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Landwirtschaftsreifen-Größen richtig lesen – metrische, Zoll- und alte Größenbezeichnungen

FT Wissenswelt – Landwirtschaftsreifen

Landwirtschaftsreifen-Größen richtig lesen – metrische, Zoll- und alte Größenbezeichnungen

Bei Landwirtschaftsreifen begegnen sich mehrere Generationen von Größenbezeichnungen. Auf einer modernen Maschine kann beispielsweise 420/85 R34 stehen, während ein älterer Traktor noch mit 16.9 R34 bereift ist. Zusätzlich gibt es Bezeichnungen wie 18.4-38, 480/70 R38, 600/65 R38 oder IF 650/65 R38.

Wer Landwirtschaftsreifen richtig auswählen oder umrüsten möchte, muss deshalb mehr verstehen als nur Breite und Felgendurchmesser.

Metrische Größen

Zum Beispiel 420/85 R34 oder 600/65 R38 mit Breite in Millimetern und angegebenem Querschnittsverhältnis.

Alte Zollgrößen

Zum Beispiel 16.9 R34 oder 18.4 R38 mit nomineller Reifenbreite in Zoll.

Diagonalgrößen

Zum Beispiel 18.4-38. Der Strich kennzeichnet hier die Diagonalbauweise anstelle des R für Radial.

Ähnliche oder in Umrüsttabellen nebeneinander aufgeführte Größen sind nicht automatisch ohne weitere Prüfung austauschbar. Felge, Abrollumfang, Freigängigkeit, Tragfähigkeit und bei Allradtraktoren die Vorder-/Hinterachs-Abstimmung müssen berücksichtigt werden.

Wie liest man 420/85 R34?

Die moderne metrische Landwirtschaftsreifen-Größe lässt sich Schritt für Schritt zerlegen.

420

Nominelle Reifenbreite beziehungsweise Querschnittsbreite in Millimetern.

85

Querschnittsverhältnis. Die nominelle Seitenwandhöhe entspricht 85 Prozent der nominellen Reifenbreite.

R34

R = Radialbauweise. 34 = Felgendurchmesser in Zoll.

Was bedeutet die 420 genau?

Die Zahl 420 beschreibt die nominelle Querschnittsbreite des Reifens in Millimetern.

Sie beschreibt nicht automatisch:

  • die Breite der Lauffläche
  • die Breite der Aufstandsfläche
  • die tatsächliche Breite bei jeder Felge
  • die exakte Breite unter Last
Die tatsächlichen Maße eines konkreten Reifenmodells müssen den technischen Daten des Herstellers entnommen werden. Nominelle Größe und reale Reifenabmessung sind nicht dasselbe.

Was bedeutet die 85 bei 420/85 R34?

Die zweite Zahl gibt das sogenannte Querschnittsverhältnis an.

Bei:

420/85 R34

420 mm × 0,85 = 357 mm nominelle Querschnittshöhe

Die theoretische Seitenwandhöhe beträgt damit ungefähr 357 Millimeter.

Ist das die tatsächliche Höhe der Seitenwand?

Es handelt sich um eine rechnerische nominelle Größe.

Das tatsächliche Maß kann je nach:

  • Reifenmodell
  • Hersteller
  • Felgenbreite
  • Konstruktion
  • Messbedingungen

abweichen.

Die Größenbezeichnung eignet sich hervorragend zum Verständnis der Größenfamilie. Für eine technische Umrüstung sollten jedoch die konkreten Herstellerabmessungen verwendet werden.

Was bedeutet R bei Landwirtschaftsreifen?

Das R steht für Radialbauweise.

Beispiele:

  • 420/85 R34
  • 480/70 R38
  • 600/65 R38
  • 710/70 R42

Bei einem Radialreifen verlaufen die tragenden Karkassenfäden grundsätzlich radial von Wulst zu Wulst.

Ist das R Teil des Felgendurchmessers?

Nein.

Die Angabe muss getrennt gelesen werden:

R = Bauart

34 = Felgendurchmesser

Was bedeutet 34 bei 420/85 R34?

Die letzte Zahl gibt den nominellen Felgendurchmesser in Zoll an.

Ein Reifen:

420/85 R34

gehört damit auf eine technisch passende 34-Zoll-Felge.

Warum wird die Breite in Millimetern, aber die Felge in Zoll angegeben?

Das ist bei vielen Reifengrößensystemen üblich.

Die Bezeichnung kombiniert:

  • Reifenbreite in Millimetern
  • Querschnitt in Prozent
  • Felgendurchmesser in Zoll
34 Zoll beschreibt nur den Felgendurchmesser. Daraus kann nicht abgeleitet werden, welche Felgenbreite für den Reifen zulässig ist.

Warum ist die Felgenbreite nicht in der Reifengröße enthalten?

Ein Reifen kann je nach Konstruktion für eine bestimmte Felgenbreite oder für mehrere freigegebene Felgenbreiten vorgesehen sein.

Diese Information steht normalerweise nicht vollständig in der Größenangabe.

Warum ist die Felgenbreite trotzdem so wichtig?

Sie beeinflusst die Form des montierten Reifens.

Eine andere Felgenbreite kann Auswirkungen haben auf:

  • Reifenbreite
  • Seitenwandstellung
  • Reifenkontur
  • Aufstandsfläche
  • Wulstposition
Eine 34-Zoll-Felge ist deshalb nicht automatisch für jeden Landwirtschaftsreifen mit der Endung R34 geeignet.

Wie liest man 480/70 R38?

Das gleiche System gilt für andere Querschnittsserien.

480

Nominelle Querschnittsbreite in Millimetern.

70

Nominelle Querschnittshöhe entspricht 70 Prozent der Reifenbreite.

R38

Radialreifen für eine entsprechende 38-Zoll-Felge.

480/70 R38

480 mm × 0,70 = 336 mm nominelle Querschnittshöhe

Ist 480/70 automatisch größer als 420/85?

Nein.

Der 480er Reifen ist nominell breiter, besitzt aber ein kleineres Querschnittsverhältnis.

Deshalb müssen Breite und Serie immer gemeinsam betrachtet werden.

Eine größere erste Zahl bedeutet nicht automatisch einen größeren Außendurchmesser.

Was bedeutet 65er-, 70er- oder 85er-Serie?

Bei Landwirtschaftsreifen spricht man häufig von verschiedenen Reifenserien.

Typische Beispiele sind:

Serie Beispiel Bedeutung
95er-Serie 270/95 R48 Querschnittshöhe entspricht nominell 95 % der Breite
85er-Serie 460/85 R38 Querschnittshöhe entspricht nominell 85 % der Breite
80er-Serie 480/80 R42 Querschnittshöhe entspricht nominell 80 % der Breite
75er-Serie 520/75 R38 Querschnittshöhe entspricht nominell 75 % der Breite
70er-Serie 520/70 R38 Querschnittshöhe entspricht nominell 70 % der Breite
65er-Serie 600/65 R38 Querschnittshöhe entspricht nominell 65 % der Breite
60er-Serie 650/60 R38 Querschnittshöhe entspricht nominell 60 % der Breite

Dadurch können breitere Reifen mit niedrigerer Querschnittsserie einen ähnlichen Größenbereich beziehungsweise ähnlichen SRI erreichen wie schmalere Reifen mit höherem Querschnitt.

Was bedeutet 18.4 R38?

Bei älteren beziehungsweise traditionellen Landwirtschaftsreifen-Bezeichnungen wird die Reifenbreite häufig in Zoll angegeben.

Beispiel:

18.4 R38

18.4

Nominelle Reifenbreite nach dem traditionellen Zoll-Größensystem.

R

Radialbauweise.

38

Felgendurchmesser in Zoll.

Wo ist bei 18.4 R38 die Querschnittszahl?

Bei dieser traditionellen Standardbezeichnung wird sie nicht separat ausgeschrieben.

Genau das ist einer der großen Unterschiede zum modernen metrischen System.

Die moderne entsprechende Größenfamilie kann deshalb nicht allein dadurch bestimmt werden, dass man 18,4 Zoll mathematisch in Millimeter umrechnet.

Warum wird aus 18.4 R38 nicht einfach 467 R38?

Ein Zoll entspricht 25,4 Millimetern.

Rein mathematisch ergibt sich:

18,4 × 25,4 mm = 467,36 mm

Trotzdem lautet die etablierte metrische Größenentsprechung der 85er-Serie nicht 467/85 R38, sondern:

460/85 R38.

Warum?

Reifengrößen sind nominelle standardisierte Größen und keine millimetergenaue Übersetzung der aufgedruckten Zollzahl.

Die Größenfamilien folgen festgelegten Reifenstandards.

Deshalb sollte bei alten Landwirtschaftsreifen niemals versucht werden, eine Ersatzgröße nur mit dem Taschenrechner zu bestimmen.

Typische alte Zollgrößen und ihre metrischen 85er-Entsprechungen

Bei klassischen Radial-Traktorreifen findet man häufig folgende Größenbeziehungen:

Traditionelle Zollbezeichnung Metrische 85er-Serie
9.5 R... 250/85 R...
11.2 R... 280/85 R...
12.4 R... 320/85 R...
13.6 R... 340/85 R...
14.9 R... 380/85 R...
16.9 R... 420/85 R...
18.4 R... 460/85 R...
20.8 R... 520/85 R...
Diese Zuordnung hilft beim Verständnis alter und neuer Größenbezeichnungen. Sie ersetzt aber nicht die technische Prüfung einer konkreten Umrüstung.

Ein konkretes Beispiel: 18.4 R38 und 460/85 R38

Die traditionelle Größe:

18.4 R38

wird der metrischen 85er-Größe:

460/85 R38

zugeordnet.

Was bleibt gleich?

  • Größenfamilie
  • 38-Zoll-Felgendurchmesser
  • Radialbauweise

Was wird in der modernen Bezeichnung deutlicher?

Bei 460/85 R38 ist zusätzlich das nominelle Querschnittsverhältnis direkt ablesbar.

460 mm × 0,85 = 391 mm nominelle Querschnittshöhe

Was bedeutet 18.4-38?

Zwischen:

18.4 R38

und:

18.4-38

liegt ein entscheidender Unterschied.

18.4 R38

R steht für Radialbauweise.

18.4-38

Der Strich kennzeichnet die traditionelle Diagonalbauweise.

18.4 R38 und 18.4-38 besitzen eine ähnliche Größenbezeichnung, sind aber konstruktiv nicht derselbe Reifentyp.

Warum ist R oder Strich so wichtig?

Bei der Landwirtschaftsbereifung beschreibt die Bauart nicht nur ein kleines Detail.

Radial- und Diagonalreifen unterscheiden sich grundlegend in ihrem Karkassenaufbau.

Das kann Auswirkungen haben auf:

  • Flankenverformung
  • Aufstandsfläche
  • Fahrkomfort
  • Traktion
  • Walkarbeit
  • Einsatzcharakteristik
Deshalb sollte eine Größenbezeichnung niemals nur anhand der Zahlen gelesen werden. Das Bauartzeichen gehört zwingend dazu.

Was ist der Unterschied zwischen 460/85 R38 und 520/70 R38?

Beide Reifen besitzen eine 38-Zoll-Felgenangabe, unterscheiden sich jedoch deutlich bei Breite und Querschnittsserie.

460/85 R38

460 mm nominelle Breite und 85er-Serie.

460 × 0,85 = 391 mm

520/70 R38

520 mm nominelle Breite und 70er-Serie.

520 × 0,70 = 364 mm

Der zweite Reifen ist nominell deutlich breiter, hat aber eine niedrigere Seitenwandserie.

Warum werden solche Größen bei Umrüstungen interessant?

Durch eine größere Breite und gleichzeitig niedrigere Querschnittsserie können unterschiedliche Reifengrößen in einen ähnlichen Außendurchmesser- beziehungsweise SRI-Bereich gelangen.

Das bedeutet aber nicht, dass 460/85 R38 und 520/70 R38 an jeder Maschine direkt gegeneinander ausgetauscht werden dürfen.

Warum können unterschiedliche Größen einen ähnlichen Außendurchmesser haben?

Der Außendurchmesser ergibt sich vereinfacht aus:

Felgendurchmesser + zweimal Reifenquerschnitt.

Ein breiterer Reifen mit niedrigerem Querschnitt kann deshalb in einen ähnlichen Durchmesserbereich gelangen wie ein schmalerer Reifen mit höherem Querschnitt.

Aber kann man den Außendurchmesser exakt ausrechnen?

Nicht für eine technische Umrüstung.

Die rechnerische Größenbezeichnung liefert eine Orientierung.

Der tatsächliche Außendurchmesser hängt vom konkreten Reifenmodell und seiner Konstruktion ab.

Für technische Vergleiche sind die Herstellerdaten des konkreten Reifens wichtiger als eine theoretische Berechnung aus der Größenbezeichnung.

Was ist der Abrollumfang?

Der Abrollumfang beschreibt, welche Strecke ein Reifen bei einer definierten Abrollbewegung zurücklegt.

Er ist nicht einfach identisch mit:

Außendurchmesser × π.

Warum nicht?

Ein Reifen verformt sich unter Last.

Außerdem wird der für technische Abstimmungen verwendete Abrollumfang beziehungsweise Rollradius nach definierten Verfahren bestimmt.

Für eine Größenumrüstung sollte deshalb der technische Abrollumfang beziehungsweise die entsprechende Herstellerangabe verwendet werden und nicht nur ein mit dem Taschenrechner errechneter theoretischer Umfang.

Was ist der SRI bei Landwirtschaftsreifen?

In technischen Umrüsttabellen für Landwirtschaftsreifen findet man häufig den Begriff SRI.

SRI steht für:

Speed Radius Index.

Der SRI dient zur Einordnung von Landwirtschaftsreifen in entsprechende Größen- beziehungsweise Rollradiusgruppen.

Warum stehen unter demselben SRI unterschiedliche Reifengrößen?

Weil verschiedene Kombinationen aus:

  • Reifenbreite
  • Querschnittsserie
  • Felgendurchmesser

einen vergleichbaren Größenbereich ergeben können.

Ein gleicher oder ähnlicher SRI ist eine wichtige Orientierung bei der Umrüstung, bedeutet aber nicht automatisch, dass jede Größe ohne weitere Prüfung montiert werden kann.

Warum gibt es bei gleichem SRI so viele verschiedene Reifengrößen?

Ein Beispiel zeigt, wie umfangreich moderne Landwirtschaftsbereifung geworden ist.

In derselben Größenklasse können je nach Anwendung unter anderem Reifen aus verschiedenen Serien vorkommen:

  • schmale Pflegebereifung mit hoher Querschnittsserie
  • klassische 85er-Serie
  • 70er-Serie
  • 65er-Serie
  • 60er-Serie
  • sehr breite Niederschnittkonzepte

Warum macht man das?

Damit können unterschiedliche Anforderungen erfüllt werden, beispielsweise:

  • mehr Reifenbreite
  • größeres Luftvolumen
  • andere Aufstandsfläche
  • andere Fahrzeughöhe
  • andere Felgendimension
  • Pflegebereifung zwischen Pflanzenreihen

Was bedeutet eine Größe wie 600/65 R38?

600

Nominelle Querschnittsbreite von 600 Millimetern.

65

Querschnittshöhe entspricht nominell 65 Prozent der Breite.

R38

Radialreifen auf entsprechender 38-Zoll-Felge.

600 mm × 0,65 = 390 mm nominelle Querschnittshöhe

Interessant ist der Vergleich:

460/85 R38 → 391 mm rechnerischer Querschnitt

600/65 R38 → 390 mm rechnerischer Querschnitt

Obwohl der 600/65 deutlich breiter ist, liegt die rechnerische Querschnittshöhe nahezu im selben Bereich.

Das zeigt sehr gut, warum Breite und Querschnittsserie immer gemeinsam gelesen werden müssen.

Was bedeutet eine Größe wie 650/60 R38?

Auch hier gilt:

650 mm × 0,60 = 390 mm nominelle Querschnittshöhe

Damit zeigen bereits drei unterschiedliche Größen rechnerisch einen ähnlichen Querschnitt:

Größe Nominelle Breite Serie Rechnerische Querschnittshöhe
460/85 R38 460 mm 85 % ca. 391 mm
600/65 R38 600 mm 65 % ca. 390 mm
650/60 R38 650 mm 60 % ca. 390 mm
Das ist ein gutes Beispiel für die Entwicklung von schmaleren Standardserien hin zu breiteren Niederschnittkonzepten. Trotzdem können reale Außendurchmesser, Felgenanforderungen und technische Eigenschaften voneinander abweichen.

Warum kann man nicht einfach einen breiteren Reifen montieren?

Eine breitere Umrüstgröße benötigt ausreichend Platz.

Geprüft werden müssen unter anderem:

  • Abstand zum Kotflügel
  • Abstand zu Fahrwerksteilen
  • Abstand zu Rahmen und Anbauteilen
  • Lenkeinschlag
  • Felgenbreite
  • Spurweite
  • Gesamtbreite des Fahrzeugs

Warum ist die Herstellerbreite wichtig?

Die nominelle Größenangabe ist nicht das exakte Höchstmaß des montierten Reifens.

Das konkrete Reifenmodell kann breiter oder anders geformt sein als ein anderes Modell derselben nominellen Größe.

Bei engen Freigängigkeiten sollte deshalb immer mit den tatsächlichen technischen Reifenmaßen gearbeitet werden.

Warum ist eine Größenänderung beim Allradtraktor besonders kritisch?

Bei mechanisch gekoppelten Allradtraktoren arbeiten Vorder- und Hinterachse mit einem konstruktiv festgelegten Übersetzungsverhältnis zusammen.

Dazu müssen die Abrollumfänge der Vorder- und Hinterreifen passen.

Was passiert bei einer ungeeigneten Kombination?

Die Abstimmung der Achsen kann sich verändern.

Dadurch können unter anderem entstehen:

  • ungünstige Voreilung
  • Verspannungen im Antriebsstrang
  • erhöhter Reifenverschleiß
  • schlechteres Fahrverhalten
  • unnötiger Schlupf
Bei einem Allradtraktor darf deshalb niemals nur eine Vorder- oder Hinterreifengröße isoliert betrachtet werden.

Was bedeutet Voreilung bei einem Allradtraktor?

Vereinfacht beschreibt die Voreilung das Verhältnis zwischen der tatsächlichen Wegstrecke der Vorder- und Hinterachse bei zugeschaltetem mechanischem Allradantrieb.

Sie hängt unter anderem ab von:

  • mechanischer Achsübersetzung
  • Abrollumfang der Vorderreifen
  • Abrollumfang der Hinterreifen

Warum gehört das in einen Artikel über Reifengrößen?

Weil bereits eine Änderung der Reifenserie den Abrollumfang verändern kann.

Ein Reifen kann optisch und vom Felgendurchmesser her passen und trotzdem für die vorhandene Vorder-/Hinterachs-Kombination ungeeignet sein.

Abrollumfang und Voreilung behandeln wir in der FT Wissenswelt Landwirtschaftsreifen noch ausführlich in einem eigenen Fachartikel.

Warum ist der Verschleißzustand bei einer Größenbewertung interessant?

Ein neuer Landwirtschaftsreifen besitzt eine größere Profiltiefe als ein stark abgefahrener Reifen.

Dadurch verändert sich auch sein effektiver Rollradius.

Was bedeutet das bei einem Reifenwechsel?

Besonders bei abgestimmten Vorder-/Hinterachskombinationen sollte berücksichtigt werden, dass:

  • ein neuer Reifen
  • und ein stark verschlissener Reifen

nicht exakt denselben Abrollumfang besitzen.

Bei Allradmaschinen ist deshalb nicht nur die aufgedruckte Größe interessant, sondern auch der tatsächliche Zustand der Bereifung.

Was bedeuten IF und VF vor einer Reifengröße?

Bei modernen Landwirtschaftsreifen kann vor der eigentlichen Größenbezeichnung beispielsweise stehen:

IF 650/65 R38

oder:

VF 650/65 R38

Verändert IF oder VF die Art, wie man 650/65 R38 liest?

Die Grunddimension wird weiterhin nach demselben Prinzip gelesen:

  • 650 mm nominelle Breite
  • 65er-Querschnitt
  • Radialbauweise
  • 38-Zoll-Felge

IF beziehungsweise VF beschreibt zusätzlich ein besonderes Flexions- und Tragfähigkeitskonzept.

IF und VF sind deshalb keine zusätzliche Reifengröße, sondern eine wichtige technische Kennzeichnung der Reifenkonstruktion.

Was bedeuten Größen ohne Querschnittszahl?

Bei älteren und bestimmten Spezialgrößen fehlt häufig eine separat ausgeschriebene Verhältniszahl.

Beispiele:

  • 12.4 R28
  • 16.9 R34
  • 18.4 R38
  • 23.1 R26

Diese Größen dürfen nicht nach dem modernen Schema gelesen werden, als wäre einfach eine Zahl vergessen worden.

Wie findet man eine moderne Entsprechung?

Über:

  • ETRTO-orientierte Umrüsttabellen
  • Herstellerunterlagen
  • SRI
  • technische Reifendaten
Eine reine Umrechnung von Zoll in Millimeter reicht nicht aus.

Was ist bei alten Diagonalgrößen besonders zu beachten?

Eine Größe wie:

16.9-34

kennzeichnet nicht nur eine ältere Schreibweise.

Der Strich zeigt zugleich die Diagonalbauweise.

Kann man daraus einfach 420/85 R34 machen?

Die Größen können einer ähnlichen Größenfamilie entsprechen, aber gleichzeitig würde die Bauart von diagonal auf radial geändert.

Damit können sich ändern:

  • Reifenverformung
  • Traktion
  • Fahrkomfort
  • zulässiger Reifenfülldruck
  • Tragfähigkeitsverhalten
Eine Größenumrüstung kann deshalb gleichzeitig eine Konstruktionsumrüstung sein.

Warum sind gleiche Größen verschiedener Hersteller nicht millimetergenau gleich?

Die aufgedruckte Reifengröße ist eine nominelle Größenbezeichnung.

Ein:

480/70 R38

von Hersteller A muss deshalb nicht exakt dieselbe:

  • Gesamtbreite
  • Außendurchmesser
  • Profiltiefe
  • Stollengeometrie
  • Abrollumfang

besitzen wie ein 480/70 R38 eines anderen Herstellers.

Bei normalen Ersatzsituationen ist die nominelle Größe die Grundlage. Bei technisch kritischen Umrüstungen sollte zusätzlich mit den konkreten Reifendaten gearbeitet werden.

Warum verändert das Profil ebenfalls die reale Reifengröße?

Landwirtschaftsreifen können sehr unterschiedliche Profiltiefen besitzen.

Ein ausgeprägtes Traktionsprofil baut anders auf als ein flacheres Profil.

Warum ist das beim Abrollumfang relevant?

Der Profilbereich gehört zum realen Außendurchmesser des Reifens.

Deshalb können zwei Reifen derselben nominellen Größe trotz gleicher Karkassengröße unterschiedliche technische Werte aufweisen.

Für die Voreilungsberechnung ist deshalb der konkrete Abrollumfang des Reifenmodells wesentlich aussagekräftiger als eine theoretische Größenrechnung.

Was sollte vor einer Landwirtschaftsreifen-Umrüstung geprüft werden?

1. Ausgangsgröße

Welche Reifen sind aktuell vorne und hinten montiert?

2. Felgen

Welche Felgendurchmesser, Breiten und Konturen sind vorhanden?

3. Tragfähigkeit

Welche tatsächlichen Rad- und Achslasten treten auf?

4. Geschwindigkeit

Welche Arbeits- und Straßengeschwindigkeiten müssen berücksichtigt werden?

5. Freigängigkeit

Ist ausreichend Platz in Breite, Höhe und bei Lenkeinschlag vorhanden?

6. Abrollumfang

Passt die neue Vorder-/Hinterachskombination zur Übersetzung des Allradantriebs?

Eine Umrüsttabelle ist ein Ausgangspunkt – nicht automatisch die endgültige Freigabe für die konkrete Maschine.

Alte und moderne Landwirtschaftsreifen-Größen im Überblick

Beispiel System Was ist direkt ablesbar?
18.4-38 Traditionelle Zollgröße, diagonal Nominelle Breite in Zoll, Diagonalbauweise, Felgendurchmesser
18.4 R38 Traditionelle Zollgröße, radial Nominelle Breite in Zoll, Radialbauweise, Felgendurchmesser
460/85 R38 Metrische 85er-Serie Breite in mm, Querschnitt, Radialbauweise, Felgendurchmesser
520/70 R38 Metrische 70er-Serie Breite in mm, Querschnitt, Radialbauweise, Felgendurchmesser
600/65 R38 Metrische 65er-Serie Breite in mm, Querschnitt, Radialbauweise, Felgendurchmesser
IF 600/65 R38 IF-Radialreifen IF-Technologie plus metrische Größenangabe
VF 600/65 R38 VF-Radialreifen VF-Technologie plus metrische Größenangabe

Typische Fehler beim Lesen von Landwirtschaftsreifen-Größen

Fehler Richtige Einordnung
„420 bedeutet 420 mm Lauffläche.“ Nein. Die Zahl beschreibt die nominelle Querschnittsbreite, nicht die Breite der tatsächlichen Bodenaufstandsfläche.
„85 bedeutet 85 mm Seitenwand.“ Nein. 85 steht für 85 Prozent der nominellen Reifenbreite.
„R38 bedeutet Radius 38.“ Nein. R kennzeichnet Radialbauweise, 38 den Felgendurchmesser in Zoll.
„18.4 R38 und 18.4-38 sind gleich.“ Nein. R kennzeichnet radial, der Strich eine Diagonalbauweise.
„18,4 Zoll sind 467 mm, also brauche ich 467er Reifen.“ Nein. Reifengrößen folgen standardisierten nominellen Größenfamilien; 18.4 R38 wird beispielsweise 460/85 R38 zugeordnet.
„Ein breiterer Reifen ist automatisch höher.“ Nein. Das Querschnittsverhältnis bestimmt die nominelle Seitenwandhöhe mit.
„Wenn die Felgengröße gleich ist, passt der Reifen.“ Nein. Felgenbreite, Freigängigkeit, Tragfähigkeit und weitere technische Werte müssen ebenfalls passen.
„Eine Größe aus derselben Umrüstzeile kann einfach montiert werden.“ Nein. Umrüsttabellen dienen als Orientierung; die konkrete Maschine muss technisch geprüft werden.

Die wichtigste Regel bei Landwirtschaftsreifen-Größen

Eine Größenbezeichnung liefert viele Informationen – aber nicht alle.

Aus:

600/65 R38

lassen sich beispielsweise Breite, Querschnittsserie, Radialbauweise und Felgendurchmesser ablesen.

Nicht direkt daraus hervorgehen:

  • exakter Außendurchmesser
  • exakter Abrollumfang
  • zulässige Felgenbreiten
  • tatsächliche Tragfähigkeit unter allen Bedingungen
  • passende Vorder-/Hinterachskombination
  • Voreilung
Die Reifengröße ist deshalb der Anfang der technischen Zuordnung – nicht deren Ende.

Landwirtschaftsreifen bei FT-Reifen

Bei FT-Reifen finden Sie Landwirtschaftsreifen in klassischen Zollgrößen ebenso wie in modernen metrischen Dimensionen für unterschiedliche Maschinen und Anwendungen.

Besonders bei Größenumrüstungen sollten neben der Dimension auch Felge, Tragfähigkeit, Abrollumfang und Einsatz berücksichtigt werden.

Landwirtschaftsreifen kaufen Landwirtschaftsreifen nach Größe, Hersteller und Ausführung bei FT-Reifen auswählen.

Häufige Fragen zu Landwirtschaftsreifen-Größen

Was bedeutet 420/85 R34?

420 steht für die nominelle Reifenbreite in Millimetern, 85 für ein Querschnittsverhältnis von 85 Prozent, R für Radialbauweise und 34 für den Felgendurchmesser in Zoll.

Was bedeutet 18.4 R38?

18.4 ist die traditionelle nominelle Reifenbreite in Zoll, R kennzeichnet die Radialbauweise und 38 den Felgendurchmesser in Zoll.

Was ist der Unterschied zwischen 18.4 R38 und 18.4-38?

18.4 R38 ist ein Radialreifen. Bei 18.4-38 kennzeichnet der Strich die Diagonalbauweise.

Welche metrische Größe entspricht 18.4 R38?

Die traditionelle Größe 18.4 R38 wird in der klassischen metrischen 85er-Serie 460/85 R38 zugeordnet. Eine konkrete Umrüstung sollte trotzdem anhand der technischen Reifendaten geprüft werden.

Warum entspricht 18,4 Zoll nicht einfach 467 mm Reifengröße?

Weil Reifengrößen standardisierte nominelle Größenfamilien sind. Eine mathematische Zoll-Millimeter-Umrechnung ersetzt nicht die technische Größenentsprechung.

Was bedeutet die Zahl 65 bei 600/65 R38?

Die nominelle Querschnittshöhe beträgt 65 Prozent der nominellen Reifenbreite. Bei 600 mm ergibt das rechnerisch ungefähr 390 mm.

Kann ich 460/85 R38 einfach durch 600/65 R38 ersetzen?

Nicht allein aufgrund einer ähnlichen rechnerischen Reifenhöhe. Felge, reale Abmessungen, Tragfähigkeit, Freigängigkeit und bei Allradtraktoren die Vorder-/Hinterachs-Abstimmung müssen geprüft werden.

Warum sind zwei Reifen derselben Größe nicht exakt gleich groß?

Die Größenangabe ist nominell. Tatsächliche Breite, Außendurchmesser, Profiltiefe und Abrollumfang können je nach Hersteller und Reifenmodell unterschiedlich sein.

Was ist SRI bei Landwirtschaftsreifen?

SRI steht für Speed Radius Index und dient bei Landwirtschaftsreifen zur technischen Einordnung von Größen in vergleichbare Rollradiusgruppen. Er ist besonders bei Umrüsttabellen hilfreich.

Warum ist der Abrollumfang bei einem Allradtraktor wichtig?

Vorder- und Hinterachse müssen zur mechanischen Übersetzung des Allradantriebs passen. Eine ungeeignete Reifenkombination kann die Voreilung verändern und zu Verspannungen oder erhöhtem Verschleiß führen.

Landwirtschaftsreifen-Größen richtig lesen statt nur Zahlen vergleichen

Ob:

18.4-38 → 18.4 R38 → 460/85 R38 → 520/70 R38 → 600/65 R38

hinter jeder Bezeichnung steckt ein bestimmtes Größen- und Konstruktionsprinzip.

Die wichtigsten Informationen sind:

Breite → Querschnitt → Bauart → Felgendurchmesser.

Für eine tatsächliche Umrüstung kommen jedoch weitere technische Werte hinzu:

Felge → reale Abmessungen → Abrollumfang → Tragfähigkeit → Freigängigkeit → Vorder-/Hinterachs-Abstimmung.

Gerade bei Allradtraktoren ist deshalb eine vermeintlich ähnliche Reifengröße nicht automatisch die technisch richtige Ersatzgröße.

FT-Reifen verbindet über 35 Jahre Erfahrung im Reifenhandel mit verständlichem Reifenwissen und praktischer Erfahrung.

FT-Reifen – der Reifenhändler, der sein Wissen teilt.