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Load Index, Speed Symbol und Tragfähigkeit bei Landwirtschaftsreifen

FT Wissenswelt – Landwirtschaftsreifen

Load Index, Speed Symbol und Tragfähigkeit bei Landwirtschaftsreifen

Ein Landwirtschaftsreifen muss nicht nur von der Größe her auf Maschine und Felge passen. Er muss vor allem die tatsächliche Radlast bei der jeweiligen Geschwindigkeit und dem vorgesehenen Reifenfülldruck sicher tragen können.

Dafür findet man auf Landwirtschaftsreifen Kennzeichnungen wie Load Index und Speed Symbol. Diese Angaben sind wichtig – bei Agrarreifen reicht es aber nicht, nur eine Zahl und einen Buchstaben auf der Seitenwand abzulesen.

Landwirtschaftliche Maschinen arbeiten unter sehr unterschiedlichen Bedingungen: langsam auf dem Feld, schneller auf der Straße, mit leerem oder vollem Tank, mit schweren Anbaugeräten oder stark wechselnden Erntelasten. Deshalb muss die Tragfähigkeit immer im Zusammenhang mit dem tatsächlichen Betrieb betrachtet werden.

Load Index

Numerischer Kennwert für eine definierte maximale Reifentragfähigkeit unter den zugehörigen Bedingungen.

Speed Symbol

Buchstabe beziehungsweise Kennzeichnung für die zugehörige Geschwindigkeitskategorie.

Last-/Drucktabelle

Zeigt, welche Last der konkrete Landwirtschaftsreifen bei bestimmten Drücken und Betriebsbedingungen tragen darf.

Die wichtigste Regel: Bei Landwirtschaftsreifen gehören Tragfähigkeit, Geschwindigkeit und Reifenfülldruck zusammen. Einen dieser Werte isoliert zu betrachten, kann zu einer falschen Reifenbewertung führen.

Was bedeutet der Load Index bei Landwirtschaftsreifen?

Der Load Index – kurz LI – ist eine Kennzahl für die Tragfähigkeit eines Reifens.

Die Zahl selbst ist keine Kilogrammangabe.

Erst über die zugehörige standardisierte Load-Index-Tabelle wird aus der Kennzahl eine Tragfähigkeit in Kilogramm.

Warum steht nicht einfach die Kilogrammzahl auf dem Reifen?

Das LI-System ermöglicht eine einheitliche Kennzeichnung über viele Reifengrößen und Einsatzbereiche hinweg.

Ein Load Index von beispielsweise 160 bedeutet also nicht 160 kg. Die LI-Zahl muss immer der entsprechenden Tragfähigkeitstabelle zugeordnet werden.

Was bedeutet das Speed Symbol?

Das Speed Symbol beschreibt die Geschwindigkeitskategorie, auf die sich die entsprechende Tragfähigkeitskennzeichnung bezieht.

Bei Landwirtschaftsreifen sind andere Geschwindigkeitsbereiche üblich als bei klassischen PKW-Reifen.

Typische Speed Symbols im Landwirtschaftsbereich

Speed Symbol Geschwindigkeit
A2 bis 10 km/h
A6 bis 30 km/h
A8 bis 40 km/h
B bis 50 km/h
D bis 65 km/h
Diese Geschwindigkeitskennzeichnung darf nicht getrennt vom Load Index betrachtet werden. Die zulässige Last ist an definierte Betriebsbedingungen gekoppelt.

Wie liest man Load Index und Speed Symbol zusammen?

Auf einem Landwirtschaftsreifen können beispielsweise Angaben nach dem Muster:

160 A8

stehen.

Dabei bedeutet:

160

Load Index – also die standardisierte Tragfähigkeitskennzahl.

A8

Speed Symbol – hier die Geschwindigkeitskategorie bis 40 km/h.

Warum gehören beide Angaben zusammen?

Weil die Belastung eines Reifens auch davon abhängt, wie schnell er betrieben wird.

Ein Reifen, der bei niedriger Geschwindigkeit eine bestimmte Last tragen kann, muss diese Last nicht automatisch unter allen Bedingungen auch bei höherer Geschwindigkeit tragen dürfen.

Warum beeinflusst Geschwindigkeit die Tragfähigkeit?

Bei jeder Radumdrehung wird die Karkasse im Bereich der Bodenaufstandsfläche verformt.

Je schneller die Maschine fährt, desto häufiger findet diese Verformung innerhalb einer bestimmten Zeit statt.

Dadurch steigen unter anderem:

  • Walkarbeit
  • thermische Belastung
  • Anforderungen an die Karkasse
  • Anforderungen an die Fahrstabilität
Geschwindigkeit ist deshalb bei Landwirtschaftsreifen nicht nur eine Frage der Zulassung. Sie beeinflusst unmittelbar die Belastung des Reifens.

Warum ist die Tragfähigkeit im Feld anders zu betrachten als auf der Straße?

Landwirtschaftsreifen arbeiten häufig in zwei sehr unterschiedlichen Welten.

Feld

Niedrigere Geschwindigkeit, weicher Untergrund, hohe Zugkräfte, Bodenschonung und teilweise hohe Radlasten.

Straße

Höhere Geschwindigkeit, längere Fahrstrecken, höhere Wärmeentwicklung und größere Anforderungen an Fahrstabilität.

Deshalb können technische Reifentabellen unterschiedliche Werte für verschiedene Geschwindigkeiten und Betriebsarten enthalten.

Eine auf dem Feld zulässige Last-/Druckkombination darf nicht automatisch auf eine schnelle Straßenfahrt übertragen werden.

Was ist der Unterschied zwischen Radlast und Achslast?

Diese beiden Begriffe werden häufig verwechselt.

Achslast

Die gesamte Last, die auf einer Achse beziehungsweise deren Rädern liegt.

Radlast

Der Lastanteil, den das einzelne Rad und damit der einzelne Reifen tatsächlich tragen muss.

Kann man die Achslast einfach durch zwei teilen?

Bei einer Achse mit zwei gleichmäßig belasteten Einzelrädern kann die halbe Achslast eine brauchbare rechnerische Ausgangsgröße sein.

In der Praxis muss die Last aber nicht immer exakt gleichmäßig verteilt sein.

Einfluss haben beispielsweise:

  • seitlich angeordnete Maschinenkomponenten
  • Arbeitsgeräte
  • Tankfüllungen
  • Hanglage
  • unterschiedliche Beladung
Für eine präzise Reifeneinstellung ist die tatsächliche Belastung der einzelnen Räder beziehungsweise zumindest der Achsen wesentlich aussagekräftiger als eine reine Schätzung.

Warum kann ein Anbaugerät die Radlast stark verändern?

Bei einem Traktor wirkt ein Anbaugerät nicht einfach nur mit seinem Eigengewicht auf die Maschine.

Durch den Abstand zur Achse entsteht eine Hebelwirkung.

Ein schweres Heckgerät kann beispielsweise:

  • die Hinterachslast stark erhöhen
  • gleichzeitig die Vorderachse entlasten
  • eine zusätzliche Frontballastierung erforderlich machen

Bei einem Frontgerät kann sich die Lastverteilung entsprechend in die andere Richtung verändern.

Deshalb sollte die Reifenbelastung in der tatsächlichen Arbeitskonfiguration beurteilt werden – nicht nur beim leeren Traktor ohne Anbaugerät.

Warum ist eine Waage besser als eine Schätzung?

Bei Landwirtschaftsmaschinen können Eigengewicht, Ballastierung, Tankfüllung und Anbaugeräte erhebliche Unterschiede verursachen.

Eine reale Achslastmessung liefert deshalb eine deutlich bessere Grundlage für die Reifenberechnung.

Was sollte möglichst gemessen werden?

  • Vorderachslast
  • Hinterachslast
  • relevanter Beladungszustand
  • typische Arbeitskonfiguration

Bei Maschinen mit stark wechselnden Lasten muss zusätzlich die höchste relevante Betriebslast berücksichtigt werden.

Wer den optimalen Reifenfülldruck bestimmen möchte, braucht zuerst eine möglichst realistische Rad- beziehungsweise Achslast.

Warum reicht der Load Index allein bei Landwirtschaftsreifen nicht aus?

Bei einem PKW wird der Load Index häufig relativ einfach mit der erforderlichen Achslast verglichen.

Bei Landwirtschaftsreifen ist die technische Betrachtung umfangreicher.

Zusätzlich relevant sind:

  • Reifenfülldruck
  • Geschwindigkeit
  • Feld- oder Straßenbetrieb
  • zyklische Belastungen
  • Reifentechnologie
  • Herstellerangaben
Der Load Index ist ein wichtiger Kennwert – die Last-/Drucktabelle zeigt jedoch, wie der konkrete Reifen unter den jeweiligen Bedingungen tatsächlich eingesetzt werden darf.

Was ist eine Last-/Drucktabelle?

Hersteller veröffentlichen für Landwirtschaftsreifen technische Tabellen, in denen Tragfähigkeit und notwendiger Reifenfülldruck miteinander verknüpft werden.

Je nach Tabelle können zusätzlich unterschiedliche Geschwindigkeiten oder Betriebsarten berücksichtigt werden.

Vereinfacht beantwortet die Tabelle die Frage:

Welche Last darf dieser konkrete Reifen bei diesem Reifenfülldruck und dieser Betriebsbedingung tragen?

Oder umgekehrt:

Welchen Reifenfülldruck benötigt dieser Reifen für meine tatsächliche Last?

Wie wird der passende Reifenfülldruck bestimmt?

Ein fachlich sinnvoller Ablauf besteht aus mehreren Schritten.

1. Belastung

Tatsächliche Rad- oder Achslast in der relevanten Arbeitskonfiguration bestimmen.

2. Geschwindigkeit

Die höchste beziehungsweise relevante Betriebsgeschwindigkeit berücksichtigen.

3. Tabelle

Den erforderlichen Druck aus den technischen Daten des konkreten Reifens ermitteln.

Der richtige Reifenfülldruck ist deshalb kein allgemeiner Wert für eine Reifengröße. Er gehört immer zu einer bestimmten Last und Betriebsbedingung.

Warum kann derselbe Reifen unterschiedliche Drücke benötigen?

Ein Traktor kann mit demselben Reifensatz völlig unterschiedliche Arbeiten ausführen.

Beispielsweise:

  • leichte Feldarbeit ohne großes Anbaugerät
  • schwere Bodenbearbeitung
  • Frontladerarbeit
  • Straßentransport
  • Fahrt mit schwerem Heckgerät

Die Radlast und die Geschwindigkeit verändern sich dabei.

Deshalb kann sich auch der notwendige Reifenfülldruck ändern

Ein pauschaler Druckwert kann zwar bequem sein, nutzt aber die Möglichkeiten moderner Landwirtschaftsreifen häufig nicht optimal aus.

Warum kann ein zu hoher Reifenfülldruck problematisch sein?

Mehr Druck bedeutet nicht automatisch mehr Sicherheit.

Ein unnötig hoher Reifenfülldruck kann im Feld:

  • die Aufstandsfläche verkleinern
  • Bodenbelastung erhöhen
  • Traktion verschlechtern
  • Schlupf erhöhen
  • Fahrkomfort reduzieren
Der Reifen sollte nicht möglichst hart, sondern passend zur tatsächlichen Belastung betrieben werden.

Warum ist zu niedriger Reifenfülldruck ebenfalls gefährlich?

Zu wenig Druck bedeutet, dass die Karkasse für die tatsächliche Last zu stark verformt wird.

Mögliche Folgen sind:

  • übermäßige Walkarbeit
  • starke Wärmeentwicklung
  • Seitenwandüberlastung
  • Wulstbeanspruchung
  • instabiles Fahrverhalten
  • Karkassenschäden
Niedriger zulässiger Arbeitsdruck und Unterluftdruck sind zwei völlig unterschiedliche Dinge. Entscheidend ist immer, ob der Druck zur tatsächlichen Belastung passt.

Wie verändern IF- und VF-Reifen die Tragfähigkeit?

Moderne Landwirtschaftsreifen können mit besonderen Flexionstechnologien ausgestattet sein.

IF – Improved Flexion

Kann gegenüber vergleichbarer Standardtechnologie grundsätzlich bis zu 20 % mehr Last bei gleichem Reifenfülldruck ermöglichen.

VF – Very High Flexion

Kann gegenüber vergleichbarer Standardtechnologie grundsätzlich bis zu 40 % mehr Last bei gleichem Reifenfülldruck ermöglichen.

Warum ist der Load Index trotzdem wichtig?

IF und VF ersetzen die Tragfähigkeitskennzeichnung nicht.

Sie beschreiben zusätzliche Eigenschaften der Karkasse und verändern die Möglichkeiten innerhalb der dafür vorgesehenen technischen Last-/Drucktabellen.

IF und VF behandeln wir in der FT Wissenswelt Landwirtschaftsreifen zusätzlich in einem eigenen Fachartikel ausführlich.

Kann ein VF-Reifen trotz gleicher Größe mehr tragen?

Ja, genau darin kann einer der Vorteile der VF-Technologie liegen.

Zwei Reifen können beispielsweise nominell dieselbe Größe besitzen und trotzdem unterschiedliche Tragfähigkeitsmöglichkeiten aufweisen.

Entscheidend sind:

  • Karkassentechnologie
  • Load Index
  • Speed Symbol
  • Last-/Drucktabelle
  • zulässige Betriebsbedingungen
Die Reifengröße allein sagt deshalb nicht, wie viel Last ein Landwirtschaftsreifen tatsächlich tragen darf.

Warum sind Erntemaschinen bei der Tragfähigkeit besonders anspruchsvoll?

Mähdrescher und Feldhäcksler kombinieren hohe Eigengewichte mit stark wechselnden Belastungen.

Bei einem Mähdrescher kommen beispielsweise hinzu:

  • Schneidwerk beziehungsweise Vorsatzgerät
  • voller oder leerer Korntank
  • Kraftstoff
  • weitere Ausrüstung

Warum ist der volle Korntank entscheidend?

Die maximale Reifenbelastung tritt nicht zwingend bei leerer Maschine auf.

Während der Ernte kann sich die Radlast erheblich erhöhen.

Für die Reifenauslegung muss deshalb die relevante maximale Betriebslast berücksichtigt werden – nicht nur das Leergewicht der Maschine.

Was bedeutet zyklische Belastung?

Bei bestimmten landwirtschaftlichen Maschinen steigt und fällt die Last während eines Arbeitszyklus regelmäßig.

Ein typisches Beispiel ist eine Erntemaschine:

Tank leer → Tank füllt sich → hohe Last → Tank wird entleert → Last sinkt wieder.

Solche Betriebsbedingungen unterscheiden sich von einer dauerhaft gleichbleibenden Belastung.

Warum gibt es dafür besondere Angaben?

Weil Reifenhersteller und technische Standards bestimmte zyklische Einsatzbedingungen separat berücksichtigen können.

Spezielle Kennzeichnungen wie CFO gehören in diesen Bereich und werden innerhalb der FT Wissenswelt Landwirtschaftsreifen im Artikel zu IF, VF, CFO, NRO, SRI und weiteren Kennzeichnungen noch genauer erklärt.

Warum sind Feldspritzen ein besonderes Beispiel?

Selbstfahrende Feldspritzen können hohe Gesamtgewichte auf vergleichsweise schmalen Reifen tragen.

Hinzu kommt eine stark wechselnde Last:

Tank voll → hohe Radlast

Tank leer → deutlich geringere Radlast

Was muss der Reifen können?

Er muss für die höchste relevante Belastung und gleichzeitig für die vorgesehene Geschwindigkeit geeignet sein.

Gerade bei schmalen Pflegebereifungen sind Tragfähigkeit und moderne Karkassentechnologie deshalb besonders wichtige Auswahlkriterien.

Warum ist Tragfähigkeit auch bei Anhängern wichtig?

Bei landwirtschaftlichen Anhängern, Güllefässern und Transportfahrzeugen können sehr hohe Radlasten auftreten.

Gleichzeitig werden diese Fahrzeuge häufig:

  • auf weichem Boden
  • auf Feldwegen
  • und mit höherer Geschwindigkeit auf der Straße

eingesetzt.

Was bedeutet das für die Reifenwahl?

Der Reifen muss nicht nur die Last tragen, sondern auch für die vorgesehene Geschwindigkeit und den Wechsel zwischen Feld und Straße geeignet sein.

Warum ist die tatsächliche Geschwindigkeit wichtiger als nur die bauartbedingte Höchstgeschwindigkeit?

Für die Reifenberechnung ist relevant, unter welchen Bedingungen der Reifen tatsächlich eingesetzt wird.

Eine Maschine, die technisch 50 km/h fahren kann, aber bei einer bestimmten Arbeit nur sehr langsam bewegt wird, kann innerhalb dafür vorgesehener Tabellen andere Lastbedingungen haben.

Aber darf man deshalb den Reifen zu klein dimensionieren?

Nein.

Die Bereifung muss für die vorgesehenen und zulässigen Betriebszustände der Maschine geeignet sein.

Ein günstiger Tragfähigkeitswert bei niedriger Geschwindigkeit darf nicht genutzt werden, wenn die Maschine anschließend mit dieser Last schneller betrieben wird als für diesen Wert vorgesehen.

Was bedeutet eine Doppelkennzeichnung beim Landwirtschaftsreifen?

Bei bestimmten Landwirtschaftsreifen können auf der Seitenwand beziehungsweise in technischen Unterlagen mehr als eine Load-/Speed-Kombination angegeben sein.

Damit können unterschiedliche Tragfähigkeiten bei unterschiedlichen Geschwindigkeitskategorien beschrieben werden.

Warum ist das sinnvoll?

Landwirtschaftliche Reifen arbeiten häufig in einem wesentlich breiteren Geschwindigkeitsspektrum als klassische Straßenreifen:

sehr langsame Arbeit → Feldfahrt → Transportfahrt → Straße.

Mehrere Kennzeichnungen dürfen deshalb nicht einzeln herausgegriffen werden. Sie müssen immer im vorgesehenen technischen Zusammenhang gelesen werden.

Warum ist Tragfähigkeit nicht dasselbe wie Maschinengewicht?

Das Gesamtgewicht einer Maschine verteilt sich auf mehrere Räder und Achsen.

Außerdem kann die Lastverteilung sehr unterschiedlich sein.

Beispiel Traktor

Ein schweres Heckgerät kann die Hinterachse erheblich belasten, während die Vorderachse gleichzeitig entlastet wird.

Ein Frontlader kann die Verhältnisse deutlich verändern.

Aus dem Gesamtgewicht eines Traktors lässt sich deshalb nicht direkt ablesen, welche Tragfähigkeit jeder einzelne Reifen benötigt.

Warum sollte man Vorder- und Hinterachse getrennt betrachten?

Bei einem Traktor unterscheiden sich Vorder- und Hinterreifen häufig deutlich in:

  • Größe
  • Tragfähigkeit
  • Reifenfülldruck
  • tatsächlicher Radlast
  • Aufgabe

Ein pauschaler Druck oder eine pauschale Lastannahme für alle vier Reifen ist deshalb häufig nicht sinnvoll.

Der richtige Ablauf

Vorderachse bestimmen → Hinterachse bestimmen → Belastung je Reifen berechnen → jeweilige Last-/Drucktabelle anwenden.

Was passiert bei einer Überlastung des Landwirtschaftsreifens?

Ist die tatsächliche Belastung höher als für Reifen, Druck und Geschwindigkeit zulässig, muss die Karkasse mehr Arbeit leisten als vorgesehen.

Mögliche Folgen sind:

  • starke Verformung
  • übermäßige Erwärmung
  • Karkassenschäden
  • Seitenwandschäden
  • Wulstschäden
  • verkürzte Lebensdauer
Eine Überlastung muss nicht sofort durch einen sichtbaren Reifenschaden auffallen. Die Karkasse kann bereits geschädigt werden, bevor außen deutliche Merkmale erkennbar sind.

Warum ist eine kurze Überlastung nicht automatisch harmlos?

Auch kurzzeitig hohe Belastungen können den Reifen stark beanspruchen.

Ob und unter welchen Bedingungen zusätzliche Lasten zulässig sind, hängt von der jeweiligen Betriebsart und den technischen Vorgaben ab.

Deshalb sollte man nicht pauschal sagen:

„Das sind nur ein paar Minuten, das hält der Reifen schon aus.“

Gerade hohe Last, niedriger Druck und Geschwindigkeit können eine kritische Kombination bilden.

Zulässige Sonderbelastungen müssen aus den technischen Vorgaben hervorgehen – sie sollten nicht aus Erfahrung geschätzt werden.

Warum ist der Load Index beim Reifenkauf trotzdem so wichtig?

Trotz aller zusätzlichen Tabellen bleibt der Load Index ein zentraler Kennwert.

Er ermöglicht eine schnelle erste Prüfung:

  • Ist der Reifen grundsätzlich in der erforderlichen Tragfähigkeitsklasse?
  • Passt die Geschwindigkeitskennzeichnung?
  • Unterscheidet sich die Tragfähigkeit verschiedener Ausführungen?
  • Gibt es IF- oder VF-Varianten mit höherer Leistungsfähigkeit?
Der Load Index ist der Einstieg in die Tragfähigkeitsbewertung – die technische Last-/Drucktabelle macht daraus die konkrete Betriebseinstellung.

Welche Angaben sollte man bei der Auswahl eines Landwirtschaftsreifens kennen?

Reifengröße

Zum Beispiel 420/85 R34 oder 600/65 R38.

Rad-/Achslast

Die tatsächliche Belastung in der relevanten Arbeitskonfiguration.

Geschwindigkeit

Feldgeschwindigkeit und relevante maximale Transportgeschwindigkeit.

Reifentechnologie

Standard, IF, VF oder besondere Ausführung.

Felge

Felgendurchmesser, Breite und zulässige Reifen-/Felgenkombination.

Einsatz

Acker, Grünland, Transport, Ernte, Pflege oder kombinierter Feld-/Straßeneinsatz.

Typische Irrtümer zu Load Index und Tragfähigkeit

Behauptung Richtige Einordnung
„Load Index 160 bedeutet 160 kg.“ Nein. Der LI ist eine Kennzahl, die über eine standardisierte Tabelle einer Tragfähigkeit zugeordnet wird.
„Wenn der Load Index passt, ist alles erledigt.“ Nein. Geschwindigkeit, Reifenfülldruck, Einsatz und technische Reifentabelle müssen ebenfalls berücksichtigt werden.
„Achslast geteilt durch zwei ist immer die genaue Radlast.“ Nicht zwingend. Die tatsächliche Lastverteilung kann ungleichmäßig sein.
„Mehr Luftdruck bedeutet automatisch mehr Sicherheit.“ Nein. Der Druck sollte zur tatsächlichen Last und Betriebsbedingung passen.
„Je weniger Druck, desto bodenschonender.“ Nur innerhalb der zulässigen Grenzen. Unterluftdruck kann den Reifen überlasten.
„Eine Last, die bei 10 km/h erlaubt ist, darf auch mit 50 km/h gefahren werden.“ Nein. Tragfähigkeit und Geschwindigkeit sind miteinander verknüpft.
„Das Leergewicht der Maschine reicht zur Reifenauslegung.“ Nein. Anbaugeräte, Ballast, Tankfüllung und Nutzlast können die Radlast erheblich verändern.
„Gleiche Reifengröße bedeutet gleiche Tragfähigkeit.“ Nein. Load Index, Karkassentechnologie und technische Ausführung können sich unterscheiden.

Tragfähigkeit richtig beurteilen – das System zählt

Bei Landwirtschaftsreifen sollte nicht nur gefragt werden:

„Wie viel trägt dieser Reifen?“

Die fachlich richtige Frage lautet:

„Wie viel darf dieser konkrete Reifen bei meiner Radlast, meinem Reifenfülldruck, meiner Geschwindigkeit und meinem Einsatz tragen?“

Der sinnvolle Ablauf lautet:

Maschine beladen → Achslast bestimmen → Radlast beurteilen → Geschwindigkeit festlegen → Reifenkennzeichnung prüfen → Last-/Drucktabelle verwenden → passenden Reifenfülldruck einstellen.

Load Index und Speed Symbol liefern wichtige Kennwerte. Erst zusammen mit der technischen Reifentabelle werden daraus belastbare Werte für den praktischen Einsatz.

Landwirtschaftsreifen bei FT-Reifen

Bei FT-Reifen finden Sie Landwirtschaftsreifen für unterschiedliche Maschinen, Lasten und Einsatzbereiche.

Neben der passenden Dimension sollten besonders Load Index, Speed Symbol, Karkassentechnologie, tatsächliche Radlast und Einsatzgeschwindigkeit berücksichtigt werden.

Landwirtschaftsreifen kaufen Landwirtschaftsreifen nach Größe, Hersteller und Ausführung auswählen.

Häufige Fragen zu Load Index und Tragfähigkeit bei Landwirtschaftsreifen

Was bedeutet der Load Index bei Landwirtschaftsreifen?

Der Load Index ist eine standardisierte Kennzahl für die Tragfähigkeit des Reifens unter den jeweils zugehörigen Bedingungen. Die LI-Zahl wird über eine Tabelle einer Tragfähigkeit in Kilogramm zugeordnet.

Was bedeutet A8 bei einem Landwirtschaftsreifen?

A8 ist ein Speed Symbol und steht für eine Geschwindigkeitskategorie bis 40 km/h. Die dazugehörige Tragfähigkeitsangabe muss gemeinsam mit dieser Geschwindigkeitsklasse betrachtet werden.

Was bedeutet B bei einem Landwirtschaftsreifen?

Das Speed Symbol B entspricht einer Geschwindigkeitskategorie bis 50 km/h.

Was bedeutet D bei einem Landwirtschaftsreifen?

D entspricht einer Geschwindigkeitskategorie bis 65 km/h und findet sich unter anderem bei Bereifungen für schnellere landwirtschaftliche Fahrzeuge und Anwendungen.

Ist die Achslast dasselbe wie die Radlast?

Nein. Die Achslast ist die gesamte Belastung einer Achse. Die Radlast ist der Anteil, den der einzelne Reifen tragen muss.

Kann ich die Achslast einfach durch zwei teilen?

Bei zwei gleichmäßig belasteten Einzelrädern ist das eine rechnerische Ausgangsbasis. In der Praxis können Lasten jedoch ungleich verteilt sein, weshalb eine reale Messung genauer ist.

Warum hängt die Tragfähigkeit vom Reifenfülldruck ab?

Der Reifenfülldruck unterstützt die Karkasse beim Tragen der Radlast. Bei zu niedrigem Druck wird die Karkasse stärker verformt. Deshalb geben Hersteller für verschiedene Lasten entsprechende Mindestdrücke an.

Warum hängt die Tragfähigkeit von der Geschwindigkeit ab?

Mit zunehmender Geschwindigkeit wird die Karkasse häufiger verformt und thermisch stärker belastet. Deshalb können für unterschiedliche Geschwindigkeiten unterschiedliche zulässige Lasten gelten.

Reicht der Load Index zur Auswahl eines Landwirtschaftsreifens aus?

Nein. Zusätzlich müssen unter anderem Geschwindigkeit, Reifenfülldruck, Radlast, Einsatzart, Felge und die technischen Herstellerangaben berücksichtigt werden.

Wie finde ich den richtigen Reifenfülldruck?

Die tatsächliche Rad- beziehungsweise Achslast wird ermittelt und zusammen mit Geschwindigkeit und Einsatzart in der Last-/Drucktabelle des konkreten Reifenmodells abgeglichen.

Tragfähigkeit ist mehr als eine Zahl auf dem Reifen

Der Load Index ist ein wichtiger Ausgangspunkt – aber bei Landwirtschaftsreifen entsteht die tatsächliche Belastbarkeit erst aus dem Zusammenspiel mehrerer Faktoren:

Load Index → Speed Symbol → Radlast → Reifenfülldruck → Geschwindigkeit → Einsatz.

Besonders bei Traktoren, Erntemaschinen, Feldspritzen und schweren landwirtschaftlichen Transportfahrzeugen können sich die Radlasten während der Arbeit erheblich verändern.

Deshalb gilt:

Nicht schätzen, wie viel der Reifen vermutlich trägt – sondern die tatsächliche Belastung bestimmen und mit den technischen Daten des konkreten Reifens abgleichen.

FT-Reifen verbindet über 35 Jahre Erfahrung im Reifenhandel mit verständlichem Reifenwissen und praktischer Erfahrung.

FT-Reifen – der Reifenhändler, der sein Wissen teilt.