kann
  • seine vorgesehene Form behält
  • Lenk-, Brems- und Antriebskräfte übertragen kann
  • sich kontrolliert verformen kann
  • mit der Felge ein funktionierendes Gesamtsystem bildet

Warum ist die Richtung der Karkassenfäden so entscheidend?

Weil sich daraus unterschiedliche Steifigkeiten und Verformungseigenschaften ergeben.

Genau darin liegt einer der grundlegenden Unterschiede zwischen Radial- und Diagonalkonstruktion.

Von außen sehen zwei Motorradreifen ähnlich aus. Im Inneren können sie jedoch völlig unterschiedlich aufgebaut sein.

Wie ist ein Diagonalreifen aufgebaut?

Beim Diagonalreifen verlaufen mehrere Karkassenlagen schräg von einem Reifenwulst zum anderen.

Die Fäden der einzelnen Lagen kreuzen sich dabei in unterschiedlichen Richtungen.

Warum heißt diese Bauart diagonal?

Weil die tragenden Gewebelagen nicht annähernd rechtwinklig zur Laufrichtung stehen, sondern diagonal über den Reifenquerschnitt verlaufen.

Vereinfacht dargestellt:

Wulst ↗ Karkassenlage ↖ Karkassenlage ↗ Wulst

Was bewirkt dieser Aufbau?

Bei einer klassischen Diagonalkonstruktion sind Laufflächenbereich und Seitenwand konstruktiv stärker miteinander gekoppelt als bei einem modernen Radialreifen.

Die sich kreuzenden Karkassenlagen können eine vergleichsweise robuste und stabile Seitenwandkonstruktion ermöglichen.

Typische Stärke

Robuster konstruktiver Aufbau mit stabilen Flanken – je nach Reifenausführung beispielsweise interessant bei klassischen Motorrädern, bestimmten Cruisern oder Geländeanwendungen.

Typische Grenze

Die stärkere gegenseitige Beeinflussung von Seitenwand und Lauffläche kann bei höheren Geschwindigkeiten und starker Dauerbelastung zu mehr Verformungsarbeit und Wärme führen.

Woran erkennt man einen Diagonalreifen?

Bei metrischen Motorradreifen-Größen wird die Diagonalbauart typischerweise durch einen Bindestrich an der Stelle gekennzeichnet, an der bei einem Radialreifen ein R steht.

Beispiel:

130/90-16 M/C 67H

130

Nominelle Reifenbreite in Millimetern.

90

Querschnittsverhältnis in Prozent.

-16

Bindestrich = Diagonalbauweise, 16 = Felgendurchmesser in Zoll.

Der Bindestrich ist also nicht nur ein typografisches Trennzeichen. Innerhalb dieser Größenbezeichnung kennzeichnet er die Reifenbauart.

Wie ist ein Radialreifen aufgebaut?

Beim Radialreifen verlaufen die Karkassenfäden im Wesentlichen von einem Wulst zum anderen und annähernd rechtwinklig zur Umfangs- beziehungsweise Fahrtrichtung.

Unter der Lauffläche befindet sich zusätzlich eine Gürtelkonstruktion, die den Laufflächenbereich stabilisiert.

Vereinfacht:

Wulst ↑ Karkasse ↑ Wulst

darüber im Laufflächenbereich:

Gürtel → Stabilisierung der Reifenkrone

Was ist der entscheidende konstruktive Unterschied?

Laufflächenbereich und Seitenwand können bei einer Radialkonstruktion konstruktiv stärker voneinander getrennte Aufgaben übernehmen.

Die Seitenwand kann sich vergleichsweise flexibel verformen, während der Gürtel den Bereich unter der Lauffläche stabilisiert.

Warum ist das bei leistungsstarken Motorrädern interessant?

Bei hohen Geschwindigkeiten wirken starke Fliehkräfte auf den Reifen. Eine geeignete Gürtelkonstruktion begrenzt die Umfangsverformung der Lauffläche und unterstützt die Formstabilität.

Deshalb werden viele moderne leistungsstarke Straßenmotorräder mit Radialreifen entwickelt. Das bedeutet jedoch nicht, dass ein Radialreifen automatisch die richtige Bauart für jedes Motorrad ist.

Woran erkennt man einen Radialreifen?

Radialreifen tragen ein R innerhalb der Größenbezeichnung.

Beispiele:

  • 120/70 R17
  • 160/60 R17
  • 180/55 ZR17
  • 190/55 ZR17

Was bedeutet R bei ZR?

Auch bei einer Größenbezeichnung wie 180/55 ZR17 steht das R für Radialbauweise.

Das vorangestellte Z gehört zur Hochgeschwindigkeitskennzeichnung innerhalb der Größenangabe.

ZR ist deshalb keine eigene vierte Karkassenbauart. Das R innerhalb von ZR kennzeichnet weiterhin einen Radialreifen.

Was ist ein Diagonal-Gürtelreifen oder Bias-Belted-Reifen?

Der Diagonal-Gürtelreifen kombiniert Merkmale der klassischen Diagonalkonstruktion mit einer zusätzlichen Stabilisierung des Laufflächenbereichs.

International wird diese Bauart häufig als Bias-Belted bezeichnet.

Wie ist der Reifen aufgebaut?

Die Karkasse bleibt grundsätzlich diagonal aufgebaut. Zusätzlich befindet sich unter der Lauffläche eine Gürtelkonstruktion.

Damit ergibt sich vereinfacht:

diagonale Karkasse + Gürtel unter der Lauffläche

Warum wurde diese Bauart entwickelt?

Der zusätzliche Gürtel kann den Kronen- beziehungsweise Laufflächenbereich stärker stabilisieren, ohne die diagonale Grundkonstruktion der Karkasse aufzugeben.

Ein Bias-Belted-Reifen ist deshalb weder ein klassischer Diagonalreifen ohne Gürtel noch ein Radialreifen.

Woran erkennt man einen Bias-Belted-Motorradreifen?

Die Bauart wird durch ein B innerhalb der Reifengröße gekennzeichnet.

Beispiel:

150/70 B17 M/C 69H

150/70

Breite und Querschnittsverhältnis.

B

Bias-Belted beziehungsweise Diagonal-Gürtelbauart.

17

Felgendurchmesser in Zoll.

Das B darf nicht mit einer Geschwindigkeitskennzeichnung verwechselt werden. An dieser Position innerhalb der Größenbezeichnung beschreibt es die Bauart des Reifens.

Radial, Diagonal und Bias-Belted direkt verglichen

Merkmal Diagonal Bias-Belted Radial
Kennzeichnung - B R beziehungsweise R innerhalb von ZR
Karkasse Mehrere sich diagonal kreuzende Lagen Diagonal aufgebaute Karkasse Im Wesentlichen radial von Wulst zu Wulst verlaufende Karkasse
Gürtel Klassische Konstruktion ohne separaten Gürtel wie bei Bias-Belted Zusätzlicher Gürtel unter der Lauffläche Stabilisierender Gürtel im Laufflächenbereich
Flanke Konstruktiv stärker mit dem Laufflächenbereich gekoppelt Diagonalcharakter mit zusätzlich stabilisierter Reifenkrone Seitenwand und Laufflächenbereich können konstruktiv stärker getrennte Aufgaben übernehmen
Wärmeverhalten Je nach Belastung höhere Verformungsarbeit möglich Gürtel stabilisiert zusätzlich den Kronenbereich Für hohe Geschwindigkeiten konstruktiv günstige kontrollierte Verformung möglich
Typische Anwendungen Unter anderem klassische Motorräder, Cruiser, bestimmte Enduro-/Offroad- und kleinere Dimensionen Unter anderem bestimmte Cruiser-, Touring- und Spezialanwendungen Viele moderne Sport-, Sport-Touring-, Touring- und leistungsstarke Straßenmotorräder
Die Tabelle beschreibt konstruktive Grundtendenzen. Das tatsächliche Fahrverhalten hängt immer vom konkreten Reifenmodell, Motorrad, Dimension, Felge, Reifenfülldruck und der gesamten Fahrzeugabstimmung ab.

Warum kann ein Radialreifen bei hoher Geschwindigkeit Vorteile haben?

Bei zunehmender Geschwindigkeit steigt die Zahl der Reifenverformungen pro Zeiteinheit erheblich.

Gleichzeitig wirken Fliehkräfte auf die rotierende Reifenstruktur.

Was macht der Gürtel?

Der Gürtel unter der Lauffläche trägt dazu bei, den Kronenbereich zu stabilisieren und die Umfangsverformung zu kontrollieren.

Was passiert in der Seitenwand?

Die radiale Karkassenanordnung ermöglicht eine Konstruktion, bei der die Seitenwand anders arbeiten kann als der stabilisierte Laufflächenbereich.

Warum wirkt sich das auf die Wärmeentwicklung aus?

Jede Verformung eines Reifens verursacht innere Materialbewegung und damit Wärme.

Eine für die jeweilige Geschwindigkeit optimierte Konstruktion kann diese Verformungsarbeit begrenzen.

Der entscheidende Punkt ist nicht „Radial = schnell“, sondern dass die Radialbauweise konstruktiv sehr gut für hoch belastete und hochgeschwindigkeitsfeste Motorradreifen geeignet ist.

Warum werden trotzdem noch Diagonalreifen verwendet?

Die Radialbauart hat den Diagonalreifen nicht vollständig ersetzt.

Motorräder unterscheiden sich erheblich hinsichtlich:

  • Fahrzeuggewicht
  • Felgendurchmesser und Felgenbreite
  • Motorleistung
  • Höchstgeschwindigkeit
  • Fahrwerkskonstruktion
  • Reifendimensionen
  • Straßen- oder Geländeeinsatz

Wo kann eine Diagonalkonstruktion sinnvoll sein?

Beispielsweise bei Fahrzeugkonzepten, bei denen Robustheit, stabile Flanken, bestimmte traditionelle Dimensionen oder spezielle Last- und Einsatzanforderungen eine wichtige Rolle spielen.

Dazu können je nach Fahrzeug unter anderem gehören:

  • klassische Motorräder
  • Oldtimer
  • bestimmte Cruiser
  • bestimmte Enduro- und Offroad-Anwendungen
  • kleinere oder traditionell ausgelegte Reifendimensionen
Dass ein Motorrad ab Werk für Diagonalreifen ausgelegt ist, ist kein technischer Rückstand. Es handelt sich um eine zum Fahrzeugkonzept passende Konstruktionsentscheidung.

Warum werden Bias-Belted-Reifen verwendet?

Die Diagonal-Gürtelbauart ermöglicht eine Kombination aus diagonaler Karkasse und zusätzlicher Stabilisierung im Laufflächenbereich.

Sie kann daher für Motorräder interessant sein, bei denen:

  • eine diagonale Grundkonstruktion vorgesehen ist
  • gleichzeitig die Reifenkrone zusätzlich stabilisiert werden soll
  • besondere Dimensionen oder Fahrzeugkonzepte eine entsprechende Bauart verlangen

Ist Bias-Belted nur eine alte Übergangstechnik?

Historisch liegt die Bauart zwischen klassischem Diagonal- und Radialkonzept. Das bedeutet jedoch nicht, dass moderne Bias-Belted-Reifen technisch überholt wären.

Auch heute werden sie gezielt für bestimmte Motorräder und Anwendungen konstruiert.

Die sinnvolle Reifenbauart ergibt sich aus der Fahrzeug- und Reifenkonstruktion – nicht aus der Frage, welche Technik historisch jünger ist.

Wie beeinflusst die Reifenbauart das Fahrverhalten?

Die Karkassenkonstruktion beeinflusst, wie ein Reifen unter Belastung arbeitet.

Sie ist deshalb ein Baustein des gesamten Fahrverhaltens.

Welche Eigenschaften können beeinflusst werden?

  • Lenkpräzision
  • Eigenschaften beim Einlenken
  • Stabilität bei Geradeausfahrt
  • Verhalten in Schräglage
  • Eigenschaften beim Bremsen
  • Übertragung von Antriebskräften
  • Eigenschaften bei hoher Geschwindigkeit
  • Komfort und Eigendämpfung

Kann man daraus pauschal ableiten, dass eine Bauart besser fährt?

Nein.

Das konkrete Fahrverhalten entsteht aus dem Zusammenspiel von:

Karkasse → Gürtel → Kontur → Gummimischung → Profil → Dimension → Felge → Motorrad.

Deshalb können zwei Radialreifen erheblich unterschiedlicher fahren als ein pauschaler Vergleich „Radial gegen Diagonal“ vermuten lässt.

Reifenbauart und Reifenkontur – zwei verschiedene Dinge

Ein häufiges Missverständnis entsteht dadurch, dass Bauart und äußere Reifenform miteinander vermischt werden.

Bauart

Beschreibt den inneren konstruktiven Aufbau – beispielsweise radial, diagonal oder Bias-Belted.

Kontur

Beschreibt die geometrische Form des Reifenquerschnitts beziehungsweise der Lauffläche.

Beide Eigenschaften beeinflussen das Fahrverhalten, sind aber nicht dasselbe.

Kann ein Radialreifen unterschiedliche Konturen besitzen?

Ja. Hersteller können Radialreifen je nach Einsatzzweck mit sehr unterschiedlichen Konturen entwickeln.

Ein Sportreifen kann anders ausgelegt sein als ein Touring- oder Adventure-Reifen, obwohl alle drei Radialreifen sind.

Die Reifenkontur und ihre Bedeutung für Einlenkverhalten, Schräglage und Aufstandsfläche behandeln wir deshalb separat in der FT Wissenswelt Motorradreifen.

Kann man Radial- und Diagonalreifen einfach gegeneinander austauschen?

Nein, die Bauart sollte nicht allein aufgrund gleicher Größenabmessungen geändert werden.

Beispielsweise sind:

150/70 R17

und

150/70 B17

zwar in Breite, Querschnitt und Felgendurchmesser ähnlich bezeichnet, besitzen aber eine unterschiedliche Karkassenkonstruktion.

Warum reicht die passende Größe nicht aus?

Weil das Motorrad hinsichtlich Fahrwerk, Felgen und Reifenpaarung auf bestimmte Reifeneigenschaften abgestimmt sein kann.

Bei einem Wechsel der Bauart können sich unter anderem ändern:

  • Verformungsverhalten
  • Lenkreaktion
  • Dämpfungsverhalten
  • Stabilität
  • Temperaturverhalten
Eine andere Karkassenbauart sollte deshalb nur verwendet werden, wenn sie für das konkrete Motorrad beziehungsweise die entsprechende Reifenkombination vorgesehen und zulässig ist.

Darf vorne Radial und hinten Diagonal gefahren werden?

Hier ist eine pauschale Antwort gefährlich.

Eine beliebige Mischung unterschiedlicher Reifenbauarten ist beim Motorrad nicht sinnvoll.

Warum?

Vorder- und Hinterreifen wirken gemeinsam auf:

  • Lenkverhalten
  • Stabilität
  • Bremsverhalten
  • Schräglagenverhalten
  • gesamte Fahrwerksabstimmung

Unterschiedliche Karkassenbauarten besitzen unterschiedliche Steifigkeiten und Verformungseigenschaften.

Gibt es Motorräder mit unterschiedlichen Bauarten an Vorder- und Hinterrad?

Bei bestimmten Fahrzeugkonzepten kann eine solche Kombination vom Fahrzeug- beziehungsweise Reifenhersteller ausdrücklich vorgesehen sein.

Entscheidend ist deshalb nicht die pauschale Regel „immer gleich“ oder „Mischen geht“, sondern ausschließlich die für das konkrete Motorrad vorgesehene und zulässige Reifenkombination.

Warum Vorder- und Hinterreifen als System betrachtet werden sollten

Ein Motorrad besitzt nur zwei Reifen und beide haben direkten Einfluss auf Fahrstabilität und Fahrzeugreaktionen.

Der Vorderreifen übernimmt insbesondere Aufgaben bei:

  • Lenkung
  • Seitenführung
  • Bremskraftübertragung

Der Hinterreifen muss zusätzlich einen wesentlichen Teil der Antriebskräfte übertragen.

Was hat das mit der Karkasse zu tun?

Hersteller können Vorder- und Hinterreifen innerhalb einer Reifenfamilie gezielt unterschiedlich konstruieren.

Die dazugehörigen Reifen müssen deshalb nicht einfach nur:

gleiche Marke + gleiches Profil

sein, sondern sind Teil einer abgestimmten Vorder-/Hinterradkombination.

Warum Vorder- und Hinterreifen konstruktiv unterschiedliche Aufgaben erfüllen, behandeln wir ausführlich in Nummer 4 der FT Wissenswelt Motorradreifen.

Welche Rolle spielt die Felge für die Karkassenbauart?

Ein Motorradreifen erhält seine vorgesehene Form erst in Verbindung mit der passenden Felge.

Besonders wichtig sind:

  • Felgendurchmesser
  • Felgenbreite
  • Felgenkonstruktion
  • zulässige Reifenabmessung

Kann derselbe Reifen auf jeder Felgenbreite gefahren werden?

Nein.

Die Felgenbreite beeinflusst die Form des montierten Reifens. Dadurch können sich Kontur und Verformungsverhalten ändern.

Warum ist das bei Motorrädern so wichtig?

Weil ein Motorradreifen während der Kurvenfahrt über große Bereiche seiner gekrümmten Lauffläche arbeitet.

Karkassenbauart und Felge müssen deshalb als zusammengehöriges System betrachtet werden.

Reifenbauart und Wärme – was passiert im Reifen?

Ein Reifen ist während der Fahrt ständig in Bewegung.

Im Bereich der Aufstandsfläche wird er belastet und verformt. Nach dem Verlassen der Aufstandsfläche entspannt sich die Struktur wieder.

Dieser Vorgang wiederholt sich bei jeder Radumdrehung.

Woher kommt die Wärme?

Durch die wiederholte Verformung entsteht innere Reibung beziehungsweise Hysterese im Reifenmaterial.

Die Temperaturentwicklung hängt unter anderem ab von:

  • Reifenkonstruktion
  • Geschwindigkeit
  • Radlast
  • Reifenfülldruck
  • Außentemperatur
  • Fahrweise

Was hat die Karkasse damit zu tun?

Unterschiedliche Karkassenbauarten verformen sich auf unterschiedliche Weise. Dadurch beeinflussen sie auch die Verformungsarbeit und damit das Wärmeverhalten.

Die Reifenbauart ist deshalb nicht nur für das Fahrgefühl relevant, sondern auch für die thermische Auslegung des Reifens.

Radial bedeutet nicht automatisch Sportreifen

Radialreifen werden häufig mit Supersport-Motorrädern in Verbindung gebracht. Die Radialbauweise wird heute jedoch in zahlreichen unterschiedlichen Motorradsegmenten eingesetzt.

Je nach Dimension und Fahrzeug finden sich Radialreifen beispielsweise bei:

  • Supersport-Motorrädern
  • Sport-Touring-Motorrädern
  • Touring-Motorrädern
  • Adventure-Bikes
  • Reiseenduros
  • bestimmten Cruisern

Was diese Reifen voneinander unterscheidet, sind unter anderem:

  • Karkassenabstimmung
  • Gürtelkonstruktion
  • Reifenkontur
  • Profil
  • Gummimischung
„Radial“ beschreibt also die grundlegende Karkassenbauart – nicht automatisch den Einsatzzweck eines Motorradreifens.

Diagonal bedeutet nicht automatisch Oldtimerreifen

Auch das Gegenteil wäre zu einfach.

Diagonalreifen kommen zwar häufig bei klassischen Motorrädern und traditionellen Reifengrößen vor, werden aber auch für moderne Anwendungen produziert.

Dazu können je nach Fahrzeug beispielsweise gehören:

  • Cruiser
  • leichtere Motorräder
  • bestimmte Enduro- und Geländeanwendungen
  • Spezialdimensionen
Die Bezeichnung „Diagonal“ sagt etwas über die Konstruktion aus – nicht automatisch über das Baujahr des Motorrads.

Was ist ein Breaker-Reifen?

Neben Radial-, Diagonal- und Bias-Belted-Reifen gibt es bei Motorradreifen auch die sogenannte Breaker-Konstruktion.

Sie basiert grundsätzlich auf einer Diagonalkarkasse und besitzt eine zusätzliche Verstärkung im Bereich unter der Lauffläche.

Ist das dasselbe wie Bias-Belted?

Nein, auch wenn sich beide Konzepte durch eine zusätzliche Stabilisierung über einer diagonalen Karkasse ähneln.

Beim Bias-Belted-Reifen bildet der Gürtel einen konstruktiv eigenständigen Bestandteil der Auslegung. Der Breaker-Reifen stellt eine andere Form der zusätzlichen Laufflächenverstärkung einer Diagonalkonstruktion dar.

Für die praktische Größenkennzeichnung begegnen Motorradfahrern vor allem R, B und der Bindestrich. Deshalb konzentriert sich dieser Wissensartikel auf diese drei Grundkennzeichnungen.

Welche Bauart ist die beste für ein Motorrad?

Darauf gibt es keine allgemeingültige Antwort.

Die richtige Frage lautet:

Welche Reifenbauart ist für dieses Motorrad, diese Felge, diese Reifengröße und diese vorgesehene Reifenkombination entwickelt beziehungsweise freigegeben?

Radial

Besonders geeignet für viele moderne leistungsstarke Motorräder und hohe Fahrgeschwindigkeiten – sofern vom Fahrzeugkonzept vorgesehen.

Diagonal

Robustes konstruktives Konzept für zahlreiche traditionelle, klassische und spezielle Anwendungen.

Bias-Belted

Kombiniert diagonale Karkasse mit zusätzlicher Gürtelstabilisierung für entsprechend ausgelegte Motorräder.

Die technisch modernste Bauart ist nicht automatisch die beste Wahl, wenn das Motorrad konstruktiv für eine andere Reifenart ausgelegt wurde.

R, B und Bindestrich auf einen Blick

Beispielgröße Kennzeichen Bauart Grundprinzip
130/90-16 - Diagonalreifen Sich kreuzende diagonale Karkassenlagen
150/70 B17 B Diagonal-Gürtel / Bias-Belted Diagonale Karkasse plus zusätzlicher Gürtel
150/70 R17 R Radialreifen Radial ausgerichtete Karkasse mit stabilisiertem Laufflächenbereich
180/55 ZR17 R innerhalb ZR Radialreifen Z = Hochgeschwindigkeitskennzeichnung, R = Radialbauart

Typische Irrtümer über Radial- und Diagonalreifen

Behauptung Richtige Einordnung
„Radialreifen sind immer besser.“ Nein. Die Bauart muss zum Fahrzeugkonzept und zur vorgesehenen Bereifung passen.
„Diagonalreifen sind veraltete Reifen.“ Nein. Die Diagonalbauart wird weiterhin gezielt für bestimmte Motorräder und Anwendungen eingesetzt.
„B bedeutet Radialreifen mit Gürtel.“ Nein. B steht für Bias-Belted: diagonale Karkasse mit zusätzlichem Gürtel.
„ZR ist eine eigene Karkassenbauart.“ Nein. Das R innerhalb von ZR kennzeichnet weiterhin die Radialbauweise.
„Der Bindestrich zwischen 70 und 17 hat keine Bedeutung.“ Doch. Bei einer entsprechenden Größenbezeichnung kennzeichnet er die Diagonalbauweise.
„Gleiche Reifengröße bedeutet gleiche Konstruktion.“ Nein. 150/70 R17 und 150/70 B17 besitzen beispielsweise unterschiedliche Bauarten.
„Radial und Diagonal kann man beliebig mischen.“ Nein. Die Vorder-/Hinterradkombination muss für das konkrete Motorrad vorgesehen und zulässig sein.
„Ein Radialreifen ist automatisch ein Sportreifen.“ Nein. Radialreifen gibt es für zahlreiche Motorradsegmente.
„Ein Diagonalreifen gehört nur auf Oldtimer.“ Nein. Die Bauart findet sich auch bei modernen Motorrädern und speziellen Einsatzbereichen.

Welche Motorradreifen-Bauart passt? Die Reihenfolge entscheidet

Die Auswahl sollte nicht mit der Frage beginnen:

„Radial oder Diagonal – was ist besser?“

Sondern mit:

Motorrad → vorgesehene Reifengröße → Felge → Vorder-/Hinterradzuordnung → vorgesehene Bauart → Load Index → Speed Symbol → zulässige Reifenkombination.

Erst innerhalb dieser technischen Vorgaben wird anschließend das passende Reifenmodell für den gewünschten Einsatz ausgewählt.

R, B und Bindestrich sind deshalb keine nebensächlichen Buchstaben oder Zeichen. Sie kennzeichnen einen grundlegenden Teil der inneren Reifenkonstruktion.

Motorradreifen bei FT-Reifen

Bei FT-Reifen finden Sie Motorradreifen in Radial-, Diagonal- und je nach Dimension auch Bias-Belted-Ausführung für unterschiedliche Motorräder und Einsatzbereiche.

Bei der Auswahl sollten nicht nur die Abmessungen stimmen. Entscheidend sind unter anderem Reifengröße, Bauart, Vorder- oder Hinterradzuordnung, Load Index, Speed Symbol und die für das Motorrad geeignete Reifenkombination.

Motorradreifen ansehen Motorradreifen nach Größe, Hersteller und technischer Ausführung auswählen.

Häufige Fragen zu Radial-, Diagonal- und Bias-Belted-Motorradreifen

Was bedeutet R bei einem Motorradreifen?

R steht für Radialbauweise. Die Karkassenfäden verlaufen dabei im Wesentlichen radial von einem Reifenwulst zum anderen. Der Laufflächenbereich wird zusätzlich durch eine Gürtelkonstruktion stabilisiert.

Was bedeutet der Bindestrich bei einer Motorradreifen-Größe?

Bei Größen wie 130/90-16 kennzeichnet der Bindestrich an dieser Position die Diagonalbauweise des Reifens.

Was bedeutet B bei einem Motorradreifen?

B steht für Bias-Belted beziehungsweise Diagonal-Gürtelbauweise. Der Reifen besitzt eine diagonal aufgebaute Karkasse mit zusätzlicher Gürtelverstärkung unter der Lauffläche.

Was ist der Unterschied zwischen Radial- und Diagonalreifen?

Beim Diagonalreifen kreuzen sich mehrere diagonal verlaufende Karkassenlagen. Beim Radialreifen verlaufen die Karkassenfäden im Wesentlichen radial von Wulst zu Wulst, während ein Gürtel den Laufflächenbereich stabilisiert.

Ist Bias-Belted dasselbe wie Radial?

Nein. Beim Bias-Belted-Reifen bleibt die Karkasse diagonal aufgebaut und wird durch einen zusätzlichen Gürtel ergänzt. Beim Radialreifen besitzt bereits die Karkasse eine grundsätzlich andere Fadenorientierung.

Ist ZR eine eigene Reifenbauart?

Nein. Bei ZR steht Z für eine Hochgeschwindigkeitskennzeichnung innerhalb der Größenbezeichnung und R für die Radialbauweise.

Sind Radialreifen grundsätzlich besser als Diagonalreifen?

Nein. Beide Bauarten erfüllen unterschiedliche konstruktive Anforderungen. Entscheidend ist, welche Reifenkonstruktion für das konkrete Motorrad vorgesehen und geeignet ist.

Darf man Radial- und Diagonalreifen am Motorrad mischen?

Unterschiedliche Bauarten sollten nicht beliebig kombiniert werden. Entscheidend ist die für das konkrete Motorrad vorgesehene und zulässige Vorder-/Hinterradkombination.

Warum werden noch Diagonalreifen hergestellt?

Diagonalreifen bieten für bestimmte Fahrzeugkonzepte, Dimensionen und Einsatzbedingungen passende konstruktive Eigenschaften. Sie werden unter anderem bei klassischen Motorrädern, bestimmten Cruisern und verschiedenen Spezial- oder Geländeanwendungen eingesetzt.

Welche Bauart erkenne ich an 150/70 B17?

Das B innerhalb der Größenbezeichnung kennzeichnet einen Bias-Belted- beziehungsweise Diagonal-Gürtelreifen.

Radial, Diagonal oder Bias-Belted – die Bauart muss zum Motorrad passen

Die drei wichtigsten Kennzeichnungen innerhalb der Motorradreifen-Größe lauten:

- → Diagonalbauweise

B → Diagonal-Gürtel beziehungsweise Bias-Belted

R → Radialbauweise

Dahinter stehen unterschiedliche konstruktive Konzepte für:

Karkasse → Seitenwand → Laufflächenstabilisierung → Verformung → Wärme → Fahrverhalten.

Die richtige Wahl beginnt jedoch nicht bei der Frage, welche Bauart vermeintlich besser ist.

Sie beginnt beim:

Motorrad → Felge → Reifengröße → vorgesehene Bauart → Vorder-/Hinterradkombination → Tragfähigkeit → Geschwindigkeit.

Ein Reifen ist deshalb erst dann die richtige Wahl, wenn seine gesamte Konstruktion zur technischen Abstimmung des Motorrads passt.

FT-Reifen verbindet über 35 Jahre Erfahrung im Reifenhandel mit verständlichem Reifenwissen und praktischer Erfahrung.

FT-Reifen – der Reifenhändler, der sein Wissen teilt.